Die Heizölpreise sind seit dem Sommer wieder deutlich gestiegen. Wer mit Öl heizt und einen leeren Tank hat, steht deshalb vor einer schwierigen Frage: Jetzt Heizöl kaufen – oder auf sinkende Preise warten? Heizöl24-Sprecher Oliver Klapschus und die Verbraucherzentrale schätzen die Lage auf Nachfrage der Mediengruppe Bayern teilweise unterschiedlich ein. In einem Punkt sind sie sich jedoch einig: Die weitere Heizöl-Preisentwicklung ist derzeit kaum vorhersehbar.
Für Besitzer einer Ölheizung war der Sommer 2026 bislang kein günstiger Zeitpunkt zum Nachtanken. Nach einer zwischenzeitlichen Entspannung haben die Heizölpreise wieder angezogen. Oliver Klapschus, Sprecher des Vergleichsportals Heizöl24, sieht den wesentlichen Grund dafür im Iran-Konflikt.
Nachdem die Ölpreise am Weltmarkt im Juni zunächst gefallen seien, habe sich die Situation Anfang Juli wieder gedreht. Die erhoffte Entspannung rund um die Straße von Hormus sei ausgeblieben. Die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran steckten fest.
Die Verbraucherzentrale verweist zusätzlich auf weitere Belastungsfaktoren. Neben den geopolitischen Spannungen hätten Streiks, Brände in Tanklagern, Angriffe der Ukraine auf russische Raffinerien und das Niedrigwasser auf zahlreichen Flüssen zuletzt preissteigernd gewirkt. Gerade die Straße von Hormus spielt für den internationalen Ölmarkt eine entscheidende Rolle: Rund 20 Prozent der weltweiten Öllieferungen seien von der Blockade betroffen gewesen.
Heizölpreise aktuell: Bayern liegt unter dem Bundesdurchschnitt
Nach Angaben von HeizOel24 kostet ein Liter Heizöl derzeit im bundesweiten Durchschnitt rund 1,34 Euro. In Bayern liegt der Durchschnittspreis bei etwa 1,29 Euro pro Liter. Grundlage ist jeweils eine Abnahmemenge von 3.000 Litern inklusive Mehrwertsteuer und Lieferung. Damit würde eine Bestellung von 3.000 Litern in Bayern derzeit rechnerisch etwa 3.870 Euro kosten. Im Bundesdurchschnitt wären es rund 4.020 Euro.
Doch wie geht es weiter? Genau hier wird eine Prognose schwierig. „Die Preise entwickeln sich sehr volatil und hängen stark von der geopolitischen Entwicklung ab“, erklärt die Verbraucherzentrale. Momentan deute wenig auf Entspannung hin – die Situation könne sich jedoch innerhalb weniger Tage wieder verändern. Eine Prognose gleiche deshalb einem „Blick in die Glaskugel“.
Klapschus sieht ebenfalls die Entwicklung am Weltmarkt als entscheidenden Faktor. Positive Nachrichten über die Straße von Hormus und eine Normalisierung der Handelsströme könnten die Rohölpreise deutlich drücken. Bleibt die Situation am Persischen Golf dagegen angespannt, seien gleichbleibend hohe oder sogar weiter steigende Preise möglich.
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Wann Heizöl kaufen? Im Herbst könnte zusätzlicher Preisdruck entstehen
Für deutsche Haushalte kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: die bevorstehende Heizperiode. Nach Einschätzung von Klapschus wurde aufgrund der hohen Heizölpreise während des Sommers ungewöhnlich wenig bestellt.
„Viele Verbraucher müssen in den nächsten Wochen handeln, denn der Winter rückt näher und die meisten Tanks sind außergewöhnlich leer“, sagt der Heizöl24-Sprecher. Nach den Sommerferien erwartet er deshalb eine Bestellwelle. Steigende Lieferfristen und Logistikkosten könnten dazu führen, dass die Heizölpreise im Herbst zeitweise stärker steigen, als der Rohölpreis allein erwarten ließe.
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Wer sich fragt, wann Heizöl kaufen derzeit sinnvoll ist, erhält von den beiden Experten allerdings unterschiedliche Antworten. Die Verbraucherzentrale möchte keine pauschale Kaufempfehlung geben und rät Haushalten, die Heizöl-Preisentwicklung aufmerksam zu verfolgen.
Klapschus empfiehlt dagegen, nicht mehr auf einen deutlichen Preissturz zu spekulieren. Haushalte mit wenig Heizöl im Tank könnten zunächst eine Teilmenge von beispielsweise 1.000 bis 1.500 Litern bestellen.„Jetzt gilt es, sich Reichweite zu schaffen und vor die Bestellwelle zu kommen, die ab September über den Markt rollen wird“, erklärt er. Wer mit einem halb gefüllten Tank in die Heizperiode starte, bleibe flexibel und könne bei günstigeren Heizölpreisen im Dezember oder Januar nachbestellen.
Ölheizung: Experten bewerten die Heizpolitik unterschiedlich
Deutlich auseinander gehen die Einschätzungen bei der zukünftigen Rolle der Ölheizung. Klapschus begrüßt die stärkere Technologieoffenheit der aktuellen Bundesregierung. Verbraucher sollten seiner Ansicht nach zwischen Öl, Gas, Holzpellets oder Wärmepumpe entsprechend ihrer Immobilie und persönlichen Situation wählen können. Chancen sieht er unter anderem bei biogenem Heizöl und effizienterer Heiztechnik.
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Die Verbraucherzentrale argumentiert dagegen, dass gerade die vergangenen Krisen gezeigt hätten, wie anfällig Deutschland durch die Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas sei. Ein konsequenter Umstieg auf erneuerbare Energien und klimafreundliche Heizungen könne deshalb nicht nur dem Klimaschutz dienen, sondern Haushalte langfristig unabhängiger von internationalen Krisen machen.
Bei neuen Öl- und Gasheizungen weist die Verbraucherzentrale zudem auf eine Unsicherheit hin: Diese müssen künftig mit einem steigenden Anteil grüner Brennstoffe betrieben werden. Wie gut diese verfügbar sein werden und welche Preise dafür verlangt werden, lasse sich derzeit noch nicht zuverlässig abschätzen.
Hohe Heizölpreise: Welche Hilfe gibt es für Haushalte?
Auch bei möglichen staatlichen Hilfen unterscheiden sich die Positionen. Klapschus sieht breit angelegte Eingriffe und Subventionen kritisch. Kurzfristig könnte seiner Ansicht nach beispielsweise eine niedrigere CO2-Bepreisung für Entlastung sorgen. Nach seinen Berechnungen wären die aktuellen Heizölpreise ohne die seit 2021 gestiegene CO2-Abgabe rund 20 Cent je Liter niedriger.
Die Verbraucherzentrale favorisiert dagegen gezielte Hilfen für Haushalte, die durch hohe Heizkosten finanziell überfordert werden. Selbst Menschen, die normalerweise keine Sozialleistungen beziehen, können unter bestimmten Voraussetzungen beim Jobcenter oder Sozialamt eine Kostenübernahme für eine Heizölrechnung oder Heizkostennachzahlung beantragen.
Für Heizölkunden bleibt damit ein Dilemma: Auf sinkende Preise zu warten, kann sich auszahlen – muss es aber nicht. Wer nur noch wenig Heizöl im Tank hat, sollte neben dem Literpreis deshalb auch Lieferzeiten und den eigenen Verbrauch berücksichtigen. Denn spätestens mit Beginn der Heizperiode könnte aus der Frage „Wann Heizöl kaufen?“ eine deutlich dringendere werden.