Bei der Landtagswahl in Berlin gibt es 2026 eine Premiere: Erstmals dürfen auch 16- und 17-Jährige über die Zusammensetzung des Landesparlaments mitentscheiden. Offiziell handelt es sich nicht um eine Landtagswahl, sondern um die Wahl zum Abgeordnetenhaus. Der Unterschied liegt vor allem in der Bezeichnung: Berlin ist als Stadtstaat zugleich ein Bundesland, sein Parlament heißt deshalb nicht Landtag, sondern Abgeordnetenhaus. Funktional erfüllt es jedoch weitgehend dieselben Aufgaben wie ein Landtag in einem Flächenland. Deshalb wird die Berliner Wahl in Medien und Wahlübersichten häufig den Landtagswahlen zugerechnet und teilweise auch vereinfachend so bezeichnet. In diesem Artikel verwenden wir beide Begriffe. Am 20. September 2026, parallel zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, bestimmen die Berlinerinnen und Berliner die Mitglieder des 20. Abgeordnetenhauses.
Die Wahl findet gut dreieinhalb Jahre nach der Wiederholungswahl vom Februar 2023 statt. Damals war eine erneute Abstimmung notwendig geworden, nachdem der Berliner Verfassungsgerichtshof die Wahl von 2021 wegen zahlreicher Pannen für ungültig erklärt hatte. Vor der Wiederholungswahl wurde Berlin von einer rot-grün-roten Koalition aus SPD, Grünen und Linken regiert. Seit 2023 führt eine Große Koalition aus CDU und SPD den Stadtstaat, mit Kai Wegner als regierendem Bürgermeister.
Welches politische Stimmungsbild zeichnet sich für Berlin ab? Wie haben sich die Kräfteverhältnisse seit 2023 verändert und welche Parteien treten zur Wahl an? Die aktuellen Umfrage-Ergebnisse zur Abgeordnetenhauswahl 2026 in Berlin finden Sie hier.
Landtagswahl Berlin 2026: Umfrage-Ergebnisse im Überblick
Vor der Berlin-Wahl 2026 führen verschiedene Meinungsforschungsinstitute regelmäßig Befragungen zur politischen Stimmung durch. Aktuelle Sonntagsfragen stammen unter anderem von Forsa, INSA und Infratest dimap. Auftraggeber sind meist Medien – Forsa erhebt derzeit beispielsweise für t-online, INSA unter anderem für die Bild-Zeitung und Infratest dimap den BerlinTREND für den rbb. Es werden dabei verschiedene Erhebungsmethoden verwendet: Die Institute befragen die Teilnehmer je nach Erhebung online, telefonisch oder mit einer Kombination aus beiden Methoden.
Umfragewerte sind allerdings keine Vorhersage des Wahlergebnisses. Das zeigt auch der BerlinTrend von Infratest dimap aus dem Juli: Nur 49 Prozent der Befragten gaben an, sich bei ihrer Wahlentscheidung bereits sicher zu sein. Bei 28 Prozent könnte sich die Entscheidung noch ändern, weitere 22 Prozent waren unentschieden. Wie verlässlich Wahlumfragen grundsätzlich sind und welchen Einfluss veröffentlichte Ergebnisse auf das Wahlverhalten haben können, haben wir in unserem Umfrage-Artikel zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ausführlich erläutert.
Die neuesten Umfragen zur Berlin-Wahl 2026 sind unter anderem bei wahlrecht.de einsehbar. Die aktuellen Umfrageergebnisse im Überblick:
Forsa / im Auftrag von t-online, 22. August 2026:
- CDU: 18 Prozent
- SPD: 12 Prozent
- Bündnis 90/Die Grünen: 16 Prozent
- FDP: 3 Prozent
- Die Linke: 22 Prozent
- AfD: 18 Prozent
- BSW: 4 Prozent
- Sonstige: 7 Prozent
INSA / im Auftrag von BILD, 14. August 2026:
- CDU: 20 Prozent
- SPD: 15 Prozent
- Bündnis 90/Die Grünen: 16 Prozent
- FDP: 3 Prozent
- Die Linke: 19 Prozent
- AfD: 17 Prozent
- BSW: 3 Prozent
- Sonstige: 7 Prozent
Im Vergleich zur Wiederholungswahl 2023 haben sich die Werte basierend auf den Umfrage-Ergebnissen teils deutlich verschoben. Damals wurde die CDU mit 28,2 Prozent stärkste Kraft, SPD und Grüne kamen jeweils auf 18,4 Prozent. Die Linke erreichte 12,2 Prozent, die AfD 9,1 Prozent. Die FDP verfehlte mit 4,6 Prozent den Einzug ins Abgeordnetenhaus.
Landtagswahl 2026 in Berlin: Welche Parteien stehen zur Wahl?
Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September 2026 treten insgesamt 17 Parteien mit Landes- oder Bezirkslisten an. Eine Besonderheit des Berliner Wahlrechts: Jede Partei entscheidet selbst, ob sie mit einer einheitlichen Landesliste für ganz Berlin antritt oder mit eigenen Listen in den einzelnen Bezirken.
Für die Frage, wie viele Sitze eine Partei insgesamt erhält, ist in beiden Fällen die Zweitstimme maßgeblich. Bei Parteien mit Bezirkslisten wird anhand der Zweitstimmen in den einzelnen Bezirken ermittelt, wie sich die gewonnenen Sitze auf die Bezirkslisten verteilen. Zwölf Parteien, darunter AfD, FDP und die Grünen, treten laut Landeswahlleiter Berlin 2026 mit einer berlinweiten Landesliste an. CDU, SPD und Die Linke setzen berlinweit auf Bezirkslisten. Die Reihenfolge der Kandidatinnen und Kandidaten kann dort also von Bezirk zu Bezirk variieren. HEIMAT und B* kandidieren ebenfalls mit Bezirkslisten, allerdings nur in einzelnen Bezirken.
Alle 2026 in Berlin antretenden Parteien und ihre Spitzenkandidaten im Überblick:
- CDU, Spitzenkandidat: Stefan Evers
- SPD, Spitzenkandidat: Steffen Krach
- Bündnis 90/Die Grünen, Spitzenkandidat: Werner Graf
- Die Linke, Spitzenkandidatin: Elif Eralp
- AfD, Spitzenkandidatin: Kristin Brinker
- FDP, Spitzenkandidat: Christoph Meyer
- BSW, Spitzenkandidaten: Alexander King und Michael Lüders
- Tierschutzpartei
- Die PARTEI
- Volt
- Die Urbane
- DKP
- ÖDP
- HEIMAT
- B*
- SGP
Wenn Sie sich auch für die zeitgleich stattfindende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern interessieren, haben wir auch zu dieser Wahl die neuesten Umfrageergebnisse für Sie.