Optimismus ist es, den man aktuell zu hören bekommt, wenn man mit Handwerkern spricht. Das Bild vom „Goldenen Boden“ bemüht etwa Robert Höck, als Augsburger Kreishandwerksmeister und Chef der Metallbau-Innung zuständig für Augsburg und die beiden angrenzenden Landkreise, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir sind verlässlich“, sagt er. „In der Industrie spürt man die Unsicherheit.“ In vielen Gewerken sei die Auftragslage weiter gut, auch wenn die Konjunktur schwächele. Für Kundinnen und Kunden hat das jedoch auch einen Nachteil: Auf Termine kann man teils lange warten. „Und natürlich gibt es den Fachkräftemangel“, sagt Höck.

Seine Branche – er betreibt einen Metallbau-Betrieb in Friedberg – gibt vielen Menschen Arbeit und zählt 255 Betriebe in der Region. Grundsätzlich sind Stadt und Landkreis Augsburg sowie der Landkreis Aichach-Friedberg überdurchschnittlich gut mit Handwerksbetrieben versorgt, in der Region kommen über 14 Firmen auf 1000 Einwohner, bundesweit sind es hingegen nur rund zwölf. Etwa 13 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten zudem im Handwerk, das entspricht etwa dem Bundesschnitt. Manche Branchen und Gebiete sind in der Region besonders gut versorgt.

Stadt Augsburg bietet wenig Platz für Handwerker – viele Betriebe im Umland

Wir haben aktuelle Zahlen der Handwerkskammer Schwaben und der Agentur für Arbeit ausgewertet, um die Lage in der Region zu untersuchen. Daraus geht etwa hervor, dass im Großraum Augsburg die meisten Betriebe im Augsburger Land angesiedelt sind. In manchen Branchen ist der Unterschied sogar ganz eklatant. Nur jeder achte Schreiner- oder jeder zehnte Zimmererbetrieb in der Region findet sich auf dem besonders stark besiedelten Augsburger Stadtgebiet; und fast jeder zweite Maurerbetrieb der Region ist im Landkreis Augsburg oder fast jeder dritte Installateur und Heizungsbauer im Wittelsbacher Land zu finden.

„Wer eine Werkstatt hat, der braucht Platz“, erklärt Handwerksmeister Höck einen dafür entscheidenden Faktor. So sei es auch in seiner Branche bei den Metallbauern, und fehlende Parkplätze, höhere Gewerbesteuer oder der zusätzliche Feiertag am 8. August könnten ebenso ein Standortnachteil für die Stadt sein. Ob man deshalb auf dem Land eher einen Handwerker finde als in der Stadt, sei jedoch nicht ganz einfach zu beantworten. Teils hänge es von der Branche ab. Elektrotechnik-Innungsmeister Thomas Klopfer indes rät von einer weiträumigen Suche ab.

Sein Gewerk ist unter den stärksten der Region, nur im Bereich Kosmetik gibt es noch mehr Betriebe, und lediglich Gebäudereinigungen und Kfz-Betriebe sind personell noch stärker vertreten. Auch Klopfers Branchenkolleginnen und -kollegen arbeiten vor allem in Betrieben im ländlichen Bereich. Der Elektrotechniker empfiehlt Kundinnen und Kunden, erst einmal „im näheren Umfeld zu schauen“. Die Anzahl der Betriebe gebe nicht immer einen Rückschluss auf die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte. „Auf dem Land gibt es kleinere Firmen“, erklärt er. Allerdings: Sein Betrieb in Augsburg sei schon gut ausgelastet, heuer nehme man schon keine großen Aufträge mehr an.

Kfz-Mechatroniker bleibt in Schwaben gefragter Ausbildungsberuf

Alois Huber hat in seiner Autowerkstatt im Landkreis Augsburg tatsächlich rund 70 Prozent an Kunden aus der Stadt, teils sogar aus München, wie er berichtet. Auf dem Land biete man vielleicht nicht immer Hochglanz, sagt der schwäbische Kfz-Innungsmeister, „aber wir können hier auch was“. In seinem Betrieb im Gersthofer Stadtteil Batzenhofen warte man gute drei Wochen auf einen regulären Termin, sagt Huber. Um den Nachwuchs macht er sich keine Sorgen: Nach Angaben der Handwerkskammer ist Kfz-Mechatroniker in Schwaben klar das beliebteste Handwerk unter männlichen Auszubildenden.

Die meisten Handwerksfirmen im Großraum Augsburg sind im Bereich Kosmetik tätig.

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Die meisten Handwerksfirmen im Großraum Augsburg sind im Bereich Kosmetik tätig.
Foto: Andreas Gebert, dpa (Symbolbild)

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Die meisten Handwerksfirmen im Großraum Augsburg sind im Bereich Kosmetik tätig.
Foto: Andreas Gebert, dpa (Symbolbild)

Bei weiblichen Auszubildenden liegen das Lebensmittel- und das Friseurhandwerk ganz vorn. Das sind zudem Gewerke, die man oft in der Stadt findet: Kosmetikbetriebe knapp vor Gebäudereinigungen und Friseursalons sind in Augsburg die am häufigsten Handwerksfirmen. „Und der Bereich Nahrungsmittel ist auch gut aufgestellt“, sagt der Augsburger Kreishandwerksmeister Höck. Man sei zudem grundsätzlich weniger krisenanfällig, wenn man einen Beitrag zum täglichen Bedarf leiste. Das merkt Höck auch in seiner Metallbranche. Schwierigkeiten gebe es aktuell rund ums Baugewerbe.

Dass es nicht überall rund läuft, macht sich teils auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar: So ging die Zahl der bei der Arbeitsagentur gemeldeten Stellen im Handwerk in der Region zuletzt insgesamt zurück, im Umkehrschluss nahm die Zahl der Arbeitslosen zu. Besonders in der Stadt ist das erkennbar, im ländlichen Bereich gibt es hingegen schon wieder einen Aufschwung. Immerhin für Kundinnen und Kunden kann es einen Vorteil haben, wenn die Auftragsbücher etwas weniger stark gefüllt sind: Die Wartezeit auf einen Termin wird dann kürzer.