Mit ihrem mit Kameras und Sensoren bepackten Zylinder auf dem Dach erinnern sie an Spielzeugautos. Aber dem amerikanischen Unternehmen Waymo ist es ernst mit den fahrerlosen Robotaxis: Die Google-Tochter kündigte an, die autonomen Taxis ab 2027 auf Münchens Straßen zu schicken, als erste Stadt in der Europäischen Union. Bereits in den kommenden Wochen sollen die Autos zu Trainingszwecken durch die Landeshauptstadt sausen. „München ist ein Weltklasse-Standort für Mobilität und Ingenieurwesen, und die Integration in diese Stadt markiert einen wichtigen Meilenstein in unserer globalen Expansion“, sagt Waymo-Co-Geschäftsführerin Tekedra Mawakana zum Einstieg in den deutschen Markt.

Zunächst werden die Waymos, wie sie oft genannt werden, manuell durch München gesteuert, damit sie die Straßenführung kennenlernen. Diese Trainingsphase soll bereits in den kommenden Wochen beginnen. Für Kundinnen und Kunden stehen die Waymos dann aber nicht zur Verfügung. Erst im nächsten Schritt können Kunden die autonomen Taxis buchen, dabei soll aber nach wie vor ein Sicherheitsfahrer mit im Auto sitzen. Kunden sollen die Taxis dann über verschiedene Apps bestellen können. Waymo schätzt den Start auf Ende 2027.

Waymo-Taxis fahren autonom durch US-Großstädte

Die elektrischen Autos bewegen sich mithilfe von Lasern, einem Radar und Kameras durch den Straßenverkehr. Zusätzlich hat das Waymo-System digitale Straßenkarten integriert, damit die Fahrzeuge nicht an den Bordstein scheppern. Im System werden Stau und Verkehrslage in Echtzeit berechnet. Im Notfall kann sich ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin auch zuschalten und aus der Ferne unterstützen.

Das Unternehmen betont, dass die vollautonomen Taxis bereits erfolgreich in mehr als 15 US-amerikanischen Städten unterwegs sind, darunter Atlanta, Los Angeles, Miami und San Francisco. Laut Waymo haben die Fahrzeuge dort mehr als 350 Millionen Kilometer ohne Fahrer zurückgelegt. Sicher seien sie auch: Eigenen Erhebungen zufolge verursachten Waymos 94 Prozent weniger Unfälle mit Personenschaden als von Menschen gesteuerte Autos. In Sozialen Medien kursieren dennoch unter den Schlagworten „Funny Waymo Fails“ Videos von Waymos, die im Kreis fahren, oder einen Supermarkteingang blockieren.

Wie ist die rechtliche Situation in Deutschland? Seit 2021 gibt es eine gesetzliche Regelung, die fahrerlosen Straßenverkehr ermöglicht. Für den Betrieb ohne Fahrerin oder Fahrer arbeitet Waymo mit dem Kraftfahrt-Bundesamt sowie den zuständigen Landes- und Kommunalbehörden zusammen. Das Mobilitätsreferat München erachtet es dennoch als notwendig, das Personenbeförderungsgesetz anzupassen.

Waymo will Robotaxis als Ergänzung zu Bus und Bahn etablieren

Grundsätzlich aber begrüßt das Mobilitätsreferat, dass in München autonome Fahrzeuge erprobt werden, sagt eine Sprecherin. Man verspreche sich große Verbesserungspotenziale im Verkehrssektor. Die Stadt München lege den Fokus autonomer Fahrzeug-Anbieter auf den öffentlichen Personennahverkehr. Auch Waymo selbst will seine Taxis als Ergänzung zu Bus und Bahn verstanden wissen. Die Robotaxis eigneten sich gerade dort, wo der öffentliche Nahverkehr wirtschaftlich nicht umsetzbar sei und könne die Erreichbarkeit verbessern, etwa in Stadtrandlagen oder auf der ersten und letzten Meile, sagt das Mobilitätsreferat. Die Stadt erhofft sich, den privaten Autobesitz zu reduzieren, indem Waymo neue Zielgruppen anspricht und einem eine Alternative zum eigenen Auto bietet.

Waymo ist in Deutschland nicht das einzige Unternehmen, das mit selbstfahrenden Fahrzeugen in den Straßenverkehr einsteigt. In Hamburg testet sei Kurzem Moia, eine Tochter des VW-Konzerns selbstfahrende Elektro-Bullies. Die Kleinbusse fahren derzeit nicht autonom, sondern werden von Sicherheitsfahrern begleitet.