Seinen Junggesellenabschied hat sich dieser Österreicher sicher anders vorgestellt. Statt fröhlich im Bierzelt zu feiern, sitzen vier seiner Trinkkumpane nun auf der Augsburger Plärrerwache und machen lange Gesichter. Einer von ihnen hat einen roten Striemen mitten auf der Stirn. Vorgeworfen wird ihnen unter anderem sexuelle Nötigung und Körperverletzung. Für die Polizeibeamten auf der Plärrerwache ist das ein ganz normaler Vorgang. Ihr Job ist es, für ein sicheres und gesittetes Volksfest zu sorgen, sagt ihr Chef, der Leiter der Polizeiinspektion Mitte, Robert Maschke. Er ist für den Plärrer verantwortlich und hat am Samstagabend bei seinem Rundgang einiges zu tun.

Eine Gruppe alkoholisierter Männer lässt sich zur Augsburger Plärrerwache abführen

Es ist gegen 20 Uhr, als der Funkspruch in der Einsatzzentrale der Plärrerwache eingeht. Die Security des Binswangerzeltes meldet eine Gästegruppe, die sich nicht benehmen kann und wohl in eine Schlägerei verwickelt war. Sofort eilen Beamte, die auf dem ganzen Gelände strategisch verteilt stehen, zum Zelt. Eine Beamtin hat eine Videokamera auf einem langen Stativ dabei, um die Szene festzuhalten – im Gedränge besser als die Bodycams der Kollegen. In der Toilettengasse des Binswangerzeltes, wo die Security die Trunkenbolde übergeben hat, hat sich die Situation schon beruhigt. Die stark alkoholisierten Männer leisten keinen Widerstand und lassen sich zur Plärrerwache abführen, wo ihre Personalien aufgenommen werden. Sind sie EU-Bürger, dürfen sie vermutlich mit einem Platzverweis nach Hause gehen, sonst wartet unter Umständen auch ein Platz in einer Zelle auf sie, erklärt Maschke.

Robert Maschke, Dienststellenleiter Polizeiinspektion Augsburg Mitte, leitet die Augsburger Plärrerwache.

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Robert Maschke, Dienststellenleiter Polizeiinspektion Augsburg Mitte, leitet die Augsburger Plärrerwache.
Foto: Michael Hochgemuth

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Robert Maschke, Dienststellenleiter Polizeiinspektion Augsburg Mitte, leitet die Augsburger Plärrerwache.
Foto: Michael Hochgemuth

„Was genau passiert ist, erfahren wir am ehesten von den beteiligten Securitys, denn die sind ja nüchtern“, erklärt der Dienststellenleiter. Die Aussage der Betrunkenen wird dagegen nicht aufgenommen – sie werden in einigen Tagen Post bekommen und sich zu Hause vor der Polizei äußer dürfen.

Die Augsburger Beamten haben die Bierzelte auf dem Plärrer stets im Blick

Die Toilettengasse neben dem Binswangerzelt ist praktisch immer im Blick der Polizei. Sie gehört zu den Bereichen, die mit fest installierten Kameras überwacht werden. „Die Toilettengasse ist einer der Spots, wo es den meisten Ärger gibt“, sagt die Beamtin, die in der Einsatzzentrale die Monitore im Blick behält. Auch die Alm am Schallerzelt ist gut zu sehen, wo die Menschen dicht gedrängt friedlich feiern, ebenso die Ein- und Ausgänge und die Budengassen.

Früher saßen die Bildschirmüberwacher in einem eigenen Raum, mittlerweile sind sie mit im Führungsraum untergebracht, sagt die Beamtin. „Auf diese Weise hören wir den Funk, und können sofort an den Ort des Geschehens zoomen.“ Geschwindigkeit sei Trumpf, wolle man beweissichere Bilder haben. „Der Täter kann noch so oft sagen, er war es nicht – ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“

Doch alle Schnelligkeit hilft nicht, wenn die Täterbeschreibung dürftig ist. Mehrere Schausteller haben einen Mann beobachtet, der angeblich Kinder anspricht und sie mit sich nach Hause nehmen möchte. „Männlich und dunkelhäutig“ ist die einzige Beschreibung, mit der die Beamtin jetzt ihre Kameras durchsieht. Sie nimmt die einzelnen Fahrgeschäfte in Augenschein, bleibt kurz am Autoscooter hängen, bevor sie die Suche aufgibt, weil kein auffälliger Mann zu entdecken ist. Das bleibt auch so, bis der Plärrer schließt.

Kurz darauf gibt es Ärger am Binswangerzelt. Fast. Ein Pärchen ist in Streit geraten, die Securitys haben vorsorglich die Polizei informiert. Noch ehe die Situation eskalieren kann, stehen plötzlich ganz unauffällig mehre Beamten um das Paar und zeigen nur Präsenz. Das scheint zu reichen, der Mann nimmt seine Partnerin in den Arm und alles ist wieder friedlich.

Die Polizeibeamten sind immer schnell am Geschehen

„Für uns ist es wichtig, so schnell wie möglich am Geschehen zu sein“, erklärt Maschke die Strategie der Polizei. Häufig ließe sich dadurch eine Eskalation verhindern. „Ein Streit läuft eigentlich immer gleich ab – Beleidigungen, Schubsen, Handgreiflichkeiten. Wenn wir vor Ort sind, bevor es zum Schubsen kommt, ist meistens alles gut“, so Maschke.

Maschke lobt die Kameraüberwachung – nicht nur auf dem Plärrer. „Seit sie vor fünf Jahren eingeführt wurde, haben wir damit schon zig Straftaten klären können“, sagt er. Auf dem Plärrer bedeute sie, häufig reagieren zu können, bevor überhaupt etwas Größeres passiert.

Was die Junggesellenrunde aus Österreich getan hat, klärt sich noch am Abend. Wohl mehre von ihnen haben in ihrem betrunkenen Zustand Frauen im Zelt unter den Rock gegriffen. Wer sich daraufhin mit wem geprügelt hat, ist allerdings zunächst nicht zu klären. „Das ist auch nicht unbedingt unsere Aufgabe, wir sorgen für schnelle Sicherheit auf dem Plärrer, die Ermittlungen machen die Kollegen in den nächsten Tagen“, sagt Dienststellenleiter Maschke.