So wirkt sich der El Niño auf das Wetter in Deutschland aus

Anders als in zahlreichen Regionen Amerikas, Australiens, Asiens und Afrikas sind die Auswirkungen des Phänomens auf Europa vergleichsweise schwach. Sie entstehen vor allem indirekt, weil der El Niño die großräumige Zirkulation der Atmosphäre beeinflussen kann.

„Auf Deutschland wirkt sich El Niño eher über sogenannte Telekonnektionen aus, also beispielsweise über großräumige Strömungsmuster und möglicherweise den Jetstream“, erläutert Terli.

Eine Rolle spielt auch der stratosphärische Polarwirbel. Er befindet sich in großer Höhe über der Arktis. Studien zeigen, dass ein starker El Niño im Verlauf des Winters die Wahrscheinlichkeit für Veränderungen dieses Polarwirbels erhöhen kann. Bei vergangenen El-Niño-Ereignissen trat zudem häufiger eine negative Phase der Nordatlantischen Oszillation (NAO) auf. Eine solche Wetterlage kann wiederum Kaltlufteinbrüche nach Europa begünstigen.

El Niño verändert weltweit die Niederschlagsmuster: Während einige Regionen während eines El-Niño-Ereignisses deutlich mehr Regen erhalten (grün), fällt in anderen über längere Zeiträume weniger Niederschlag als üblich (gelb). Die Karte zeigt die typischen regionalen und saisonalen Auswirkungen.Vergrößern des BildesEl Niño verändert die Niederschlagsmuster: Während einige Regionen deutlich mehr Regen erhalten, fällt in anderen weniger Niederschlag. (Grafik mit Hilfe von KI erstellt) (Quelle: IRI/NOAA/t-online)

Polarwirbel bestimmt über den Winter in Deutschland

Doch zwischen dieser erhöhten Wahrscheinlichkeit und einem kalten deutschen Winter liegt ein entscheidender Unterschied. Ob der Polarwirbel tatsächlich stark gestört wird und kalte Luft weit nach Süden gelangt, hängt von einer Vielzahl an weiteren Faktoren ab.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt deshalb vor einer vorschnellen Schlussfolgerung: „Damit lässt sich aus einem starken El Niño allein kein kalter Winter in Europa ableiten!“, schreiben die Meteorologen.

Auch der Wetterexperte Terli stellt klar: „Einen konkreten Wettervorgang in Deutschland unmittelbar auf El Niño zurückzuführen, ist schwierig und eigentlich nicht möglich.“

Jahrhundertwinter in Deutschland?

Was bedeutet das für den Winter 2026/27? Möglich sind unterschiedliche Entwicklungen, die vor allem davon abhängen, wie sich die großräumigen Strömungsmuster über dem Atlantik und Europa entwickeln.

Winter-Szenario 1: Nass und stürmisch

Setzt sich eine ausgeprägte Westwindzirkulation durch, könnten wiederholt Tiefdruckgebiete vom Atlantik nach Deutschland ziehen. Häufiger Regen und starker Wind wären die Folge, auch schwere Stürme wären möglich. Schnee könnte vor allem in höheren Mittelgebirgslagen fallen, während er sich im Flachland kaum länger halten dürfte. Ein solcher Verlauf würde zu der Tendenz passen, die bei vergangenen El-Niño-Ereignissen insbesondere im Frühwinter in Teilen Mittel- und Westeuropas beobachtet wurde.

Winter-Szenario 2: Mild und wechselhaft

Denkbar ist auch ein Winter, in dem längere milde Abschnitte immer wieder von kurzen Kältephasen unterbrochen werden. In tieferen Lagen könnte dann zeitweise Schnee fallen, der bei steigenden Temperaturen wieder taut. Dauerfrost bliebe die Ausnahme. Ein solcher Verlauf wäre möglich, wenn der Polarwirbel nicht nachhaltig gestört wird und sich zugleich keine stabile Hochdruckblockade über dem Nordatlantik entwickelt. Einzelne kalte Tage oder Schneefälle würden dabei noch keinen insgesamt kalten Winter bedeuten.

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