Kurz nach dem Ende der Sommerferien kehrt der „Kunstkiosk“ mit seiner zweiten Ausgabe in diesem Jahr, der 13. insgesamt, zurück. Nach der Schließung des Elona Caffee wechselt die Lesereihe an einen neuen Veranstaltungsort: Die Patogh Hannibal Lounge liegt ebenfalls in Oberbilk, schräg gegenüber der alten Location an der Markenstraße 1. Dort erwartet Kuratorin Vera Vorneweg am 10. September (19 Uhr, Eintritt frei) die Autorinnen Anja Utler aus Leipzig und die Ukrainerin Yuliia Paievska.

Paievska, auch bekannt unter dem Namen Taira, hat Vera Vorneweg im vergangenen Jahr beim „Meridian Czernowitz Festival“ kennengelernt, wo die Ukrainerin ihren Lyrikband „Leben“ vorstellte. „In den Gedichten verarbeitet Yuliia ihre Erfahrungen aus drei Monaten russischer Gefangenschaft. Ich war so beeindruckt von ihrem Vortrag und ihrer Präsenz, dass ich sie gerne nach Düsseldorf holen wollte“, erklärt Vera Vorneweg. Die Gedichte, die bislang nicht in deutscher Übersetzung vorlagen, werden eigens für den Kunstkiosk von der renommierten Übersetzerin Claudia Dathe ins Deutsche übertragen, die sie auch vorlesen wird.

Anja Utler hat – wenn auch aus völlig anderer Perspektive – ebenfalls künstlerisch auf den russischen Angriffskrieg reagiert: mit einer eindrucksvollen Sammlung von Haikus (japanische Gedichtform) unter der Überschrift „Es beginnt“. „Das Schlimme ist das Aufwachen am Morgen und die Realisierung, dass die Welt nicht mehr so ist, wie man dachte, dass sie ist“, sagte Utler in einem Interview. Diese Fassungslosigkeit verdichtet die Autorin zu atmosphärischen Haikus, die den Weltverlust aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

Ihr Buch, das ausführlich im Kunstkiosk-Buchklub am 5. Juli besprochen wurde, schließt mit einem Essay, der für eine stärkere Aufmerksamkeit gegenüber Gefühlen als Form der Erkenntnis plädiert. Emotionen seien „keine Schwäche, sondern Reaktionen eines verletzlichen Wesens auf das, was ihm widerfährt“. Im Rahmen des Kunstkiosks wird eine performative Lesung von Anja Utler stattfinden.