Wähler mit Einwanderungsgeschichte gehen noch stärker auf Distanz zu den Parteien in Deutschland als andere Wahlberechtigte. Das geht aus einer Untersuchung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) zur Wahlneigung verschiedener Bevölkerungsgruppen hervor. Unter deutschen Staatsangehörigen mit Einwanderungsgeschichte war der Anteil derer, die eine bestimmte Partei für wählbar halten, demnach im Winter 2024/2025 deutlich geringer als ein Jahr zuvor.

Dies gilt insbesondere für Wählerinnen und Wähler mit türkischen Wurzeln oder mit solchen im Nahen Osten, in Nordafrika, Afghanistan oder Pakistan. Von ihnen konnte sich zum Zeitpunkt der Befragung nur jeder Zweite vorstellen, jemals CDU oder CSU zu wählen – nach zwei Dritteln ein Jahr zuvor. Die Zustimmung zur SPD ging in dieser Gruppe von 71 Prozent auf 60 Prozent zurück. Auch die Linke verlor demnach unter Wahlberechtigten mit familiären Wurzeln in diesen Staaten deutlich an Zuspruch.

Die SPD hat bei zugewanderten Wählern
und ihren Nachkommen laut der Studie noch das größte Wählerpotenzial. Rund
zwei Drittel der Wahlberechtigten mit Migrationsgeschichte halten die
Sozialdemokraten für wählbar. CDU und CSU belegen laut Dezim mit relativ
geringem Abstand den zweiten Platz.

AfD bei Wählern aus ehemaligen Sowjetstaaten beliebter

Die AfD kommt der Untersuchung zufolge bei Wahlberechtigten mit Einwanderungsgeschichte insgesamt weniger gut an. Die einzige Ausnahme bilden hier Menschen, die ihre Wurzeln in Russland oder anderen Staaten der früheren Sowjetunion haben. Im Winter 2024/2025 konnten sich überdurchschnittlich viele Befragte aus dieser Gruppe vorstellen, die Partei zu wählen, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall beobachtet wird und die Unterstützung für die Ukraine in deren Abwehrkampf gegen Russland kritisiert.

Als Mensch mit Einwanderungsgeschichte im Sinne der Studie gelten Menschen, die einen Elternteil haben, der ohne deutsche Staatsangehörigkeit geboren wurde.