Nach den Schüssen bei einem Technofestival auf einer Pferderennbahn in der Schweiz läuft die landesweite Großfahndung auf Hochtouren. Auch viele Stunden nach der Tat in Aarau mit einem Todesopfer und mehreren Verletzten wollten sich die Ermittler weiterhin nicht festlegen, ob sie einen Terrorakt, einen Amoklauf oder eine Abrechnung im kriminellen Milieu untersuchen.

Was zu den Opfern bekannt ist

Die Schüsse waren in der Nacht zum Sonntag gefallen. Eine 22-jährige Italienerin wurde getötet. Vier Schweizer Männer und eine deutsche Frau erlitten leichte bis schwere Verletzungen, wie die Aargauer Kantonspolizei nach Angaben der Nachrichtenagentur Keystone-SDA am späten Abend mitteilte. Die Verletzten im Alter von 24 bis 31 Jahren wurden ins Krankenhaus gebracht. Inzwischen sind alle laut Polizei außer Lebensgefahr. Offenbar handelt es sich um Zufallsopfer, da sich die Betroffenen nicht gekannt hätten.

Anzahl der Täter unklar

Die Schüsse am frühen Sonntagmorgen waren nach Angaben der Ermittler aus mindestens zwei Waffen abgegeben worden – an zwei unterschiedlichen Orten. Es seien verschiedene Hülsen von Patronen gefunden worden, die zu einer Pistole oder Maschinenpistole sowie zu einem Sturmgewehr passten. Ob das auf zwei Täter hindeute oder ein Schütze beide Waffen nutzte, ließ die Polizei offen.

Offene Frage: Das Motiv

Sicherheitsexperte Malte Roschinski sagte der „Welt“, dass die Verwendung zweier unterschiedlicher Waffen für ein koordiniertes Vorgehen von Tätern spreche. Gegen einen Terroranschlag spricht demnach allerdings die Tatzeit nach Ende des Raves. Da seien viele Gäste schon gegangen gewesen. Terroristen versuchen laut Roschinski, möglichst viele Menschen zu töten. Auch fehlte bislang ein Bekennerschreiben, was ebenfalls ungewöhnlich sei, sollte die Tat einen politischen Hintergrund haben.

Erste Notrufe kurz nach dem Ende des Raves

Ein Augenzeuge berichtete, er habe kurz nach dem Ende der Musik gegen 02.30 Uhr Schüsse gehört. Da der Ernst der Lage laut Polizei sofort deutlich wurde, rückten die Einsatzkräfte mit einem Großaufgebot aus. Zum Zeitpunkt der Schüsse hielten sich demnach noch weit mehr als 100 Personen auf dem Festivalgelände auf.

30.08.2026, Schweiz, Zürich: Bewaffnete Polizeibeamte mit einem gepanzerten Einsatzfahrzeug sperren eine Straße in der Nähe der Pferderennbahn Schachen in Aarau ab. Bei einer Veranstaltung im schweizerischen Schachen sind in der Nacht Schüsse gefallen. Foto: Michael Buholzer/KEYSTONE/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Bewaffnete Polizeibeamte mit einem gepanzerten Einsatzfahrzeug sperren eine Straße in der Nähe der Pferderennbahn Schachen in Aarau ab.

© dpa/MICHAEL BUHOLZER

Beim „Aarauer Rave“ handelt es sich um eine Techno-Party von Samstagnachmittag bis in die Nacht zum Sonntag mit rund 3500 Besuchern. Aarau im Schweizer Kanton Aargau liegt etwa 40 Kilometer westlich von Zürich. Das italienische Todesopfer wohnte in der Region.

Aufenthaltsort der Täter unbekannt

Die Polizei habe keine Kenntnisse, wo sich die Täter befinden könnten. „Aufgrund der ganzen Situation schließen wir aber aus, dass die Täterschaft wieder irgendwo aktiv werden könnte und zu einer neuen Gefahr werden könnte“, hieß es vom Sprecher weiter.

Die Ermittler baten darum, Video- und Bildmaterial an den Instagram-Kanal der Kantonspolizei Aargau zu senden. An den allgemeinen Fahndungsmaßnahmen war routinemäßig auch die Polizei auf deutscher Seite beteiligt, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg sagte. Angaben zu den konkreten Maßnahmen machte er nicht. Der Kanton Aargau liegt an der deutschen Grenze, eine Flucht bis nach Deutschland dauert nach Polizeiangaben von Aarau aus nur etwa 40 Minuten.

Tote versteckte sich hinter Kühlschrank

Auf einem Video, das die Schweizer Zeitung „Blick“ veröffentlicht hat und das von der Nähe des Tatorts stammen soll, sind rund zehn Schüsse zu hören.

Gegenüber der Schweizer Zeitung „Blick“ äußerten sich mehrere Zeugen. Zunächst hätten die Besucher die Schüsse für ein Feuerwerk gehalten, so eine Frau. Dann habe jemand „Alle runter!“ gerufen. Die Gruppe habe sich daraufhin unter dem DJ-Pult versteckt. Eine Frau habe sich hinter einem Kühlschrank versteckt, sei jedoch von einer Kugel in den Rücken getroffen worden und trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben.

Alle Besucher des Raves seien von der Polizei in eine Turnhalle gebracht worden. „Es war schrecklich“, so die Zeugin gegenüber der Zeitung. Das Ganze habe sich unmittelbar nach dem Ende der Veranstaltung abgespielt.

Reaktionen auf die Schüsse

Auch der DJ der Veranstaltung äußerte sich tief betroffen. Was auf dem Rave passiert sei, sei absolut herzzerreißend, schrieb DJ Tekibo in einer Instagram-Story. „Techno und Raves sollten ein Ort der Freiheit und Sicherheit sein.“ Er versuche immer noch, das Ganze zu verarbeiten. Er habe einen wichtigen Menschen verloren und finde einfach nicht die richtigen Worte. Er werde sich für eine bestimmte Zeit zurückziehen, kündigte er an.

In der Schweizer Politik wurde mit Bestürzung auf den Vorfall reagiert. Den Opfern wurde Anteilnahme ausgesprochen, den Einsatzkräften gedankt und die Tat verurteilt. Justizminister Beat Jans sagte, es werde alles getan, um die Schuldigen schnell zu finden. Auch die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni äußerte ihr Beileid.

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In der Schweiz ist privater Waffenbesitz verbreitet, Schusswaffengewalt ist jedoch selten. Im Jahr 2019 hatte das Land strengere Waffengesetze verabschiedet. (AFP, dpa, Reuters, Tsp)