Fußball | 2. Bundesliga
Stand: 31.08.2026 11:31 Uhr
FCM-Trainer Petrik Sander hat nach dem Heimsieg gegen Kiel eine neue Qualität in seinem Team gesehen. Die hat mit Leidensfähigkeit zu tun. Und mit dem Abschied von einem lange gepflegten Spielstil.
Baris Atik war unzufrieden. Nach dem 2:0-Sieg des FCM mit zwei atikschen Torbeteiligungen gefiel dem Magdeburger Spielmacher die Frage nach der optischen Überlegenheit von Gegner Kiel nicht. „Nein, nein, nein“, reagierte der 31-Jährige energisch: „Nur, weil sie mehr Ballbesitz hatten. Da waren auch keine großen Chancen. Diese zwei, drei Minichancen, die zähle ich nicht dazu.“
Video:
FCM-Spielmacher Atik: „Kiel war nicht die bessere Mannschaft“ (2 Min)
Kiel-Coach Walter: „Zur Wahrheit gehört auch …“
Die Statistik und auch Kiels Trainer Tim Walter widersprachen Atik: „Wenn Du einen xG-Wert von über zwei hast, dann hast Du genug Torchancen“, sagte Walter mit Verweis auf die in der Expected-Goals-Statistik erfasste Qualität der Einschussmöglichkeiten. Nach 90 Minuten sahen die Statistiker Kiel mit 2,11 zu 0,83 xGoals vorn.
Zudem hatten die „Störche“ mit 14:10 Torschüssen, 64:36 Prozent Ballbesitz, 548:303 gespielten Pässen und der besseren Passquote (87:80 Prozent angekommene Pässe) optische Vorteile. In der einzigen Statistik von Wert, den Toren, unterlag Kiel dem effizienten FCM allerdings 0:2. Und so musste auch Walter eingestehen: „Zur Wahrheit gehört auch, dass man in beiden Strafräumen die letzte Konsequenz haben muss.“
Video:
Tim Walter (Trainer Kiel): „Einmal nicht konsequent verteidigt“ (2 Min)
Atik: „Solche Spiele haben wir früher verloren“
Und diese zeigte an diesem Sonntag trotz des ungewöhnlich niedrigen Wertes von 36 Prozent Ballbesitz der FCM. Mittendrin Baris Atik, der das 1:0 mit einem Zauberpass in die Füße von Mateusz Zukowski und das 2:0 mit einem schnell ausgeführten Eckball vorbereitet hatte. Und der sich sicher war: „Solche Spiele hätten wir in der Vergangenheit verloren.“

Baris Atik jubelt.
Sander: „Den-Ball-haben-Wollen führt nicht zwingend zum Erfolg“
Und auch FCM-Trainer Petrik Sander erklärte: „Ich erinnere an Spiele, wo wir, ich weiß nicht, wie viel Prozent Ballbesitz hatten und alle anderen Statistiken auf unserer Seite waren. Und zum Schluss standen wir mit leeren Händen da.“ Beim FCM vollzieht sich in diesen Tagen möglicherweise eine Abkehr vom einstigen Dogma der Spielkontrolle über Ballbesitz. Sander erklärte bei SPORT IM OSTEN: „Ich glaube, man kann schon sagen, dass dieser Hurra-Fußball und dieses unbedingte den-Ball-haben-Wollen, nicht zwingend zum Erfolg führen. Das mussten wir bitter in der letzten Saison erfahren.“
Video:
Petrik Sander (Trainer FCM): „Kiel hat uns leiden lassen“ (3 Min)
FCM nur noch Neunter in Ballbesitz-Statistik
In der Ballbesitzstatistik war der FCM seit dem Aufstieg mit Ex-Trainer Christian Titz in den vergangenen Jahren beständig auf Rang eins oder zwei. Aktuell sind die Magdeburger hier Tabellenneunter. Sander legt mehr und mehr Wert auf andere Qualitäten: „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir leiden müssen. Kiel hat uns leiden lassen. Wir mussten viel laufen.“
Und Geduld haben, auf den richtigen Moment zu warten. „Eine wachsende Qualität der Mannschaft ist, in solchen Spielen auch Dinge auszuhalten, im tiefen Block gut zu verteidigen. Der eine kann sich auf den anderen verlassen. Das ist eine Qualität, die war nicht so da, die ist jetzt da. Das war die Basis und der Grundstein für diesen Sieg“, erklärte Sander.
Atik: „Haben verstanden, dass wir Leiden müssen“
Nach der deftigen 1:6-Auftaktniederlage gegen Braunschweig ist der FCM jetzt wettbewerbsübergreifend drei Spiele in Serie ungeschlagen. Und das mit einer Tordifferenz von 9:0 (3:0 gegen Osnabrück, 4:0 im Pokal gegen Bahlingen, 2:0 gegen Kiel). Darüber kann sich auch Spielmacher Atik freuen. „Wir haben verstanden, dass wir leiden müssen. Und ich glaube, dass wir effizienter geworden sind.“ Im nächsten Spiel geht es für den FCM nach Berlin zur bisher noch ungeschlagenen Hertha. Dem Team, das in der Tore- und Zweikampfstatistik auf Rang zwei liegt. Könnte sein, dass Sander, Atik und Co. auch in Berlin leiden müssen und die neu entdeckte Effizienz benötigen.


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