
AUDIO: Harburger Hotel wird Flüchtlingsunterkunft (1 Min)
Stand: 31.08.2026 14:12 Uhr
Ein im Frühjahr eröffnetes Hotel am Harburger Binnenhafen wird ab September nur noch geflüchtete Menschen beherbergen. Dafür erntet die Hamburger Sozialbehörde massive Kritik in Harburg. Das Nachrichtenportal harburg-aktuell hatte zuerst darüber berichtet.
Für Montag könnte man im niu Quay-Hotel noch eine Übernachtung buchen – ab Dienstag dann nicht mehr. Denn jetzt sollen dort etwa 340 Menschen aus der Ukraine unterkommen, die wegen des Kriegs ihre Heimat verlassen haben. Die Sozialbehörde hat das Hotel vorerst bis Ende des Jahres angemietet, teilte ein Sprecher NDR Hamburg mit. Mehrere Medien hatten zuvor berichtet, dass in dem Hotel für mindestens zwei Jahre ausschließlich ukrainische Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Das ist laut Sozialbehörde „nicht korrekt“. Falls Bedarf bestehe, könne der Mietvertrag gegebenenfalls verlängert werden.
Hotel erst im Mai eröffnet
Erst Anfang Mai hatte das Hotel seine Türen geöffnet, mit 150 Zimmern und 20 Apartments. Es gehört der Hamburger Hotelgruppe NOVUM Hospitality, die es zusammen mit der Holiday-Inn-Gruppe betreibt. Eine Anfrage, warum das Hotel jetzt als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden soll, ließ NOVUM Hospitality am Sonntag unbeantwortet.
Scharfe Kritik von Harburger Politikern
In Harburg stößt die Entscheidung auf scharfe Kritik. Aus Sicht des CDU-Fraktionsvorsitzenden Rainer Bliefernicht würden viele Harburger vor den Kopf gestoßen. Er verstehe, dass Unterkünfte gebraucht werden. Aber die Umnutzung sei eine schlechte Nachricht für Restaurants und Läden im Binnenhafenquartier.
Auch aus der SPD, der Partei der Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer, kommt scharfe Kritik. „Ich bin sehr verärgert“, sagte der Harburger Co-Fraktionvorsitzende Frank Richter. Auch über die fehlende Beteiligung – die sei gesetzlich vorgeschrieben. Tatsächlich verlangt das Hamburger Bezirksverwaltungsgesetz eine Anhörung der örtlichen Bezirksversammlung, bevor eine „öffentliche Unterbringung von Zuwanderern und Wohnungslosen“ beschlossen wird. Aber nur, falls dies für den Bezirk oder einen wesentlichen Teil des Bezirks von Bedeutung ist.
Weniger Kundschaft für Läden im Binnenhafen?
Der zweite Grund für seinen Ärger: Das Hotel sei wichtig für die Entwicklung des Quartiers. Vor allem für Gäste der Technischen Universität Hamburg und die Gäste vieler neu gegründeter Firmen dort. Aber auch, weil diese Gäste mehr Geld in die Restaurants und Läden am Binnenhafen bringen.
Momentan kostet ein Standardzimmer mit Doppelbett im niu Quay-Hotel 124 Euro. Die Harburger Politiker vermuten, dass die Stadt künftig deutlich höhere Mieten zahlen wird.
Große Unterkünfte in Harburg werden geschlossen
Der Harburger Grünen-Co-Fraktionschef Michael Sander sieht allerdings auch Positives in der Entscheidung der Behörde. Denn zwei große Unterkünfte in Harburg sollen geschlossen werden, wie er sagte. Der Standort in der ehemaligen Fegro-Halle an der Schlachthofstraße bis Ende 2026 und der Standort Schwarzenbergplatz bis Ende kommenden Jahres.
Die Unterbringung dort sei für geflüchtete Menschen nicht gut gewesen. „Wenn jetzt das Hotel als Alternative dazukommt, dann müssen wir das als Bezirk tragen“, so Sander. Laut Sozialbehörde soll auch eine weitere Unterkunft in der Straße Am Röhricht geschlossen werden. Insgesamt sollen mit den drei Großunterkünften in diesem und im nächsten Jahr 1.700 Plätze in Harburg wegfallen.

Die Erstaufnahmeeinrichtung in der Schlachthofstraße soll aber als Reservestandort erhalten bleiben. Aktuell sind dort 584 Menschen untergebracht.

Seit Jahren liegen viele Flächen brach. Die Entwicklung des Binnenhafens gerät ins Stocken. Jetzt ist auch ein großes Hotelprojekt gescheitert.