Einen Monat war es einigermaßen ruhig am Persischen Golf gewesen, hatte es keine Angriffe der Vereinigten Staaten auf Iran gegeben oder umgekehrt. In der Nacht zum Montag aber begannen die USA mit einer neuen Runde der Feindseligkeiten und feuerten auf iranische Militäranlagen auf der Insel Larak in der Straße von Hormus, wo es mehrere Todesopfer gegeben haben soll. Iran revanchierte sich mit Drohnen und Raketen, die auf US-Militärstützpunkte in Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten abgefeuert, aber alle abgefangen werden konnten.

Der Angriff kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem viele Analysten eher mit einer Eskalation von iranischer Seite gerechnet hatten, da die Regierung in Teheran in den vergangenen Wochen in die Defensive geraten war. Seit den letzten Kämpfen haben die USA die Blockade der iranischen Häfen intensiviert, von dort kann kaum noch Öl exportiert werden. Die USA hoffen, durch wirtschaftlichen Druck das Regime zu einer Kursänderung zu zwingen. Teheran versucht, die Straße von Hormus zu blockieren, und spekuliert darauf, dass steigende Ölpreise US-Präsident Donald Trump vor den Zwischenwahlen im November zu Konzessionen zwingen.

Viele Radaranlagen der Iraner sollen durch Zerstörungen „blind“ geworden sein

Den USA war es in den vergangenen Wochen aber gelungen, wieder mehr Öl durch die Meerenge zu bringen, auf der „Südroute“ nahe der Küste von Oman. Dort seien alle iranischen Seeminen zerstört worden, hatte das US-Militär vor Tagen mitgeteilt. Zu den Seeminen zählen unter anderem verankerte Kontaktminen, die detonieren, wenn ein Schiff gegen sie stößt, während technisch ausgefeiltere „Bodenminen“ auf dem Meeresboden liegen und mithilfe von Sensoren eine Explosion auslösen, sobald sie die magnetische oder akustische Signatur eines darüber befindlichen Schiffes erfassen.

Von Teheran veröffentlichte Aufnahmen sollen Geschosse zeigen, die auf US-amerikanische Stützpunkte in Jordanien zielen.

Von Teheran veröffentlichte Aufnahmen sollen Geschosse zeigen, die auf US-amerikanische Stützpunkte in Jordanien zielen.

Wana News Agency/Reuters

Die Emirate und Saudi-Arabien haben zudem eine Art Shuttlebrücke eingerichtet: Kleinere Schiffe transportieren das Öl möglichst schnell durch die gefährlichen Stellen, danach wird es wieder auf große Tanker verladen. Bei den letzten Kämpfen waren zudem viele Radaranlagen der Iraner zerstört worden, die nun fast „blind“ sind. Die durchfahrenden Tanker haben ihre Ortungssysteme ausgeschaltet und können nur von den wenigen noch intakten Radaranlagen geortet werden – oder von den kleinen Schnellbooten aus, die dort patrouillieren. Iran feuerte daher häufig Drohnen und Raketen einfach in eine Richtung, wo Schiffe vermutet wurden.

Der Ölpreis steigt wieder

Am Sonntag hatten die USA offenbar auf Raketenabschussbasen gezielt, von denen aus Iran mit Flugkörpern neue Minen verlegen wollte. Iran kündigt für die kommenden Tage Vergeltung an und wird wohl erneut versuchen, die Südroute in der Straße von Hormus zu treffen.

Die Revolutionsgarden behaupteten am Montag, dass ein Tanker auf einer „illegalen Route“ durch die Explosion zweier Seeminen Feuer gefangen habe. Eine unabhängige Bestätigung dafür gab es nicht. Der Ölpreis stieg am Montag um drei Prozent. Trotz der Erfolge der USA, die dazu führten, dass wieder mehr Öl durch die Meerenge verschifft werden konnte, haben die Mengen bei Weitem noch nicht das Vorkriegsniveau erreicht. Damals wurden etwa 20 Prozent der weltweiten Rohölexporte durch die Hormus-Meerenge verschifft – etwa 130 Tanker waren pro Tag unterwegs, heute sind es etwa 30. Das Öl, das sie transportieren, ist teurer als vor dem Konflikt. Die Kosten für Risikoversicherungen für Schiffe, die diese Wasserstraße befahren, sind seit Kriegsbeginn von etwa drei Prozent des Schiffskörperwerts auf bis zu zehn Prozent gestiegen.

Wirklich erfolgreich ist die neue US-Strategie bislang daher nicht. Man müsse sich nur vorstellen, „zu Beginn der US-israelischen Angriffe hätte jemand vorausgesagt, dass sechs Monate später das iranische Atomproblem ungelöst bleiben würde, die Raketenbedrohung fortbestehen würde, das Regime noch immer bestehen würde und Washington die Wiederherstellung von etwa 30 Prozent des Vorkriegs-Seeverkehrs durch die Straße von Hormus feiern würde – eine Wasserstraße, die vor Kriegsbeginn offen war“, sagt der israelische Iran-Experte Dennis Citrinowicz.

Iran befindet sich kaum in einer besseren Situation. Zwar hat das Regime den Krieg überlebt, aber die wirtschaftliche Situation ist katastrophal. Auch die Golfstaaten sind unzufrieden mit der Situation, die der diplomatische Berater des Präsidenten der Emirate, Anwar Gargash, als „weder Krieg noch Frieden“ bezeichnet. Dies könne kein nachhaltiges Modell sein: „Heute werden realistische und nachhaltige politische Lösungen gefordert, beginnend mit der Überwindung der Eskalation und der Rückkehr der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu ihrem Normalzustand.“ Bislang sind die USA und auch Iran aber der Ansicht, dass die jeweils eigene Strategie die bessere ist und der Gegner bald aufgeben wird.