Die Badestelle am Mühlbach in Pfersee gegenüber dem Spielplatz Luitpoldstraße ist an heißen Tagen ein beliebter Treffpunkt. Famillien mit Kindern spielen im flachen Wasser, oberhalb des Bachs sitzen Menschen auf Sitzsteinen, machen Picknick oder genießen einfach nur den Schatten unter den Bäumen. Auch Senioren lieben diesen Platz. Doch für sie gibt es ein Problem. Aufgrund der hohen, steilen Treppenstufen gibt es keine Möglichkeit, sicher ins Wasser zu gelangen. Ein einfaches Geländer wäre die Lösung – doch die Stadt Augsburg stellt sich quer.
Mühlbach in Pfersee: Badegast ärgert sich über Stadt Augsburg
Seit vier Jahren kämpft die 79-jährige Eva Kerig für das Geländer – bislang ohne Erfolg. Angefangen habe alles mit Gesprächen am Ufer. Immer wieder hätten ältere Badegäste sie angesprochen und ihr erzählt, dass sie sich den Weg ins Wasser kaum noch zutrauten. „Es ist einfach eine Schande, dass man da nichts macht, dass man gefahrlos in das Wasser herunterkommt“, sagt Kerig.
Was folgte, beschreibt sie als zermürbenden Behördenmarathon. „Am Anfang haben die mich erst eineinhalb Jahre im Kreis geschickt“, erzählt die Seniorin, die im Freiwilligenzentrum und der Bürgeraktion Pfersee aktiv ist. Mal sei sie an den Kneipp Verein verwiesen worden, dann wieder an verschiedene Stellen der Stadt. Schließlich habe sich alles auf einen Begriff reduziert: Haftung. Auch ihr Vorschlag, den Zugang mit einem Schild „Benutzung auf eigene Gefahr“ zu versehen, sei mit Verweis auf die Haftungsfrage abgelehnt worden.
Eine Neusässer Firma hat angeboten, das Gelände zu finanzieren
Eine Neusässer Firma habe angeboten, das Geländer zu finanzieren und die Anlage jährlich zu überprüfen. „Schriftlich habe ich, dass sie die Treppe finanzieren“, sagt Kerig. Trotzdem sei die Stadt auf das Angebot nicht eingegangen. Stattdessen habe sie erfahren, dass ein Geländer in städtischer Regie zwischen 20.000 und 30.000 Euro kosten würde.
Aus Sicht der Stadt ist ein Geländer offenbar nicht wünschenswert. „Ein zusätzliches Geländer an der bestehenden Treppenanlage würde den Zugang zum Gewässer erleichtern und die Nutzung der Örtlichkeit fördern. Mit einer solchen Aufwertung des Gewässerzugangs gehen erhöhte Anforderungen an Unterhaltung, Kontrolle und Verkehrssicherung der Anlage einher“, schreibt das Mobilitäts- und Tiefbauamt der Stadt Augsburg. Es vertritt die Auffassung, dass der Mühlbach an dieser Stelle keine offiziell zugelassene Badestelle sei. Es handle sich nur um eine Flachwasserzone, die aus gewässerökologischen Gründen eingerichtet wurde. Dem widerspricht Eva Kerig. „Diese Stelle ist traditionell in Pfersee eine Badestelle – soweit ich weiß seit über 100 Jahren“, sagt sie.
Die Bemühungen der Anwohner, einen Sponsor für das Geländer zu finden, stoßen beim Baureferat offenbar auch nicht auf Gegenliebe. „Die Kosten des Geländers spielen bei den oben genannten Themen eine untergeordnete Rolle. Auch eine kostenlose Errichtung oder Wartung durch Dritte würde die Verantwortlichkeit der Stadt für die Anlage grundsätzlich nicht entfallen lassen. Vor einer Umsetzung sind insbesondere Fragen der Genehmigungsfähigkeit, der technischen Ausführung, der künftigen Unterhaltung sowie der Verantwortlichkeiten zu prüfen“, schreibt das Baureferat.
Stadt sieht Gefahr für die Badenden
Baureferent Steffen Kercher sieht in dem zumeist wadentiefen Wasser jedenfalls eine Gefahr für die Badenden. „Wer nicht sicher aus eigener Kraft in das Gewässer hinein- und wieder hinauskommt, der sollte die Stelle möglichst nicht betreten. Gerade bei Menschen, die nicht sicher zu Fuß sind oder keinen sicheren Tritt mehr haben, kann ein Unfall an dieser ungesicherten und nicht überwachten Wasserstelle fatale Folgen haben“, warnt er im konkreten Fall. Er verweist auch auf die Gefahren durch die 450 Meter entfernt gelegene Wasserkraftanlage am Pfarrer-Anton-Schwab-Weg.
Mühlbach in Pfersee: Badestelle ist keine offizielle Einrichtung
Die möglichen Risiken lägen weniger in einer unmittelbaren Gefahr durch das Kraftwerk selbst, sondern in veränderten Wasserständen, stärkerer Strömung nach Niederschlägen, rutschigen Steinen, Scherben, Algenbewuchs oder Unebenheiten im Bachbett. Insbesondere für Personen, die körperliche oder gesundheitliche Einschränkungen ausweisen, könne eine Gefährdung bei Benutzung nicht gänzlich ausgeschlossen werden. „Deshalb ist zu betonen, dass die Stelle gerade keine offizielle Einrichtung, wie beispielsweise eine offizielle Wasserspielfläche mit gesicherter maximaler Wasserhöhe und rutschhemmenden Bodenbelägen, ist, für die die Stadt bei der sicheren Benutzung in Verantwortung steht“, so der Baureferent.
Für Eva Kerig ist das Thema damit noch lange nicht erledigt. „Wenn ich mich dann so verbeiße, kann ich nicht aufhören“, sagt sie. Ihre Sorge: Wieder könnte ein Sommer vergehen, ohne dass sich für die älteren Badegäste etwas verbessert. „Dann ist wieder eine Saison vorbei.“