Stand: 31.08.2026 16:23 Uhr
Am Montag stand der Vorstand im Volkswagen-Werk Hannover der Belegschaft Rede und Antwort. Es ging um die Zukunft des Standortes. Es war die vorerst letzte von fünf Sonderbetriebsversammlungen in Niedersachsen.
Der bei der Versammlung anwesende Finanzvorstand Arno Antlitz forderte nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters weitere Kostensenkungen. Der Standort könne umso besser gesichert werden, je wettbewerbsfähiger er sei. „Die Fabrikkosten in Hannover sind immer noch deutlich höher trotz der erreichten Verbesserungen“, so Antlitz. Die Beschäftigten könnten zum Erhalt des Standortes beitragen, indem sie Qualität, Produktivität und Leistung verbesserten, hieß es weiter vom Finanzvorstand. Konzernchef Oliver Blume war nach NDR Informationen nicht bei der Versammlung anwesend. Vor Ort kam es zu Demonstrationen von etwa 100 VW-Mitarbeitern mit minutenlangen Pfiffen.
Betriebsrat fordert wieder Bau des Transporters
Antlitz sagte, dass Werksschließungen immer die teuerste und letzte Lösung seien. Es müssten aber neue Perspektiven und Beschäftigungen geschaffen werden, sollte es trotz aller Bemühungen keine wirtschaftliche Belegung des Werks in Hannover ab 2030 geben. Der Betriebsratschef in Hannover Stavros Christidis fordert unter anderem, dass der VW-Transporter künftig wieder in Hannover gebaut werden soll. Seit 2024 läuft dieser nach Angaben des Konzerns in der Türkei vom Band. Darauf hat sich die VW-Führung nach NDR Informationen aber an der Betriebsversammlung nicht eingelassen. Aktuell werden am Standort Hannover Modelle wie der „ID.Buzz“ oder der „Multivan“ produziert.

Wer konkrete Antworten in den Betriebsversammlungen bei VW erwartet hat, war naiv, meint Hilke Janssen in ihrem Kommentar.
Julia Willie Hamburg: Zeit für Verantwortung und Entscheidungen
„Jetzt ist nicht die Zeit für gegenseitige Schuldzuweisungen“, sagt die stellvertretende Ministerpräsidentin Julia Willie Hamburg (Grüne), die am Montag neben Ministerpräsident Lies das VW-Werk in Emden besuchte, vor der anstehenden Aufsichtsratssitzung. Es sei nun Zeit, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Die Herausforderungen für das Unternehmen seien ernst. Genauso ernst nehme man aber auch die Verantwortung für die Beschäftigten und die Zukunft der Industriestandorte, so Hamburg weiter. Sie forderte, dass eine „tragfähige Lösung mit Perspektive“ gefunden wird. Alle Beteiligten müssten sich bewegen und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Auch den Bund nimmt Hamburg in die Pflicht: Er müsse „seinen Beitrag leisten: für Wettbewerbsfähigkeit, für Investitionen und für eine klare Perspektive der Industrie in Deutschland“, hieß es.
Wie geht es mit dem Werk in Hannover weiter?
Die Nutzfahrzeugfabrik in Hannover mit mehr als 12.000 Mitarbeitenden gehört zu den vier Standorten des VW-Konzerns, deren Zukunft ungewiss ist. Auch bei den bisherigen Betriebsversammlungen in Wolfsburg, Braunschweig, Emden und Salzgitter habe die Konzernführung keine eindeutigen Angaben dazu gemacht, wie es mit den Werken weitergehen soll. Das stieß bei der Gewerkschaft „IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt“ auf Kritik.
Rollen hier bald nicht mehr Autos vom Band?
Darum könne auch nicht ausgeschlossen werden, dass Werke in Niedersachsen ab 2030 für andere Produktionen genutzt werden könnten, hieß es vom Finanzvorstand Antlitz. Unter anderem gibt es nach NDR Informationen Gespräche, ob der israelische Rüstungskonzern „Rafael“ das VW-Werk in Osnabrück kaufen könnte. Nach Gewinneinbrüchen 2025 leitete VW einen Sparkurs ein. Rund 100.000 Stellen will der Konzern nach eigenen Angaben derzeit weltweit abbauen.

Die IG Metall gibt sich hingegen kämpferisch. Eskalieren könnte der Streit um den Sanierungskurs auf der nächsten Aufsichtsratssitzung.

Die Bundestagsfraktionen der Linken und der Grünen haben eine Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses beantragt.

Derzeit laufen Gespräche mit einem israelischen Konzern. Nun steht wohl ein Termin für eine Absichtserklärung fest.

Mehr als 10.000 Beschäftigte nahmen – teilweise durchaus lautstark – teil. Der Konzernchef bleibt indessen unkonkret.

Der Betriebsrat fordert klare Aussagen über die Zukunft des Konzerns. Annette Deutskens mit den aktuellen Entwicklungen.