Nach den Vorwürfen gegen Jean Pierre Kraemer ziehen erste Unternehmen Konsequenzen. Eine BVB-Kollektion ist inzwischen aus dem Onlineshop verschwunden.

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Borussia Dortmund hat die Zusammenarbeit mit dem Tuning-Unternehmer und Webvideoproduzenten Jean Pierre „JP“ Kraemer beendet. Das berichtet „Bild“. Der Verein bestätigte, dass die gemeinsame Modekollektion nicht mehr im Sortiment geführt wird.

„Die gemeinsame BVB-JP-Modekollektion ist nicht mehr Bestandteil unseres Sortiments und wird daher auf unserer Website nicht mehr angeboten“, teilte der BVB mit. Zu Einzelheiten bestehender oder früherer Vertragsbeziehungen äußere sich der Klub grundsätzlich nicht.

Die Kooperation zwischen dem Fußball-Bundesligisten und Kraemer war erst im Frühjahr 2026 gestartet. Unter dem Namen „BVB x JP Performance“ hatten beide eine gemeinsame Kollektion auf den Markt gebracht, die sich insbesondere an autoaffine BVB-Fans richtete. Angeboten wurden unter anderem T-Shirts und Pullover.

Die entsprechende Seite im BVB-Onlineshop ist inzwischen nicht mehr abrufbar. Auch die frühere Ankündigung der Zusammenarbeit ist dort nicht mehr verfügbar.

Kraemer wurde unter anderem durch die Sendung „Die PS-Profis“ bekannt und entwickelte sich anschließend zu einem erfolgreichen Unternehmer und Webvideoproduzenten mit großer Reichweite. Nach Vorwürfen von häuslicher Gewalt wenden sich zunehmend Geschäftspartner von ihm ab. Mehrere Unternehmen haben bereits Konsequenzen gezogen und ihre Zusammenarbeit beendet.

Seit einem Polizeieinsatz in seiner Dortmunder Villa am 26. Juli steht der 45-jährige Kraemer nun öffentlich in der Kritik. Denn die Behörden bestätigten eine Strafanzeige wegen des Verdachts der vorsätzlichen einfachen Körperverletzung und der Sachbeschädigung.

Gleichzeitig gelangten Aufnahmen einer Überwachungskamera aus dem November 2024 an die Öffentlichkeit. Das Video soll zeigen, wie Kraemer seine damalige Ehefrau Julia Meck am Hals packt, wegstößt und an den Haaren greift. Kraemer thematisierte die Aufnahmen später selbst in einem YouTube-Video und bezeichnete sein Verhalten als falsch. Mehr als 2,8 Millionen Zuschauer riefen das Video inzwischen auf.

Auch Gönrgy beendet Kooperation

Das Getränkeunternehmen Gönrgy beendete mittlerweile die Zusammenarbeit mit Kraemer. Das Unternehmen, das dem Influencer MontanaBlack zugerechnet wird, erklärte am Montag auf Instagram: „Aus gegebenem Anlass beenden wir die Zusammenarbeit mit Jean Pierre Kraemer.“ Zugleich betonte Gönrgy: „Wir distanzieren uns deutlich von Gewalt gegen Frauen und generell von Gewalt in egal welcher Form.“

Kraemer war zuletzt das Werbegesicht einer Sorte des Energy-Drinks. Über Jahre hinweg hatten er und MontanaBlack (bürgerlich: Marcel Thomas Andreas Eris) zudem immer wieder gemeinsam vor der Kamera gestanden. Die beiden Influencer verbindet eine langjährige Bekanntschaft sowie ihre Leidenschaft für Sportwagen und Tuning.

Kraemer kündigt Auszeit und Therapie an

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe kündigte Kraemer auf Instagram eine Auszeit an. Inzwischen hat er sämtliche Beiträge auf seinem Profil gelöscht. Aktuell ist dort nur noch der Post zu seiner angekündigten Auszeit zu sehen. Im Anschluss wolle er eine Therapie beginnen.

Das deutsch-portugiesische Model Meck und der Autobauer waren nach Angaben der 25-Jährigen rund zwei Jahre ein Paar und verheiratet. Kennengelernt hatten sie sich allerdings bereits deutlich früher auf der Essen Motor Show, als Meck erst 16 Jahre alt war. Erst später entwickelte sich aus der Bekanntschaft eine Beziehung. Bereits nach drei Monaten machte Kraemer seiner Partnerin einen Heiratsantrag. Für die Trauung wurden die beiden per Hubschrauber auf ein Felsplateau geflogen. Auf Instagram schrieb Kraemer damals, die Liebe zu seiner Frau mache ihn „unglaublich sprachlos & glücklich zugleich“.

Heute führen die beiden eine öffentliche Schlammschlacht, bei der sie sich mit schweren Vorwürfen überziehen. In der „Bild“-Zeitung sprach Julia Meck von psychischem Druck, Kontrollverhalten und Streitigkeiten in der Beziehung. „Ich hatte immer Angst“, sagte Meck. „Das ist ja ein großer Mann, der da auf mich zukommt. Alle paar Wochen ist es eskaliert.“ JP Kraemer hat sich dazu noch nicht öffentlich geäußert.

Besonders den Polizeieinsatz Ende Juli beschreibt sie als Wendepunkt. Nachdem Kraemer eingeräumt hatte, seiner Frau einen Schlag mit der flachen Hand versetzt zu haben, erklärte Meck: „Die Wahrheit ist, ich war in einer Defensiv-Situation. Ich war an der Wand eingeklemmt mit der linken Hand, sein Kopf drohend an meinem, er riss mir die Kette vom Hals und schlug mir ins Gesicht.“ Weiter sagte sie: „Ich hatte Todesangst.“

Meck hatte nach eigenen Angaben Strafantrag gestellt. Die Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung seien „vor dem Hintergrund einer häuslichen Auseinandersetzung“ jedoch eingestellt worden, weil beide Beteiligten vor Ort auf Strafanträge verzichtet hätten und kein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bestanden habe, teilte die Staatsanwaltschaft Dortmund auf dpa-Anfrage mit.

Mittlerweile habe sich für Meck ein Rechtsanwalt gemeldet, Strafantrag gestellt und die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Dortmund mitteilte, wird das Anliegen bereits geprüft.

Rückblickend auf die Ehe sagte das Model: „Ich dachte immer, wir schaffen das. Aber ich muss einsehen: Ich habe mich nie so einsam gefühlt wie in dieser Ehe.“ Seit der Trennung gehe es ihr viel besser: „Ich bin glücklich, da rausgekommen zu sein, und bekomme langsam mein Selbstbewusstsein zurück.“

Kraemer dagegen hatte in seinem Video geschildert, dass Meck ihn ebenfalls geschlagen habe. „Die Schläge, die ich bekam, waren ein Vielfaches härter und auch mehr“, rechtfertigte er sich. Als Beispiel nannte er einen Vorfall, bei dem ihm die Brille vom Gesicht geflogen sei.

kami/ceb