Christin John kennt Trinkgeld noch aus einer Zeit, in der beim Bezahlen oft ein schlichtes „Machen Sie rund!“ genügt hat. Die Rentnerin aus Roschberg sieht die neuen Kartenterminals, die direkt verschiedene Trinkgeldbeträge wie zehn, 15 oder 20 Prozent vorschlagen, deshalb kritisch. „Das ist schon so ein bisschen gezwungen.“ Sie würde lieber selbst entscheiden – auch abhängig davon, wie zufrieden sie mit der Bedienung war. Dann gebe sie manchmal sogar mehr Trinkgeld, aber eben freiwillig.

Trinkgeld am Kartengerät: Manche Gäste fühlen sich unter Druck gesetzt

In Cafés, Restaurants oder Bars fragen Kartengeräte inzwischen häufig direkt nach Trinkgeld. Oft erscheinen dabei feste Prozent- oder Eurobeträge auf dem Display, eine eigene Eingabe ist nur manchmal möglich. Was Gastronomen als praktischen Fortschritt verkaufen, empfinden manche Gäste dagegen als subtilen Druck. Wir haben am Augsburger Königsplatz gefragt, wie die Menschen damit umgehen.

Es gibt auch Befürworter: Joseph Stümpf aus Augsburg hat kein Problem mit digitalen Trinkgeldvorschlägen – er findet es sogar „perfekt“.

Icon vergrößern

Es gibt auch Befürworter: Joseph Stümpf aus Augsburg hat kein Problem mit digitalen Trinkgeldvorschlägen – er findet es sogar „perfekt“.
Foto: Paul Pfaffel

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Es gibt auch Befürworter: Joseph Stümpf aus Augsburg hat kein Problem mit digitalen Trinkgeldvorschlägen – er findet es sogar „perfekt“.
Foto: Paul Pfaffel

Ivan Breinert und Lisa Selmair aus Augsburg umgehen die Frage am Gerät ganz einfach: Beide geben Trinkgeld grundsätzlich in bar. „Ich habe einfach das Gefühl, dass es sonst nicht beim Personal ankommt“, sagt Sellmair. Breinert hat selbst in der Gastro gearbeitet – der 31-Jährige hält Trinkgeld prinzipiell für angebracht. „Zehn Prozent“ seien für ihn ein guter Richtwert. Wie viel jemand dann tatsächlich gibt, müsse aber jedem selbst überlassen bleiben: „Gibt einer einen Zwickel, dann gibt er halt einen Zwickel. Gibt er zwei Euro, drei Euro, vier Euro, dann macht er das eben so.“ Selmair bevorzugt ohnehin die altbekannte Variante: „Am besten ist immer, wenn du dem Kellner sagst: Rund auf.“

Praktisch oder bevormundend? Feste Trinkgeldvorschläge in Cafés und Restaurants

Doris S. und Daniela E. aus Augsburg kennen die Diskussion um die Geräte bislang vor allem aus Fernsehberichten. Wirklich gestört fühlen sie sich von den vorgeschlagenen Beträgen aber nicht. „Das ist uns eigentlich egal.“ Die beiden wüssten zwar darum, dass es auch Leute gibt, die sich dadurch „gedrängt fühlen“. Deshalb sei das Ganze eher eine Frage der Integrität. 

Kartenterminals schlagen beim Bezahlen inzwischen häufig direkt Trinkgeldbeträge vor. Manche Gäste empfinden das als praktisch, andere als unangenehmen Druck.

Icon vergrößern

Kartenterminals schlagen beim Bezahlen inzwischen häufig direkt Trinkgeldbeträge vor. Manche Gäste empfinden das als praktisch, andere als unangenehmen Druck.
Foto: Jens Kalaene, dpa

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Kartenterminals schlagen beim Bezahlen inzwischen häufig direkt Trinkgeldbeträge vor. Manche Gäste empfinden das als praktisch, andere als unangenehmen Druck.
Foto: Jens Kalaene, dpa

Auch Victoria K. und Emma L. kennen das System. Lieber würden sie das selbst entscheiden. Unter Druck setzen lassen sie sich aber nicht. Schließlich könne man auch einfach „Kein Trinkgeld“ drücken. Ein schlechtes Gewissen hätten sie dabei nicht.

„Ist okay, ist perfekt“: Es gibt auch positive Reaktionen

Joseph Stümpf aus Augsburg sieht die Sache ohnehin vollkommen entspannt. Sein Urteil über die Trinkgeldabfrage fällt denkbar knapp aus: „Ist okay, ist perfekt. Das ist besser so.“

Zwischen Bequemlichkeit und gefühltem Druck gehen die Meinungen durchaus auseinander. Ein Gedanke zieht sich aber durch viele Antworten: Wie viel Trinkgeld jemand gibt, sollte am Ende seine eigene Entscheidung bleiben – ganz ohne Druckaufbau.