Es ist eine kurze Meldung der Duisburger Polizei aus dem Jahr 2012, die jetzt den Wahlkampf der AfD in Mecklenburg-Vorpommern durcheinanderbringt: Damals betritt am 19. Dezember ein Mann die Filiale der Volksbank an der Dorfstraße in Rumeln. Eine Mitarbeiterin wird der Polizei später sagen, sie habe gesehen, wie der Mann etwas aus seiner Jacke zog, was wie eine Pistole aussah. Damit bedroht er die Frau, fordert Geld und flüchtet schließlich zu Fuß.
Die Polizei veröffentlichte auch ein Foto des mutmaßlichen Täters, darauf ist ein gepflegter Mann mit kurzen Haaren zu sehen. Einen Tag später wird die Festnahme vermeldet, ein damals 28-Jähriger wird an einer Trinkhalle geschnappt. Als Motiv des Überfalls gibt er Schulden an und erklärt, bloß eine Spielzeugwaffe benutzt zu haben.
Jetzt, rund 14 Jahre später, bekommt der Fall neue Bedeutung: Mehreren Medienberichten zufolge soll es sich bei dem Mann um einen 41 Jahre alten AfD-Politiker aus Rostock handeln, der als Direktkandidat für die bevorstehende Landtagswahl am 20. September in Mecklenburg-Vorpommern antritt.
Täter warf die Waffe in den Müll
Laut der „Ostsee-Zeitung“ hat der AfD-Mann den Überfall mittlerweile zugegeben und spricht dabei von einer damaligen persönlichen Krise und einer „Flucht aus meinem Lebensumfeld“. Bei der vermeintlichen Pistole handelte es sich um ein Feuerzeug in Form einer Pistole.
Die Waffe wurde damals nicht sofort entdeckt, die Beamten mussten auf dem Betriebshof der Wirtschaftsbetriebe nach ihr suchen, nachdem der Räuber sie zuvor in den Müll geworfen hatte.
Der heutige AfD-Politiker wurde schließlich wegen schwerer räuberischer Erpressung zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt, die Strafe verbüßte er im offenen Vollzug. Gegenüber der „Bild“ erklärte Enrico Schult, Landeschef der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, dass man davon ausgehe, dass der Mann im Falle eines Wahlerfolgs sein Mandat nicht antritt.