Tahsin Cakmak (Mitte) im Trikot von Tasmania Berlin (imago images/Matthias Koch)

Stand: 31.08.2026 • 19:01 Uhr

Vom fußballerischen Talent her, so der bei Hertha BSC ausgebildete Tahsin Cakmak, hätte es mehr werden müssen. Warum spielt er jetzt bei Tasmania Berlin – seiner fünften Station in der Regionalliga?

  • Der bei Hertha BSC ausgebildete Tahsin Cakmak (29) soll Aufsteiger Tasmania Berlin zum Klassenerhalt in der Regionalliga führen
  • Zuletzt stand der offensive Mittelfeldspieler in der Türkei unter Vertrag
  • Tasmania ist Cakmaks fünfte Station in der Regionalliga Nordost
  • Ausgehend vom reinen Talent, hätte er mehr erreichen können, sagt er

Gut möglich, dass die Karriere von Tahsin Cakmak komplett anders verlaufen wäre, wäre er zehn Jahre später geboren. Wäre er nicht inzwischen 29 sondern 19 Jahre alt. Dann stünde Cakmak jetzt womöglich als nächstes Beispiel für den Berliner Weg von Hertha BSC. Einen spielstarken Mittelfeld-Spieler mit gutem Torabschluss, den könnten sie schließlich gerade gut gebrauchen bei der Hertha. Einen wie Cakmak eben. Doch als der gebürtige Berliner und sechsfache U-16-Nationalspieler der Türkei an der Schwelle zum Herrenfußball stand, als er ab 2014/15 Teil der U23 des Vereins war, war bei den Profis der Hertha kein Platz für ihn.

Der Weg nach oben ist versperrt

Zu groß war die Konkurrenz beim damaligen Bundesligisten. „Das ist schon eine andere Welt gewesen“, sagt Cakmak heute und im Rückblick. Ronny, Alexander Baumjohann, Valentino Lazaro, Tolga Cigerci – gestandene Bundesligaprofis, die nach Verletzungen immer auch mal mit Cakmak spielten bei der U23. Nationalspieler Österreichs oder der Türkei, die Hertha stark machten und zugleich auch den Weg für den eigenen Nachwuchs versperrten. So verließ Cakmak seinen Jugend- und Ausbildungsverein, um sich 2018 dem Berliner AK anzuschließen. Der Klub hatte sich große Ziele gesetzt und verfehlte sie nur knapp. Platz zwei in der Regionalliga Nordost. Danach Tennis Borussia und der SV Babelsberg, die auch dank ihm auf Platz fünf landen in der Saison 2023/24. Cakmak ist der Unterschiedsspieler der Potsdamer. Doch höher als Regionalliga soll es für ihn nicht gehen. Er habe schon zwei, drei Angebote von Drittligisten gehabt in den Jahren. Geklappt hat es aus verschiedenen Gründen nie.

Finanziell lohnt sich das Abenteuer Türkei

Stattdessen folgt er im Sommer 2024 dem Ruf aus der Türkei. Die Wurzeln seiner Familie liegen in Trabzon, am Schwarzen Meer. Cakmak aber wechselt zunächst nach Izmir, später nach Ankara. „Mit Hauptstädten habe ich es halt“, lacht Cakmak, der Berliner Junge. Sportlich sei die dritte, türkische Liga, in der er mit beiden Vereinen spielt, mit der vierten deutschen, also der Regionalliga, vergleichbar. Vielleicht, sagt er, ist sie sogar eher „ein Zwischending zwischen der zweiten und dritten Liga in der Türkei“. Finanziell jedoch „ist es schon ein Unterschied, das kann man so sagen“, sagt Cakmak und lacht erneut. Was er meint: In der Türkei wird deutlich mehr gezahlt. Zumal auch die Abgaben geringer ausfallen. Warum dann also der Wechsel zurück? Zu Tasmania Berlin, einem Regionalliga-Aufsteiger, dessen einziges Saisonziel der Klassenerhalt sein kann? Weil ihm Berlin, weil ihm seine Familie gefehlt hat. Das Abenteuer Türkei, von dem er schon immer geträumt hatte, das er in den Anfangsjahren seiner Karriere schon hätte eingehen können und doch noch aufschob, hat er erlebt. Zeit für das Altbekannte. Für Berlin und die Regionalliga Nordost.

Klassenerhalt mit Tasmania? Cakmak ist optimistisch

Er habe gar nicht lange überlegen müssen, als die Anfrage von Tasmania eingegangen sei, kurz nachdem der Aufstieg des Klubs feststand. „Ich hatte ein sehr, sehr positives Gespräch mit dem Präsidenten, das Projekt gefällt und passt zu mir und ich wollte wieder bei der Familie sein“, sagt Cakmak. Und auch sportlich sei die Regionalliga ja unbedingt reizvoll: „Jetzt spielst du gegen Vereine wie Aue, Chemnitz, Erfurt – das ist schon super für eine Regionalliga.“ Den Klassenerhalt von Tasmania macht das nicht einfacher. Dennoch ist Cakmak optimistisch, das gesteckte Ziel auch zu erreichen. Aktuell steht die Mannschaft mit vier Punkten aus sechs Spielen auf Rang 15 und über dem Strich. Und das nachdem die ersten Gegner unter anderem Drittliga-Absteiger Aue, Vorjahres-Meister Lok Leipzig und der aktuelle Tabellenführer Erfurt hießen. Der Kader sei gut besetzt, so Cakmak, zudem finde sich langsam alles: „Da bin ich wirklich positiver Dinge, was die Zukunft betrifft.“

„Ich war ein bisschen wilder im Kopf“

Auf ein Tor und eine Torvorlage kommt Cakmak nach bisher fünf Einsätzen. Auf seine Erfahrung, vor allem aber auf seine offensiven Impulse wird es ankommen im Kampf um den Klassenerhalt. Für TeBe ist es ganz gut, dass dieser Tahsin Cakmak inzwischen 29 Jahre und keine 19 mehr ist. Denn am Talent, da ist er sich auch heute sicher, lag es nicht, dass er es bei der Hertha nicht in die erste Mannschaft geschafft hat. Vielmehr sei er bei „manchen Dingen nicht bei 100 Prozent gewesen. Ich hätte ein bisschen mehr Arbeit investieren können. Ich war ein bisschen wilder im Kopf.“ Vor allem aber, und auch das ist eine Fußball-Wahrheit, ist „manches auch Glück“. In diesem Fall und nach der Verpflichtung von Tahsin Cakmak das von Tasmania Berlin.

Sendung: rbb|24, 31.08.2026, 18:25 Uhr Audio: rbb|24, 31.08.2026, Ilja Behnisch

Rundfunk Berlin-Brandenburg