Fall Josephine R.: Eine Angeklagte sitzt in einem Saal des Amtsgerichts.

Stand: 31.08.2026 17:54 Uhr

Nach Falschaussagen im Fall um Josephine R. ist deren Ex-Freundin am Montag vor dem Amtsgericht Braunschweig verurteilt worden. Sie sei mitverantwortlich, dass die Eltern von Josephine R. unschuldig wegen Missbrauchs im Gefängnis saßen.

Die Frau aus Salzgitter erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Die 32-Jährige habe ohne Zweifel Schuld auf sich geladen, sagte der Richter am Amtsgericht Braunschweig. Nach einem falschen Geständnis war sie selbst vier Jahre in Haft. Zudem habe sie mit ihren Lügen die Mutter und den Stiefvater von Josephine R. für mehr als zwei Jahre unschuldig ins Gefängnis gebracht. „Was ich über sie gesagt habe, war falsch“, sagte die 32-Jährige zu den beiden zu Unrecht Verurteilten. Sie saßen als Nebenkläger im Saal. Die von ihr geschilderten massiven sexuellen Übergriffe habe es nicht gegeben, ließ die Frau ihren Anwalt erklären. Laut Amtsgericht war sie wegen schwerer Freiheitsberaubung mit falscher Verdächtigung sowie uneidlicher Falschaussage angeklagt.

Ex-Partnerin: Josephine R. „war mein Mittelpunkt“

Die 32-Jährige änderte in der Haft ihre Angaben. Am Montag gab sie vor Gericht an, dass sie damals emotional abhängig von Josephine R. gewesen sei. „Sie war mein Mittelpunkt. Ich hatte Angst, verlassen zu werden und wollte alles tun, um ihr zu helfen“, sagte sie. Ihr sei bewusst gewesen, dass ihre Aussagen existenziell für andere Menschen sein könnten. Die Ex-Partnerin von Josephine R. schäme sich und bitte um Entschuldigung – obwohl sie wisse, dass ihr Handeln nur schwer zu entschuldigen sei.

Josephine R. und Ex-Partnerin sollen Taten fingiert haben

Der Missbrauchskomplex um Josephine R. ist bundesweit bekannt geworden und beschäftigt aufgrund von Fehlurteilen und Falschaussagen seit Jahren die Justiz. Zunächst war die Ex-Partnerin im Jahr 2022 selbst wegen eines falschen Geständnisses zu angeblichem Missbrauch und anderer Gewalttaten an ihrer Ex-Freundin Josephine R. zu sechs Jahren und fünf Monaten verurteilt worden. Teil des gemeinsamen Tatplans sei gewesen, dass die heute 32-Jährige sich selbst als angebliches Mitglied des Täterkreises inszenierte, um spätere Aussagen glaubhaft erscheinen zu lassen, heißt es vom Gericht. Sie lernte Josephine R. nach Angaben der Staatsanwaltschaft Braunschweig während eines Klinikaufenthalts ab Dezember 2020 kennen. „Nach kurzer Kennenlernzeit entwickelte sich eine Liebesbeziehung zwischen den beiden“, heißt es.

Staatsanwaltschaft: Josephine R. ging es um Aufmerksamkeit

Das vermeintliche Opfer, Josephine R., hatte nach dem ersten Prozess schwere Missbrauchsvorwürfe gegen ihre Mutter und ihren Stiefvater erhoben. Ihre Ex-Freundin hatte die Aussagen vor Gericht gestützt. Daraufhin wurde die Mutter im Juni 2023 zu 13 Jahren und sechs Monaten mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt, ihr Partner zu neun Jahren und sechs Monaten. Laut Staatsanwaltschaft Braunschweig ging es Josephine R. darum, Aufmerksamkeit verschiedener Sozialarbeiter, Familienhelfer und ihres Therapeuten zu erregen. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass ihr „durch immer drastischere Erzählungen, welch Leid ihr das ganze Leben über schon widerfahre, eine erhebliche Sonderbehandlung zuteil werde“, so die Staatsanwaltschaft weiter. Diese falschen Erzählungen habe die damalige Partnerin uneingeschränkt geglaubt und sei bereit gewesen, sich für Josephine R. „aufzuopfern“, heißt es.

Zwei Verteidiger sitzen mit dem angeklagten Ehepaar, das seine erwachsene Tochter beziehungsweise Stieftochter schwer sexuell missbraucht haben soll im Gerichtssaal.

Nach Beschuldigungen der Tochter kam ein Paar aus Goslar ins Gefängnis. Beide sind längst frei, die juristische Aufarbeitung stockt.

Staatsanwalt kündigt Anklage gegen Josephine R. an

Da es Zweifel an der Glaubwürdigkeit der beiden Frauen gab, hob der Bundesgerichtshof die Urteile ein Jahr später auf. In einem weiteren Prozess wurden die Mutter und der Stiefvater im September 2024 rechtskräftig von allen Vorwürfen freigesprochen. „Durch die bewusst wahrheitswidrigen Angaben der Angeklagten hätten die Nebenkläger insgesamt 684 Tage unschuldig in Untersuchungshaft verbracht“, teilte das Amtsgericht mit. Im Zuge dessen hatte damals auch die 32-Jährige ihr Geständnis widerrufen und wurde nach vier Jahren Haft freigelassen. Gegen Josephine R. läuft ein gesondertes Strafverfahren. „Josephine R. wird angeklagt werden“, kündigte der Staatsanwalt während des Prozesses am Montag an.

Ein Schild weist auf das Landgericht in Braunschweig hin.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wirft der 32-Jährigen vor, die Eltern ihrer Ex-Partnerin zu Unrecht belastet zu haben.

Ein Ehepaar, das zu Unrecht verurteilt wurde, sitzt in einem Gerichtssaal.

Sie war 2022 wegen schweren sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen worden. Ihr Anwalt beantragt, dass der Fall neu verhandelt wird.