Beim Empfang im Haus der Kathedrale nahmen rund 200 Gäste aus Politik und Gesellschaft teil. © Michael Baudisch

Beim Empfang im Haus der Kathedrale nahmen rund 200 Gäste aus Politik und Gesellschaft teil. © Michael Baudisch

31. August 2026

Erster Besuch des neuen Nuntius Erzbischof Dr. van Megen in einem deutschen Bistum

Dresden. Knapp 200 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft sind am Montagabend, 31. August 2026, zum Katholischen Jahresempfang der Bischöfe Heinrich Timmerevers (Bistum Dresden-Meißen), Wolfgang Ipolt (Bistum Görlitz) und Dr. Gerhard Feige (Bistum Magdeburg) in Dresden zusammengekommen. Im Mittelpunkt des Abends stand das Verhältnis von Staat und Kirche. Anlass war das 30-jährige Jubiläum der Unterzeichnung des Staatskirchenvertrags zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Heiligen Stuhl. Premiere hatte dabei auch der erste Besuch des neuen Nuntius Erzbischof Dr. Hubertus van Megen in einem deutschen Bistum: Dem feierlichen Abendlob zum Auftakt des Jahresempfangs in der Dresdner Kathedrale stand Erzbischof Dr. Hubertus van Megen vor.

Am Nachmittag hatten Nuntius und Bischof Timmerevers bereits gemeinsame Besuche in der Sächsischen Staatskanzlei, bei Landesbischof Tobias Bilz und beim Gastmahl „Dresden is(s)t bunt“ absolviert. „Wir fühlen uns geehrt“, so Bischof Timmerevers in seiner Begrüßung des Päpstlichen Botschafters in Deutschland. Im Mittelpunkt des Abends stand dabei der Blick auf das 30-jährige Jubiläum des Staatskirchenvertrags zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Heiligen Stuhl. Bischof Timmerevers erinnerte daran, dass dieser Vertrag einen „verlässlichen Rahmen“ für die Zusammenarbeit von Staat und Kirche böte und auch auf Zusammenarbeit angelegt sei, „wenn Sichtweisen auseinandergehen.“ Der Bischof nannte die öffentlichen Debatten geprägt von „Zustimmung, Misstrauen und Angst“. Er ermutigte zur Suche nach langfristigen Antworten ohne Schielen „nach schnellem Beifall“.

Die Dresdner Kapellknaben gestalteten das Abendlob musikalisch. Im Anschluss begrüßten die drei Bischöfe ihre Gäste zum Empfang im Haus der Kathedrale. Die Leiterin des Katholischen Büros Sachsen, Dr. Daniela Pscheida-Überreiter, betonte in ihrer Eröffnung des Abends, der Staatskirchenvertrag lebe davon, „dass man gemeinsam nach Lösungen sucht“, besonders wenn es schwierig werde und Veränderungen anstünden. Spontanen Beifall erntete ihre Solidaritätserklärung mit dem Bischof von Magdeburg angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt.

Erzbischof van Megen und Conrad Clemens, Sächsischer Staatsminister für Kultus, richteten Grußworte an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Unter den Gästen waren unter anderem der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, der Präsident des Sächsischen Landtags, Staatsministerinnen und Staatsminister, der Chef der Sächsischen Staatskanzlei, zahlreiche Abgeordnete des Sächsischen Landtags sowie weitere Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Gesellschaft.

Staatskirchenvertrag als Grundlage für Zusammenarbeit

Den Festvortrag hielt Prälat Dr. Karl Jüsten, Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe in Berlin. Unter der Überschrift „Zukunftsweisend oder überholtes Relikt? Das Verhältnis von Staat und Kirche heute“ nahm er die gegenwärtige Bedeutung des Verhältnisses von Kirche und Staat in den Blick.

Jüsten steht seit März 2000 an der Spitze des Kommissariats der deutschen Bischöfe und begleitet damit seit mehr als 25 Jahren die Beziehungen der katholischen Kirche zu den politischen Institutionen auf Bundes- und europäischer Ebene. In seinem Vortrag ging er anlässlich des 30. Jahrestags der Unterzeichnung des Sächsischen Staatskirchenvertrags der Frage nach, welche Bedeutung die vertraglich geregelte Zusammenarbeit von Staat und Kirche heute noch hat und wie sie sich angesichts gesellschaftlicher Veränderungen weiterentwickeln kann.

Der Staatskirchenvertrag zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Heiligen Stuhl war am 2. Juli 1996 unterzeichnet worden. Er bildet bis heute eine wichtige Grundlage für das Verhältnis zwischen dem Freistaat und der katholischen Kirche. Das Jubiläum bot beim Jahresempfang Gelegenheit, die vergangenen drei Jahrzehnte zu würdigen und zugleich über die Zukunft der Zusammenarbeit ins Gespräch zu kommen.

Begegnung und Austausch

Der Katholische Jahresempfang versteht sich traditionell als Ort des Austauschs zwischen Kirche, Politik und Gesellschaft. Die Begegnungen des Abends boten Gelegenheit, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu diskutieren, Kontakte zu pflegen und über gemeinsame Verantwortung für das Gemeinwesen ins Gespräch zu kommen.

Mit dem Jahresempfang machten die drei Bischöfe zugleich deutlich, dass die katholische Kirche den Dialog mit den demokratischen Institutionen und den unterschiedlichen gesellschaftlichen Akteuren auch in Zukunft fortsetzen und gestalten will.

Text/Fotos: Michael Baudisch

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