Es gibt im Moment wahrlich schlimmere Schicksale, als Fan von Hertha BSC zu sein. So viel Spaß hat der Klub seinem Anhang schon lange nicht mehr bereitet. Der Berliner Fußball-Zweitligist eilt von Sieg zu Sieg und überzeugt durch spektakuläre Leistungen wie zuletzt in Braunschweig. Kurzum: Von Hertha kann man momentan gar nicht genug kriegen.
Vor diesem Hintergrund ist es umso bemerkenswerter, was die Harlekins, die einflussreichste Ultra-Gruppierung des Vereins, am Wochenende bekannt gegeben haben. Ausgerechnet die nach eigener Einschätzung leidenschaftlichsten Fans des Klubs üben sich in einem selbstauferlegten Hertha-Verzicht.
Wenn die Mannschaft in knapp drei Wochen zum Ligaspiel bei Dynamo Dresden antritt (Samstag, 19. September, 20.30 Uhr), werden die Ultras jedenfalls nicht im Stadion sein. Sie rufen sogar explizit dazu auf, ihrem Beispiel zu folgen: „Holt Euch keine Tickets für das Spiel in Dresden!“
Damit reagieren die Harlekins auf die Strafe, die das DFB-Sportgericht nach den Ausschreitungen beim jüngsten Aufeinandertreffen beider Mannschaften im April verhängt hat. Am Karsamstag war es im Dresdner Stadion zu einem massiven Einsatz von Pyrotechnik und heftigen Auseinandersetzungen beider Fangruppen gekommen.
17
Menschen wurden bei dem Spiel im April verletzt
Anhänger beider Klubs hatten den Innenraum gestürmt. Zudem schossen Dynamo-Anhänger Feuerwerksraketen Richtung Hertha-Block. 17 Menschen wurden verletzt. Das Spiel, das Hertha schließlich mit 1:0 für sich entschied, musste zweimal unterbrochen werden, zunächst für knapp fünf Minuten, später noch einmal für neunzehn.
„Ich kann mich an kaum einen Fall erinnern, bei dem Pyrotechnik in einem solchen Ausmaß als Waffe gegen Menschen eingesetzt wurde“, sagte der Vorsitzende Richter Stephan Oberholz nach der Verhandlung des DFB-Sportgerichts. „Das ist nicht tolerierbar, dafür kann es keine Entschuldigung, keine Ausrede und auch keine Nachsicht geben. Damit wurde eine Grenze überschritten. Da der Fall kein Standardfall ist, muss auch die Sanktion vom Standard abweichen.“
Kollektivstrafen lösen keine Probleme.
Die Harlekins in ihrer Erklärung
Neben Geldstrafen für beide Klubs, verhängte das DFB-Sportgericht einen Zuschauerteilausschluss für zwei Heimspiele der Dresdner. Zudem wurden Hertha und Dynamo dazu verurteilt, ein gemeinsames Sicherheitskonzept zu erstellen. Es sieht vor, dass bei den Duellen in dieser Saison das Kontingent an Gästetickets um die Hälfte reduziert wird und nur personalisierte Eintrittskarten für den Gästebereich verkauft werden dürfen.
Dagegen wehren sich Herthas Ultras. „Kollektivstrafen lösen keine Probleme und verfehlen somit ihren Zweck. Sie zeigen, dass die Verbände weiterhin keine vernünftigen Lösungen anzubieten haben“, schreiben sie. Ein solches Vorgehen dürfe keine Schule machen. „Daher möchten wir alle Herthaner dazu aufrufen: Lasst uns ein gemeinsames Signal senden, damit Kollektivstrafen durch die Verbände nicht erneut Einzug erhalten.“
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Anstelle eines gemeinsamen Stadionbesuchs in Dresden soll es eine Alternativveranstaltung geben. Welche das sein wird, das wollen die Ultras in Kürze bekannt geben.
Nachdem Hertha in der Abstiegssaison 2009/10 wegen eines Platzsturms der Fans ebenfalls zu einem Zuschauerausschluss verurteilt worden war und zum Heimspiel gegen Stuttgart nur 25.000 Fans ins Olympiastadion durften, organisierte der Klub für seine Anhänger ein Public Viewing in der benachbarten Waldbühne. Das wird es am 19. September definitiv nicht geben. An diesem Abend tritt Gianna Nannini in der Waldbühne auf.