Er galt als „Vampir von Hannover“

„Habe ihre Leichen zerstückelt und die einzelnen Teile entsorgt“

  • Katharina Grimm

Aktualisiert am 31.08.2026 – 22:21 UhrLesedauer: 4 Min.

100. Jahrestag der Verhaftung des Massenmörders HaarmannVergrößern des Bildes

Eine nachgebaute Zelle mit einem Foto des Massenmörders Fritz Haarmann: Wer war der „Vampir von Hannover“? (Quelle: Sina Schuldt/dpa/dpa-bilder)

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Vor rund 100 Jahren hatte es ein Serienmörder in Hannover auf Jungs und junge Männer abgesehen. Durch Kleidungsstücke kam die Polizei ihm auf die Schliche.

Es war Zufall, dass die Kinder den Schädel beim Spielen entdeckten. Sie schlugen sofort Alarm und das Ufer der Leine zwischen Hannover und Garbsen wurde abgesucht. Immer mehr zusammengeschnürte Bündel mit Leichenteilen und Knochenresten wurden geborgen. Am Ende zählten die Ermittler allein 22 Oberschenkelknochen, insgesamt waren es 500 einzelne Leichenteile. Es war amtlich: In Hannover ging ein Serienmörder um.

Es war das Jahr 1924 und die Wirren der Nachkriegszeit waren noch lange nicht vorbei. Daher reagierte die Polizei lange nicht, als besorgte Eltern ihre Söhne vermisst meldeten. Vielleicht umgezogen, abgehauen, vielleicht wollten sie ihr Glück woanders suchen. Sorgen machte sich bis dahin niemand. Rund um den Hannoveraner Bahnhof entstand in dieser Zeit ein Milieu der Glückssucher, Vertriebenen, Mittellosen – und somit schnell der Prostituierten und Hehler. In dieser Szene lebte der damals 44-jährige Fritz Haarmann. Und rutschte mal wieder ins Visier der Polizei.

Denn Friedrich „Fritz“ Heinrich Karl Haarmann war längst polizeibekannt, der Mann war immer mal wieder wegen „Unzucht mit Knaben“ aufgefallen, wie der NDR berichtet. Wohl als Kind von seinem älteren Bruder missbraucht, beging er nun selbst diese Verbrechen an Nachbarsjungen. Ein geordnetes Leben zu führen, gelang ihm nie, er rutschte in die Kleinkriminalität ab. Regelmäßige Kurzbesuche im Knast folgten. Den Ersten Weltkrieg verbrachte er fast vollständig im Gefängnis, schrieb die „Welt“. Die Polizei heuerte ihn 1918 direkt als Spitzel an.

Als Polizeispitzel auf Opferjagd

Ausgestattet mit einem offiziellen Polizeiausweis, wie der „Spiegel“ berichtet, durchsuchte er den Bahnhof und die Wartesäle nach potenziellen Opfern. Der Deal war simpel: Er bot Essen und Unterkunft für Sex. Seine Opfer, am Ende mindestens 24 Jungs und Männer zwischen 10 und 22 Jahre alt, gingen mit ihm.

Menschenknochen, die man nach Absenkung des Leinepegels gefunden hat (Archivbild): Fritz Haarmann hatte zahlreiche Menschen getötet.Vergrößern des BildesMenschenknochen, die nach Absenkung des Leinepegels gefunden wurden (Archivbild). (Quelle: localpic)

Den ersten Mord beging er 1918, so die Ermittler. Kurz danach lernte er seinen zwanzig Jahre jüngeren Geliebten Hans Grans kennen. Das Morden hörte auf, Haarmann bekam seine Lust zu töten in den Griff.

Doch im Februar 1923 begann Haarmann eine der größten Mordserien, die Deutschland je erschütterte. Ab Februar bis Juni 2024 mordete er durchschnittlich ein Mal pro Monat, zwischen Oktober 1923 und April 1924 brachte er wöchentlich ein Opfer um. Der Fußboden seiner Wohnung soll blutgetränkt gewesen sein, berichtet die „Welt“.