Kanada beim Eurovision
Ein Lied gegen Donald Trump
Aktualisiert am 01.09.2026 – 04:57 UhrLesedauer: 4 Min.
Mark Carney besucht ein Rodeo in Kanada. (Archivbild) (Quelle: Todd Korol/AP/dpa)
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Kanadas Premier Mark Carney macht eine überraschende Ankündigung. Sein Land nimmt am Eurovision Song Contest teil. Das ist weit mehr als nur eine Unterhaltungsmeldung.
Kanadas Premierminister Mark Carney hat derzeit eine ausgewachsene diplomatische Krise zu bewältigen. Seine Regierung liegt im Clinch mit dem Nachbarland, nachdem die USA unter Donald Trump einen veritablen Handelskrieg mit Strafzöllen gegen Kanada vom Zaun gebrochen hatten. Doch Carney ließ sich von den Maßnahmen in Washington, D.C. nicht beeindrucken – und verhängte ebenfalls Zölle auf US-Produkte.
Nun postete der kanadische Regierungschef bei X eine Nachricht, die zwar auf den ersten Blick nicht wie die ganz große Politik wirkte – aber durchaus als nächster Hieb in Richtung des großen Nachbarn Amerika zu werten ist. „Kanada wird 2027 beim Eurovision dabei sein“, schrieb Carney dort. Die Ankündigung verband er mit einer Aufforderung zur Bewerbung an alle kanadischen Sänger und Liedermacher: „Wenn du das Zeug dazu hast, Kanada bei der grandiosesten und extravagantesten Musikfeier der Welt zu vertreten, bewirb dich jetzt“.
Mehr schrieb der Premier nicht. Carneys Freude über eine Teilnahme an der EU-Veranstaltung kann dennoch als neuerlicher Affront gegen Donald Trump verstanden werden. Zwar sind mit Israel, Aserbaidschan, Armenien oder Australien auch andere nicht-europäische Nationen beim Gesangswettbewerb dabei, dass jedoch nun ausgerechnet Kanada eine Einladung bekommen hat, ist mehr als nur eine Fußnote.

Trump und Carney beim Nato-Gipfel in der Türkei im Juli 2026. (Quelle: Yves Herman/Reuters)
Kanada: „Den Geist voll und ganz verkörpern“
Die Organisatoren des kanadischen Vorentscheids beim kanadischen TV-Sender CBC drücken es so aus: „Der Eurovision Song Contest ist der größte Live-Musikwettbewerb der Welt. Als echtes Phänomen unter den jüngeren Generationen vereint er jedes Jahr Hunderte Millionen Menschen vor dem Fernseher und auf digitalen Plattformen. Über die Musik hinaus ist er auch ein starker Motor für kulturellen Einfluss“, heißt es auf ihrer Webseite. Kanadas Teilnahme sei von dem Wunsch getragen, „den Geist des Wettbewerbs voll und ganz zu verkörpern“.
Seit der Eskalation im US-kanadischen Handelskonflikt gewinnt eine Idee wieder an Fahrt, die bereits seit einigen Jahren immer mal wieder auf dem diplomatischen Parkett disuktiert wird: Kanada könnte Mitglied der Europäischen Union werden. Ein solches Unterfangen klingt nur auf den ersten Blick abwegig. „Wenn du schon nicht geografisch Einfluss auf Deine Nachbarn nehmen kannst, dann versuche es über die Institutionen“, zitiert das US-Magazin „New Yorker“ den portugiesischen Politiker Bruno Maçães. Der Portugiese gilt als Befürworter eines EU-Beitritts Kanadas.
