Russlands Finanzminister darf am G-20-Treffen teilnehmen. Vizekanzler Lars Klingbeil kritisiert das scharf – und organisiert einen europäischen Foto-Boykott. Das Weiße Haus und Donald Trump reagieren anschließend auf den Vorfall.
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Der russische Finanzminister am Tisch, große US-Medien dagegen nicht zugelassen: Das Ministertreffen der G‑20‑Gruppe führender Industrie- und Schwellenländer in den USA sorgt für einen Eklat.
Bei den jüngsten G-20-Treffen, die von größeren Zerwürfnissen zwischen den Mitgliedern geprägt waren, wurde der russische Finanzminister stets durch Staatssekretäre vertreten. Dies ist nun in Asheville im Bundesstaat anders. Russlands Finanzminister Anton Siluanow nimmt teil. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) kritisiert das scharf.
Das Signal, Siluanow zu empfangen, sei irritierend, sagte der Vizekanzler am Rande des Treffens. Er hätte angesichts des „brutalen Krieges“ Russlands gegen die Ukraine auf mehr Klarheit der gastgebenden Amerikaner gehofft. „Es gibt keine normale Situation gerade mit Russland“, betonte Klingbeil.
Klingbeil sagte, er habe Siluanow in den Sitzungen direkt angesprochen und aufgefordert, den Krieg zu beenden. Er habe außerdem deutlich gemacht, dass Deutschland die Ukraine weiter unterstützen werde. Ein gemeinsames Foto aller Finanzminister sei nach Intervention der Europäer verhindert worden. Traditionell versammeln sich die Teilnehmer eines G-20-Treffens auf einem „Familienfoto“.
Bei den anderen europäischen G-20-Staaten habe sich Klingbeil für einen Boykott eingesetzt, berichtet „Politico“-Reporter Rasmus Buchsteiner. Der Druck habe Wirkung gezeigt: Schließlich entstand ein Bild mit den Europäern, ohne russische Vertreter.
Das Weiße Haus verteidigte dagegen im Anschluss die Einladung Russlands. Die US-Regierung arbeite mit Moskau an einer Vereinbarung, die in der Ukraine „das endlose Blutvergießen beendet“, sagte Sprecher Kush Desai auf Anfrage. „Der Präsident und die Regierung werden sich niemals scheuen, mit den Leuten zu sprechen, mit denen wir sprechen müssen, um dies voranzubringen“, sagte Desai.
Auch Trump selbst äußerte sich später. „Wir werden sehen, was passiert“, erklärte er aus dem Weißen Haus. „Aber wir verstehen uns gerne mit allen. Einer der Gründe, warum ich so erfolgreich bin, ist, dass ich mich mit allen gut verstehe.“
Pressevertreter nicht zugelassen
Nicht nur die Einladung des Russen, auch der Umgang der US-amerikanischen Gastgeber mit der Presse sorgte für Probleme: Zunächst sollten weder Journalisten der Nachrichtenagentur Bloomberg, noch der „New York Times“ zur Berichterstattung über das Treffen zugelassen werden. Das deutsche Finanzministerium habe versucht, auf hoher diplomatischer Ebene bei der US-Regierung zu intervenieren, hieß es aus Delegationskreisen gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.
Schließlich erhielt der Berliner Korrespondent der „New York Times“ doch eine Akkreditierung. Mit Blick auf die Nachrichtenagentur Bloomberg blieben die Bemühungen aber erfolglos. Dieses Vorgehen gegenüber einer internationalen Nachrichtenagentur sei beispiellos und aus Sicht der Bundesregierung inakzeptabel, hieß es aus der Delegation. Klingbeil erklärte: „Ich halte es für nicht akzeptabel, dass Journalisten oder ganze Redaktionen ausgeschlossen werden. Das habe ich auch deutlich gemacht.“
ll/saha mit dpa/Reuters/afp