Wer einen schönen Ausflug von Baden-Württemberg aus ins Elsass plant, sollte sich nicht nur mit den Sehenswürdigkeiten beschäftigen, sondern auch mit den dort gültigen Vorschriften. Denn wie auch in Deutschland gibt es in Frankreich bestimmte Umweltzonen. Wenn man mit dem Auto, Motorrad oder Wohnmobil in diese Zonen fahren will, benötigt man eine Umweltplakette. Aber reicht für deutsche Autofahrer dann die deutsche Umweltplakette oder müssen auch sie die spezielle französische Vignette, die „Crit‘Air“, erwerben?
Ausflug ins Elsass: Reicht die deutsche Umweltplakette?
Wer sich fragt, ob denn nicht die deutsche Umweltplakette auch für den Ausflug ins Elsass ausreicht: Die deutsche grüne Feinstaubplakette wird in Frankreich nicht anerkannt, informiert das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz (ZEV). Auch für in Deutschland gemeldete Fahrzeuge braucht es in Frankreich in den betroffenen Umweltzonen zwingend die „Crit‘Air“ – das steht für „Certificat qualité de l’air“.
Zwar gibt es Bestrebungen des ZEV für eine gegenseitige Anerkennung der Umweltplaketten in der deutsch-französischen Grenzregion. So wird beispielsweise die „Crit‘Air“-Plakette in der Umweltzone in Freiburg anerkannt. Doch in Frankreich ist eine Anerkennung der deutschen Umweltplakette noch nicht umgesetzt.
An welchen Orten braucht man die „Cit‘Air“ nun im Elsass und wie bekommt man diese Umweltplakette?
Umweltplakette „Crit‘Air“ für Frankreich: Wo ist sie im Elsass Pflicht?
Feste Umweltzonen, die sogenannten „Zones à Faibles Émissions mobilité“ (ZFE-m) gibt es in vielen Städten, Regionen, Departements und Metropolen in Frankreich, informiert das ZEV. Dort ist die „Crit‘Air“ das ganze Jahr über Pflicht. Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß haben derweil ein Fahrverbot in diesen Orten. Hinzu kommen temporäre Umweltzonen, informiert der ADAC. In den sogenannten „Zones de protection de l’air“ (ZPA) und „Zones de protection de l’air departementale“ (ZPAd) gelten die Plakettenpflicht und Beschränkungen nur, wenn bei Überschreiten vorgegebener Schadstoffgrenzwerte der Umweltalarm ausgerufen wurde.
Im Elsass ist die Umweltplakette in zwei Orten Pflicht. Einmal in der Metropole Straßburg, informiert das ZEV. Ausgenommen sind lediglich einige Autobahnabschnitte. Zudem gilt in der Eurometropole ein Fahrverbot für „Crit‘Air“ 4 und 5 sowie ab Januar 2027 auch für „Crit‘Air“ 3. Was das bedeutet:
„Crit‘Air“-Klassifizierung
Die französische Umweltplakette „Crit‘Air“ unterteilt Fahrzeuge anhand von Schadstoffausstoß, Antrieb und Erstzulassung in sechs verschiedene Klassen von 0 bis 5, informiert die offizielle Website des französischen Umweltministeriums certificat-air.gouv.fr.
- Kategorie 0 (grün): emissionsfreie Fahrzeuge wie reine Elektroautos oder Wasserstofffahrzeuge
- Kategorie 1 (lila): Plug-in-Hybride sowie Fahrzeuge mit Erdgas- oder Autogas-Antrieb sowie sehr neue Benziner und Motorräder
- Kategorie 2 (gelb): Benziner der Euro-Norm 4 und Diesel der Euro-Norm 5 und 6
- Kategorie 3 (orange): Benziner der Euro-Norm 2 und 3 sowie Diesel der Euro-Norm 4
- Kategorie 4 (rot-braun): ältere Dieselfahrzeuge der Euro-Norm 3
- Kategorie 5 (grau): älteste noch zugelassene Dieselfahrzeuge der Euro-Norm 2
Autofahrer finden die Euro-Norm auf ihrer Zulassungsbescheinigung Teil I, umgangssprachlich Fahrzeugschein. Sollte sie dort nicht angegeben sein, können Sie die Klassifizierungstabelle auf der Website des Umweltministeriums konsultieren.
Laut ZEV gibt es in Straßburg aber Ausnahmeregelungen. Einerseits den „24-Stunden-Pass“, mit dem Autofahrerinnen und Autofahrer älterer Fahrzeuge, die keine „Crit‘Air“-Plakette mehr erhalten oder nur die der Kategorien 4 oder 5, für 24 Stunden in der Eurometropole fahren können. Andererseits kann für bestimmte Fahrzeuge eine dauerhafte oder dreijährige Ausnahmegenehmigung beantragt werden, etwa für Oldtimer, Sondertransporte oder Fahrzeuge mit Behindertenparkausweis. Entsprechende Dokumente sind vorzulegen.
Der zweite Ort im Elsass, wo die „Crit‘Air“-Umweltplakette Pflicht ist, ist die Stadt Mulhouse (deutsch: Mülhausen). Denn seit dem 1. Januar 2025 gibt es laut ZEV neue feste Umweltzonen in allen Ballungsräumen mit mehr als 150.000 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Wichtig zu wissen: Bei Feinstaubalarm können die Präfekturen in den jeweiligen Départements auch außerhalb der ZFE-m kurzfristig eine Plakettenpflicht anordnen, informiert das ZEV. Bei starker Luftverschmutzung können zudem Fahrverbote für besonders schadstoffreiche Fahrzeuge gelten.
Umweltplakette „Crit‘Air“ für Elsass-Ausflug: Wo ist sie erhältlich und was kostet sie?
Die einzige offizielle Seite für die Bestellung der „Crit‘Air“-Plakette ist die Website des französischen Umweltministeriums, informiert das ZEV. Zudem kostet die „Crit‘Air“ bei privaten Anbietern meist deutlich mehr. Die Website des Umweltministeriums warnt deutlich vor „Vermittlern und betrügerischen Websites“.
Die Bestellung ist auch auf Deutsch möglich. Dafür klickt man oben rechts auf der Website in dem Kasten auf „Im Ausland zugelassenes Fahrzeug“. Man benötigt ein deutliches Foto oder einen Scan der Zulassungsbescheinigung, um sich zu zertifizieren.
Die Kosten für die Plakette belaufen sich laut certificat-air.gouv.fr auf 3,11 Euro. Hinzu kommen zwei Euro für das Auslandsporto, also insgesamt 5,11 Euro. Die Bezahlung ist laut ZEV nur per Kreditkarte oder über Paypal möglich. Es handelt sich um eine einmalige Investition pro Fahrzeug, denn die französische Umweltplakette ist zeitlich unbegrenzt gültig. Nur wenn man ein neues Auto erwirbt, muss man eine neue Plakette beantragen.
Die Lieferung der Plakette per Post kann bis zu 21 Tage dauern, informiert das ZEV. Sollte sie nicht eintreffen, bevor man den Ausflug oder Kurzurlaub im Elsass antritt, gibt es aber die Möglichkeit, mit der ausgedruckten Rechnung vor Ort im Elsass nachzuweisen, dass man sie erworben hat. Die Rechnung („Facture“) erhält man per E-Mail nach der Bestellung auf der offiziellen Bestellseite, darin ist eine Kopie der Plakette mit dem eigenen Kfz-Kennzeichen abgedruckt.
Welche Strafen drohen, wenn man keine „Crit‘Air“-Umweltplakette hat?
Die Plakette – oder die Rechnung als Ausdruck – ist laut ZEV gut lesbar hinter der Windschutzscheibe des Fahrzeugs anzubringen. Kontrollen können von der französischen Polizei und Ordnungskräften durchgeführt werden. Automatische Kontrollen über festinstallierte Kameras gibt es in Frankreich bisher nicht. Ausnahme: Laut dem ADAC wird die Umweltzone in Straßburg durch automatisierte Kontrollen mittels Kennzeichenerfassung überwacht.
Der ADAC informiert, dass Verstöße gegen die Umweltplaketten-Regelungen in Frankreich mit einem Bußgeld bestraft werden:
- Bei Kraftfahrzeugen bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, also Pkw und Motorräder, wird ein Bußgeld von 68 Euro fällig.
- Für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen werden 135 Euro Strafe berechnet.
Übrigens: Auf der Elsässer Weinstraße braucht man keine „Crit‘Air“. Sie gehört zu den schönsten Routen Europas und bietet 170 Kilometer voller Weinberge, Fachwerkdörfer und Burgen.