Mit einem Jahr malte ihre Tochter wie jedes Kind mit Fingerfarben und Wasserfarben auf einem Kindertisch. Die kleine Marlena fragte ihre Mama Carolin H. immer wieder, ob sie malen dürfte.

Als sie fast zwei Jahre alt war, überlegen Mama und Oma, mit ihr in ein Geschäft für Künstlerbedarf zu fahren, um ihr eine kleine Leinwand zu kaufen. Doch die Kleine wollte keine kleine Leinwand. Sie bestand auf eine Leinwand, die größer war als sie selbst. So erzählt es die Mama Carolin H. im Gespräche mit der ka-news-Redaktion. Die Familie wohnt in der Südpfalz, wo genau, will die Mutter nicht verraten. Ursprünglich kommen die Eltern aber aus Baden-Baden.

Fast Zweijährige startet erstes Kunstwerk im Februar

Also fuhren Oma, Mama und Enkelin mit drei 80×100-Zentimeter-Leinwänden nach Hause. Mutter Carolin habe sich damals schon gefragt, ob die Kleine überhaupt die gesamte Leinwand nutzen kann. Schließlich sind zweijährige Kinder in der Regel nicht größer als 90 Zentimeter. Doch der Wunsch der fast Zweijährigen wurde erhört. Im Februar 2026 begann sie dann mit ihrem ersten Werk.

Sie weiß genau, welche Farben sie kombinieren möchte

„Beim ersten Werk hat sie sich beigebracht, wie sie Farben einsetzt“, sagt Carolin H. Sie erzählt, die kleine habe ganz genau gewusst, welche Farbtöne und welche Mengen sie aus den Acryltuben haben wolle. „Sie hat so oft gefragt, ob sie malen darf, dass wir ihr dann ein Atelier bei den Großeltern eingerichtet haben“, so Carolin.

Das erste der 13 Werke, welche die Zweijährige innerhalb von sechs Monaten geschaffen hat.

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Das erste der 13 Werke, welche die Zweijährige innerhalb von sechs Monaten geschaffen hat.
Foto: Carolin H.

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Das erste der 13 Werke, welche die Zweijährige innerhalb von sechs Monaten geschaffen hat.
Foto: Carolin H.

Seit ihrem ersten Werk im Februar habe ihr Tochter 13 hochformatige Bilder fertiggestelltmehr als ein Gemälde pro Monat. Marlena nutzt neben Bürsten, Schwämmen und Pinseln gerne auch mal ein Spielzeugauto zum Malen. Die Mama benennt die Gemälde im Anschluss und fotografiert sie für ihre Website und für den eigens für ihre Tochter angelegten Instagram-Account. Ihr Oeuvre findet Beachtung: Vom 23. bis 25. Oktober darf das zweijährige Mädchen die Gemälde auf der ARTe Stettenfels ausstellen. Die Veranstalter betiteln sie als eine „der wohl jüngsten aktiven Künstlerinnen weltweit“.

Kein „Krikelkrakel“, sondern Kunst

Kunst von Zweijährigen werde laut Carolin H. schnell als „Krikelkrakel“ abgetan. Deswegen habe sie dem Kurator bei der Vorführung der Werke erst einmal nicht erzählt, dass ihre Tochter so jung sei. „Der Kurator schätzte die Summe der Werte auf einen vierstelligen Betrag“, erinnert sich die Carolin. Als sie ihm sagte, die Künstlerin sei erst zwei Jahre alt, habe er sie ungläubig angeschaut.

Auch auf Instagram, wo die Mutter den Entstehungsprozess der Werke dokumentiert, habe es Kaufinteressenten gegeben, die Beträge in ähnlicher Summe hätten zahlen wollen. Gesicht und Wohnort der Tochter hält die Mutter indessen streng geheim. Tatsächlich ist die Frontalansicht der Kleinen nicht zu sehen, lediglich das Profil. Sie nutze Instagram auch, damit ihr die Menschen glauben, dass die Werke nicht von ihr selbst seien.

„Einen Fuß in der Tür haben“

Doch die Präsenz in den sozialen Medien sei wichtig, „um in der Kunstwelt einen Fuß in der Tür zu haben.“ Nach der Ausstellung sollen aber nicht alle 13 Werke verkauft werden – Lieblingsbilder und das Erstbild möchte Mutter Carolin behalten. Das künstlerische Geschick scheint in der Familie zu liegen. „Ich gewann als Kind in der Grundschule den europäischen Kunstwettbewerb und in dem Haus meiner Eltern hängen Aquarellgemälde meiner Mutter“, sagt Carolin H.