Buchkritik zu »Exoplaneten« – Spektrum der WissenschaftDirekt zum Inhalt»Exoplaneten«: Quietschbunte Planetensuche

Als Einstieg ist dieses Kinderbuch brauchbar. Allerdings kommt es ob seines geringen Textanteils inhaltlich schneller an seine Grenzen, als es die Empfehlung »ab 10 Jahren« vermuten lässt.

Wendy Bjazevich

Exoplaneten

Eine Reise zu den Welten außerhalb unseres Sonnensystems

Verlag: E. A. Seemann, Leipzig 2026, 39 S., aus dem Englischen von Nina Goldt, illustriert von David Miles

ISBN: 9783690010306 | Preis: 20,00 €

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Auf den ersten Blick erinnert mich das quietschbunte Buch an eine Mischung aus »Die kleine Raupe Nimmersatt« und »Onkel Tobis Landpartie«. Wenn Sie in der Altersklasse meiner beiden Söhne sind, also etwa Anfang bis Mitte dreißig, dann kennen Sie diese Kinderbücher vielleicht noch vom abendlichen Zu-Bett-Geh-Vorlese-Ritual. Die Bücher gehören, wenn man sie einem Genre zuordnen möchte, zur Belletristik. Dass es knallig kolorierte Kinderbücher aber auch zu wissenschaftlichen Themen gibt, belegt dieses Buch.

»Exoplaneten« ist von der ersten bis zur letzten Seite im psychedelischen Super-Flower-Power-Pop-Up-Cola-Stil der frühen 1970er-Jahre illustriert. Es gehört zum Programm »E. A. SEEMANNs BILDERBANDE« – richtig: »Bande«, nicht »Bände« – und ist eine Lizenz des US-amerikanischen Verlags »Bushel & Peck Books«. Das Ding ist 40 Seiten »stark« und hat damit acht Seiten weniger als ein »Asterix«‑Band. Insgesamt zehn Seiten sind eine Art erweiterte »Titelei« ohne substanziellen Text. Es bleiben somit 30 Seiten für den Inhalt. Der ist so sparsam in die poppig-bunte Exoplaneten-Menagerie gestreuselt, dass insgesamt kaum 10 000 Zeichen zusammenkommen dürften. Aus den Kategorien »Gasriesen«, »Eisriesen« und »Gesteinsplaneten« werden auf sechs Seiten insgesamt 69 Beispiele von Exoplaneten in Kleinstbildchen in der Art von Memorykarten auf ganzseitigen Tafeln dargestellt. Die im Text erwähnte vierte Kategorie der »Supererden« wird aus unerfindlichen Gründen nicht in dieser Weise präsentiert. Die Farbkompositionen der darauf abgebildeten Planeten und ihrer Atmosphärenstrukturen sind alle frei erfunden.

Bunt und dünn

Man fragt sich, warum in einem ohnehin sehr dünnen Band so viele Beispielplaneten abgebildet werden. Zwei oder drei, vielleicht auch fünf in jeder Kategorie hätten absolut ausgereicht – denn nach der Beispielplanetenparade bleiben nur noch 24 Seiten, um auch tatsächlich etwas über sie und ihre Entdeckung zu erfahren, und von denen gehen dann nochmal drei für ein Glossar und das Impressum drauf. Verbleibender Rest: 21 Seiten mit vielen, vielen großflächig kolorierten Bildern, in denen sich der spärliche Text oft regelrecht verliert.

Einem Buch, das so kindlich aufgemacht ist, traut man nicht viel zu. Zeit also für einen Faktencheck. An zwei Stellen ist vermerkt, dass es etwa 6000 bestätigte Exoplaneten gebe. Gar nicht übel, denn der von der NASA bestätigte aktuelle Stand (Anfang Juli 2026) liegt bei 6319. Dazu kommen allerdings noch mehrere Tausend unbestätigte Planeten, die erst in jahrelangen Prozessen verifiziert werden müssen. Was die jeweils sechs technischen Angaben zu den Beispielplaneten betrifft: Sie dürften stimmen (ich habe allerdings nicht alle überprüft).

Spannendes fehlt

Auch sonst ist der Inhalt weitgehend korrekt, obgleich er angesichts der geringen Textmenge manchmal schon in den Bereich der unzulässigen Vereinfachung abdriftet. Mäkeln könnte man ob des Erzählstrangs: Es fehlt einfach viel zu viel Spannendes, das dieses Thema eigentlich noch böte. Woran könnte das liegen? Nun, sämtliche an der Erstellung dieses Büchleins beteiligten Personen sind nicht vom Fach. Die Autorin Wendy Bjazevich hat Soziologie, Gesundheitserziehung und Forensik studiert. David Miles (gleichzeitig Verleger von »Bushel & Peck Books«) ist ein mehrfach ausgezeichneter Illustrator, verfügt aber ebenso wie Übersetzerin Nina Goldt (Kunstgeschichte und Romanistik) nicht über ausgewiesene Expertise in Astronomie. Durch das Buch wird übrigens mit Partizipialformen (»Forschende«) und Doppelnennungen (»Astronominnen und Astronomen«) moderat gegendert; dies nur als Hinweis für den Fall, dass Sie selbst gegen so etwas allergisch sind oder darauf achten möchten, dass Ihre Kinder mit grammatikalisch korrektem Deutsch aufwachsen.

Für wen ist ein »Buch« wie dieses nun bestimmt? Wirklich erst für Kinder ab zehn Jahren, wie es auf der Buchrückseite angegeben ist? Meine Jungs haben sich nach dem fünften Lebensjahr nicht mehr für »Die kleine Raupe Nimmersatt« interessiert, zwei weitere Jahre später war auch die Begeisterung für »Onkel Tobis Landpartie« dahin, obwohl das echt flott gereimt ist. Mit acht wollten sie schon »richtige« Bücher. Mir selbst haben meine Eltern etwa ab dem zehnten Lebensjahr alljährlich einen Band der (auch für Erwachsene sehr gut lesbaren) Jugendbuchreihe »Das Neue Universum« unter den Weihnachtsbaum gelegt.

Fazit: Wenn Sie einen originellen Farbkracher für Ihr Bücherregal brauchen: Kaufen Sie dieses Buch. Kaufen Sie es auch, wenn Sie des Öfteren Besuch von Kindern bekommen, wenn Sie mit ihnen einen Badeausflug machen (der Einband ist weitgehend wasserfest) oder mit ihnen Wartezeiten beim Arzt überbrücken müssen. Rechnen Sie jedoch damit, dass Ihnen der Nachwuchs dann etliche Fragen stellen wird, die das Buch offenlässt. In diesem Fall wäre es gut, wenn Sie ein inhaltsreicheres Werk zu diesem Thema nicht nur parat, sondern auch schon gelesen hätten.

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war Mitarbeiter eines internationalen Raumfahrtkonzerns. Nun schreibt er für Internetportale und Zeitschriften.

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