Zuletzt hatte sich der Hotelchef des Dorint im Hotelturm noch öffentlich gefreut, dass in den jahrelangen Parkhaus-Stillstand nebenan endlich Bewegung gekommen ist Florian Keller hatte sich zuversichtlich gezeigt. Doch inzwischen dürfte im Hotel die Stimmung am Boden sein. Das hat diesmal nichts mit der Parkhausruine zu tun, sondern mit der eigenen Zukunft. Zuletzt befand sich die Betreibergesellschaft des Hauses im Hotelturm im Insolvenzverfahren. Jetzt hat ein indischer Konzern das Hotel im Augsburger Wahrzeichen am Wittelsbacher Park übernommen. Die Entwicklung verheißt für die 45 Angestellten nichts Gutes. Hotelgäste müssen sich auf Veränderungen einstellen.
Der Name Dorint am Hotel im Augsburger Hotelturm ist verschwunden
Über dem Hotel-Eingang am Augsburger Hotelturm, an dem Taxen und Gäste mit ihren Autos vorfahren, sind die Dorint-Schilder längst verschwunden. Auch im Internet taucht der Name für das Hotel im sogenannten „Maiskolben“ auf Buchungsplattformen nicht mehr auf. Stattdessen ist, etwa auf dem Portal Booking, von „Sunday an der Kongresshalle“ die Rede. Dabei hat das Hotel derzeit gar keinen Namen, ist aber weiterhin geöffnet. Die Herberge, die neben dem Maximilians (ehemals Drei Mohren) jahrzehntelang die bedeutendste in der Stadt war, soll sich aktuell in einer Art Schwebezustand befinden. Allerdings nicht mehr lange. Denn hinter den Kulissen wird hart gerungen. Es geht auch um Entlassungen.

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Ein Foto aus alten Tagen.
Foto: Anne Wall (Archivbild)
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Ein Foto aus alten Tagen.
Foto: Anne Wall (Archivbild)
Alles begann Anfang dieses Jahres: Die Revo Hospitality Group, einer der zuletzt am stärksten wachsenden Hotelbetreiber in Europa, hatte im Januar für 140 ihrer Gesellschaften Insolvenz in Eigenregie angemeldet. Zur Revo-Gruppe gehörte auch das Dorint Hotel. Wie eine Sprecherin jetzt auf Nachfrage berichtet, hat sich der Insolvenzverwalter gegen die Fortsetzung des Franchisevertrags entschieden, sodass das Hotel nicht mehr unter der Marke Dorint firmiert. „Der indische Konzern Prism, unter dem Dach von Oyo, hat im Zuge der Insolvenz das ehemalige Dorint-Hotel im Augsburger Hotelturm an der Kongresshalle übernommen“, so die Sprecherin. Dessen Pläne haben den Betriebsrat des Hotels in Aufruhr versetzt, wie Christian Lechner bestätigt.
Stellenabbau: Aus dem Augsburger Hotel soll ein Online-Hotel werden
Als Anwalt vertritt Lechner die Belange des Betriebsrates in den aktuellen Verhandlungen mit dem Vertreter der Insolvenzverwaltung. Dabei geht es vor allem um einen geplanten Stellenabbau, der mit dem neuen Hotel-Konzept einhergehe. Christian Lechner erklärt das Konzept, das auch für Hotel-Gäste Veränderungen bedeutet.
„Prism sieht kein Voll-Hotel mehr vor, sondern ein Online-Hotel. Das heißt, es gibt einen digitalen Check-In aber keine Rezeption mehr sowie ein zentrales Reservierungssystem.“ Posten wie Reinigung oder Technik würden an Fremdfirmen vergeben, eine Küche werde kaum noch in Betrieb sein. „Außer Frühstück, das muss als Hotel angeboten werden.“ Bislang waren 45 Mitarbeitende im Dorint beschäftigt. Der neue Betreiber habe geplant, auf 22 Angestellte zu reduzieren. „Da macht der Betriebsrat aber nicht mit.“
„Es gibt wohl schon negative Aussagen von Stammgästen“
In den Verhandlungen habe man sich nun auf den Abbau von 17 Stellen geeinigt. Aus Sicht des Betriebsrates sei die Einigung sozialverträglich. „Bei zehn Angestellten laufen die befristeten Verträge ohnehin aus und in drei Fällen handelt es sich um Langzeiterkrankte, die nicht mehr arbeiten können.“ Vier Mitarbeitende allerdings, die unbefristet angestellt seien, müsse faktisch gekündigt werden. Lechner spricht von Schwierigkeiten und Bedenken in den Verhandlungen, die noch nicht abgeschlossen sind.
So habe der Betriebsrat angesichts des neuen Hotel-Konzeptes Sorgen. „Es gibt wohl schon negative Aussagen von Stammgästen, dass sie nicht wieder kommen wollen“, so Lechner. Zudem würde der Investor bei den Verhandlungen gehörigen Zeitdruck aufbauen. Einige Punkte seien laut dem Augsburger Anwalt allerdings noch ungeklärt. „Ich glaube zum Beispiel nicht, dass der Investor in Indien weiß, dass es sich um ein 36-stöckiges Hotel handelt. Gemäß den Brandschutzauflagen ist da aber ein Nachtportier vorgeschrieben.“ Das Dorint Hotel in Augsburg ist nicht das Einzige in Deutschland, das an Prism überging.
Wie auch die Hotel-Fachpresse berichtet, hat der indische Konzern, der unter anderem Hotels unter den Marken Sunday und Belvilla betreibt, 24 Hotels aus der Insolvenzmasse der Revo Hospitality Group übernommen. Nur zwei davon hätten Betriebsräte, die sich für die Belegschaft einsetzen könnten, sagt Anwalt Lechner. Dazu zähle der Standort Augsburg und das ehemalige Dorint in Freising.