Als Markus Kaiser vor seinem Wohnwagen Platz nimmt, wirkt der Ort für einen Moment weniger wie ein Zirkus als wie ein Campingplatz am Mittelmeer. Neben der Tür stehen Kochtöpfe und ein Kühlschrank, ein paar Meter weiter grasen Kamele. Bis 6. September gastiert der Zirkus in Derching. Ist das Leben hier wirklich so ein Idyll?
Der Zirkusdirektor ist in siebter Generation im Geschäft. „Ich bin hier geboren“, sagt er. Einen anderen Beruf habe es nie gegeben. Wer einmal Sägespäne in den Schuhen hat, bekommt sie nicht mehr heraus.
Circus Barnum: Der Zirkus-Tag startet um sieben Uhr morgens
Die Romantik beginnt allerdings erst, wenn die Lichter angehen. Der Alltag startet an diesem Morgen um sieben Uhr mit einer Tasse Kaffee und einer Lagebesprechung. Während eine Kolonne Fahrzeuge repariert, kümmern sich andere um die Tiere oder verteilen Werbung. Täglich landen zwischen 5000 und 10.000 Flyer in den Briefkästen. Sie sind auch im Internetzeitalter wichtig.
Nicht das Internet, sondern klassische Großplakate sind nach wie vor entscheidend und machen nach Kaisers Einschätzung 80 Prozent der Werbung aus. Doch viele Kommunen erlauben heute nur wenige oder gar keine Punktierung mehr. In Friedberg dagegen dürfe Barnum an privaten Gartenzäunen plakatieren, freut sich der Direktor. „Der Zirkus stirbt nicht. Er bekommt zu viele Steine in den Weg gelegt“, sagt er.
Dieselbe Entwicklung erschwert die Suche nach Auftrittsorten. Weil kommunale Festplätze immer seltener vergeben würden, weicht Barnum inzwischen zu rund 80 Prozent auf private Grundstücke aus. Selbst den Friedberger Festplatz, auf dem Kaiser als Kind noch mit seinen Eltern gastierte, bespielt seit 15, 20 Jahren kein Zirkus mehr, erzählt er.

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Die Romantik im Zirkus beginnt erst, wenn die Lichter angehen: Melani Donnert aus Ungarn an langen Seidentüchern.
Foto: Thomas Krones
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Die Romantik im Zirkus beginnt erst, wenn die Lichter angehen: Melani Donnert aus Ungarn an langen Seidentüchern.
Foto: Thomas Krones
Der Standort im Gewerbegebiet von Derching sei deshalb ein Glücksfall: gut sichtbar an der Straße und vom Eigentümer kostenlos zur Verfügung gestellt. Auch die reinen Betriebskosten schlagen zu Buche, allen voran Diesel und Heu: Ein Rundballen kostete früher 35 bis 40 Euro, erzählt Kaiser, inzwischen teilweise über 100 Euro. Die steigenden Preise spüren auch die Besucher. „Die Leute teilen sich eine Tüte Popcorn.“ Gut besucht seien deshalb vorwiegend Familien- und Kindertage mit ermäßigtem Eintritt.
Gespart werde trotzdem nicht überall. „An den Tieren sparen wir nicht.“ 25 Menschen, 60 Tiere und 50 Fahrzeuge gehören zum reisenden Unternehmen. Anderthalb Tage genügen, um aus der leeren Wiese in Derching eine Zirkusstadt entstehen zu lassen. Nach der letzten Vorstellung am Sonntag, 6. September, beginnt der Abbau sofort, am Montag werden zuerst die Tiere an den nächsten Standort gebracht – meist steht Barnum dort bereits am Dienstagabend wieder vollständig.
Debatte um Tiere erreicht auch den Circus Barnum
Auch die Debatte um Tiere im Zirkus blendet Kaiser nicht aus. Das Thema wird von Tierschutzverbänden seit Jahren kritisch begleitet, die insbesondere den Umgang mit Wildtieren infrage stellen. Kaiser hält dagegen: Sein Betrieb werde wöchentlich unangemeldet vom zuständigen Veterinäramt kontrolliert. „Wir sind der am meisten überwachte Tierbetrieb in Deutschland.“ Verändert habe die gesellschaftliche Kritik seine Arbeit nicht, sagt er. Wohl aber sei der Rechtfertigungsdruck gestiegen.
Finanzielle Zuschüsse fordert Kaiser keine. Sein Wunsch ist deutlich bescheidener: mehr Gastspielplätze und weniger Hürden für reisende Zirkusse. „Wir sind Kämpfer“, sagt er. Dann steht er auf. Es gab noch einiges zu tun.
Der Circus Barnum
Circus Barnum gastiert bis einschließlich Sonntag, 6. September, auf dem Platz an der Iglauer Straße in Derching. Vorstellungen sind mittwochs und donnerstags um 17 Uhr, freitags um 19.30 Uhr, samstags um 16 und um 19.30 Uhr. Sonntags findet eine Vorstellung um 11 Uhr statt. Tickets an der Kasse oder unter www.circus-barnum.de.