Die Fertigstellung des größten Projektes in der Geschichte der Regiobahn muss noch ein bisschen warten: Die Inbetriebnahme der elektrifizierten Strecke der S 28 ist für den 13. Juni 2027 vorgesehen. Ursprünglich war der Abschluss des Projektes für den 13. Dezember geplant. Damit verzögert sich das Projekt um ein halbes Jahr – als Grund nennt das Unternehmen „unvorhergesehene Behinderungen im Bauablauf“. Das teilte die Regiobahn Fahrbetriebsgesellschaft mbH am Dienstag mit.
Zu den Behinderungen zählten dem Unternehmen zufolge unter anderem harte Gesteinsschichten in den Bereichen Neandertal und Wuppertal-Dornap, die die Herstellung der Fundamente für die Oberleitungsmasten erheblich erschwerten und zusätzliche Arbeiten erforderlich machten. Zudem könnten die Anschlussarbeiten an die Infrastruktur der Deutschen Bahn nur in Abhängigkeit von Baumaßnahmen der DB InfraGO durchgeführt werden. „Diese Zeitfenster müssen eng mit den eigenen Bautätigkeiten abgestimmt werden. Änderungen im Bauablauf haben dabei unmittelbare Auswirkungen auf die Koordination der einzelnen Projektabschnitte“, heißt es in der Mitteilung.
Die Regiobahn hatte mit der Elektrifizierung bereits im Jahr 2015 begonnen. Durch die Umstellung auf elektrisch betriebene Fahrzeuge könnten sie – so die Schätzungen der Regiobahn – rund zwei Millionen Liter Dieseltreibstoff pro Jahr einsparen. Das entspricht rund 6000 Tonnen CO2 – so viel, wie 1300 Autos pro Jahr in die Luft pusten. Aufgrund der Bauarbeiten im Zuge der Elektrifizierung war es in den vergangenen Jahren an den Haltestellen in Kaarst immer wieder zu Einschränkungen für die Fahrgäste gekommen.
Ab Juni 2027 werden Elektrotriebzüge vom Typ FLIRT 3XL des Herstellers Stadler den Betrieb auf der Linie S 28 von Kaarst bis Wuppertal übernehmen. Die größten Herausforderungen liegen dem Unternehmen nach an den Schnittstellen zum Netz der DB InfraGO in Wuppertal, Düsseldorf-Gerresheim und Neuss. Dort müssen die letzten Lückenschlüsse hergestellt werden, über die künftig die Stromversorgung der Oberleitung erfolgt. Für die dafür erforderlichen Sperrpausen sei die Regiobahn auf entsprechende Genehmigungen angewiesen. Erst nach der Installation der Speiseleitungen, Rückleiter und Tragseile in diesen Bereichen könne die Gesamtanlage vollständig in Betrieb genommen werden.
„Die Elektrifizierung der S 28 ist das größte Infrastrukturprojekt in der Geschichte der Regiobahn. Trotz unerwarteter Herausforderungen im Projektverlauf sind die Arbeiten insgesamt sehr weit fortgeschritten. Die jetzt noch ausstehenden Arbeiten betreffen im Wesentlichen einzelne Schnittstellenbereiche. Unser Fokus liegt nun darauf, die verbleibenden Maßnahmen erfolgreich abzuschließen und die Voraussetzungen für die Aufnahme des elektrischen Betriebs im Juni 2027 zu schaffen“, erklärt Stefan Stach, Geschäftsführer der Regiobahn GmbH.
Auch während der abschließenden Arbeiten stehe für die Regiobahn die Verlässlichkeit des Betriebs im Mittelpunkt. Notwendige Nacharbeiten im Rahmen der Elektrifizierung werden deshalb überwiegend in betrieblichen Randlagen durchgeführt, um Einschränkungen des Betriebs so gering wie möglich zu halten. „Für uns hat oberste Priorität, unseren Fahrgästen während der letzten Projektphase ein verlässliches und umfängliches Angebot zu bieten. Deshalb werden wir bis zur Elektrifizierung mit punktuellen baustellenbedingten Einschränkungen den Regelbetrieb zwischen Kaarster See und Wuppertal gewährleisten“, sagt Götz Nink, Geschäftsführer der Regiobahn Fahrbetriebsgesellschaft mbH. Die bereits für den Einsatz auf der Regiobahn beschafften FLIRT 3XL-Fahrzeuge werden übergangsweise einem Partner-Eisenbahnverkehrsunternehmen innerhalb des VRR zur Verfügung gestellt.