Nur noch wenige Wochen bis zum Oktoberfest, Zeit für eine hitzige Debatte über sexistische und rassistische Darstellungen auf der Wiesn. Überraschend an der jüngsten Diskussion um die Umgestaltung mehrerer Frauenfiguren am Eingang des Fahrgeschäfts Teufelsrad ist vor allem die Positionierung grüner Politikerinnen. Von „übertriebener Prüderie“ sprach die Wiesn-Stadträtin Anja Berger. Von einem „Verhüllungsgebot“ die Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs. Inhaltlich ähnlich äußerten sich CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sowie Wirtschaftsreferent und Wiesnchef Christian Scharpf (SPD). Nun schlägt vor allem den Grünen-Politikerinnen Kritik entgegen.

Die Linke im Stadtrat hatte Fuchs am Montag vorgeworfen, die Arbeit der Gleichstellungsstelle öffentlich zu diskreditieren. Die SPD-Stadträtin Paula Gundi, stellvertretende Vorsitzende der städtischen Gleichstellungskommission, sagte, bei der Gleichstellungsstelle gingen seit Tagen „massiv Hass und Drohungen“ ein. Es sei Aufgabe der Stadtspitze und des Stadtrats, „sich schützend vor die eigenen Leute zu stellen“. Die frühere Vorsitzende der Kommission und ehemalige SPD-Stadträtin Micky Wenngatz schrieb bei Instagram, dass sie von den Grünen, „die sich gerne als feministische Kraft präsentieren“, erwartet hätte, „dass sie standhaft bleiben“.

Wer die Umgestaltung wohl überhaupt bemerkt hätte, ohne medialen und politischen Aufschrei? Die Frauenfiguren am Eingang des Fahrgeschäfts Teufelsrad tragen nun Radlerhosen unter den Röcken, hochgeschlossene Oberteile und Schuhe. Bei einer Figur, die zuvor gar kein Oberteil anhatte, sondern nur eine Hawaiikette umgelegt, wurde der Rock zum Kleid vervollständigt. Im Grunde hat die Betreiberin Elisabeth Polaczy die Puppen an die Realität angepasst. Upskirting ist wegen der allgegenwärtigen Smartphones ein Phänomen? Nun tragen die Figuren eben Radlerhosen, so wie sie in echt am Teufelsrad an Frauen ausgegeben werden.

Die Umgestaltung hat eine Vorgeschichte: Nach der Debatte um sexistische und rassistische Motive auf Fahrgeschäften im Jahr 2023 traf sich die städtische Gleichstellungskommission, der Stadtratsmitglieder, aber auch Vertreterinnen von Frauenorganisationen angehören, zu einem Rundgang über das Oktoberfest, um sich ein Bild zu machen. Sie schauten sich mehrere Fahrgeschäfte an, darunter auch das Teufelsrad. So schildern es Teilnehmerinnen des Rundgangs. Auch Anja Berger war dabei, wie sie bestätigt, in ihrer Funktion als Wiesn-Stadträtin.

„So wie’s jetzt ist, ist es gut.“

Micky Wenngatz war damals SPD-Stadträtin und Vorsitzende der Gleichstellungskommission. Damals sei man gemeinsam zu einem Ergebnis gekommen, schrieb sie bei Instagram: „Einige Figuren sind sexistisch dargestellt, eine rassistisch.“ Der Tenor: Die Politik war frühzeitig eingebunden, hat die Veränderungen mit angestoßen, und zwar fraktionsübergreifend mit Grünen, CSU und SPD  – und jetzt wollen manche davon nichts mehr wissen.

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:Gegen das echte Problem des Teufelsrads hilft keine FarbeSZ PlusKommentar von Ulrike HeidenreichPortrait undefined Ulrike Heidenreich

Bürgermeisterin Mona Fuchs war am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne), dem die Gleichstellungsstelle direkt unterstellt ist, weilt in dieser Woche im Urlaub. Wiesn-Stadträtin Anja Berger sagte am Telefon, sie wolle der Gleichstellungsstelle nicht in den Rücken fallen. Diese mache „tolle Arbeit“, die sie immer unterstützt habe. Doch in dem Fall sei es „ein Tick zu viel“ gewesen.

Seit die Übermalung öffentlich wurde, ist von traditionsreichen, 80 Jahre alten Pappmaché-Figuren die Rede. Ein Anruf bei Elisabeth Polaczy: Nein, aus Pappmaché seien die Figuren nicht; wie das Material heiße, sei ihr gerade entfallen. Und die 80 Jahre? So ganz genau wisse sie das nicht. Tatsache ist, dass auf einem Foto, das vermutlich in den 50er- oder 60er-Jahren entstanden ist, ganz andere Figuren auf dem Rad über dem Eingang zu sehen sind: vier Frauen mit hochgeschlossenen Dirndln. Das mit den 80 Jahren, so ganz kann es also nicht hinkommen. Im Übrigen, so Polaczy, halte sie die Debatte für „ein bissl übertrieben“. Sie wünsche sich, dass da jetzt ein „Deckel drauf“ komme. „So wie’s jetzt ist, ist es gut.“

An den Besucherinnen ist auf dem Foto von damals übrigens kein einziges Dirndl zu sehen. Dass die Massen in Tracht aufs Oktoberfest gehen, das hat bekanntlich ungefähr in den Neunzigerjahren angefangen.

So ändern sich die Traditionen.