Die Bundesregierung schließt ein russisches Konsulat. Nato-Chef Rutte lobt die Härte, Moskau spricht von „antirussischer Entscheidung“. BSW-Gründerin Wagenknecht warnt: „Merz führt uns immer näher an einen Krieg.“

Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen.

Russland hat brüskiert auf die Einschätzung der Bundesregierung reagiert, das Land sei für einen versuchten Anschlag mit einer Sprengstoffdrohne am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich. Das russische Verteidigungsministerium teilte der Nachrichtenagentur Interfax mit, Moskau werde auf die „antirussische Entscheidung“ Deutschlands reagieren, Maßnahmen wie die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn anzuordnen.

Die russische Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Tass, es werde eine angemessene Reaktion Moskaus geben. Eine Beteiligung Russlands an dem Anschlagsversuch bestritt sie. Die Vorwürfe seien ein „weit hergeholter und konstruierter Vorwand“ Berlins, um die Spannungen zu verschärfen. „Wie üblich“ seien sie in keiner Weise durch überzeugende oder ernsthafte Beweise belegt worden.

Moskau mache Deutschland verantwortlich für die Beteiligung an Terroranschlägen gegen russische Bürger, erklärte Sacharowa. „Berlin sponsert den Terrorismus“, sagte sie mit Blick auf die Waffenlieferungen und Milliardenhilfe Deutschlands an die Ukraine. Deutschland ist der größte Unterstützer der Ukraine.

Es sei schwierig, die Anschuldigungen gegen Russland zu kommentieren, weil Deutschland für seine Schuldzuweisung keine Beweise vorgelegt habe, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. „Wenn solche schweren Anschuldigungen erhoben werden, sollten sie irgendwie untermauert werden“, sagte Peskow.

Der Vertraute von Kremlchef Wladimir Putin warf Deutschland vor, die Vorwürfe auch nicht durch Argumente belegt zu haben. „Dass Deutschland den weiteren Weg der Eskalation geht, das ist offensichtlich“, sagte Peskow. Russland hatte stets bestritten, etwas mit der Leipziger Drohne zu tun zu haben. Moskau verwies vielmehr auf Kiew, das mit Stimmungsmache gegen Russland einen echten Nutzen ziehe aus dem hybriden Angriff.

Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat die von Deutschland geplanten Maßnahmen hingegen begrüßt. „Die Beweise sind eindeutig“, teilte der Niederländer mit. Die Nato stehe nach dem russischen hybriden Angriff in voller Solidarität an der Seite Deutschlands. „Russlands Versuche, uns einzuschüchtern, unsere Einheit zu untergraben und unsere Bereitschaft zur Unterstützung der Ukraine zu schwächen, sind vergeblich und werden scheitern“, erklärte er. Die Unterstützung für die Ukraine sei ebenso unerschütterlich wie der Einsatz für die kollektive Verteidigung der Nato.

Die Nato werde ihre Fähigkeit weiter stärken, alle Verbündeten gegen jede Bedrohung abzuschrecken und zu verteidigen – auch gegen bösartige Handlungen wie jene in Leipzig und andernorts im Bündnisgebiet. Rutte sprach nach eigenen Angaben am Dienstag auch mit Kanzler Friedrich Merz zu dem Drohnenvorfall. An diesem Mittwoch will er sich zudem mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beraten.

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht übte wiederum scharfe Kritik an den Maßnahmen gegen Russland. „Selbst wenn Russland dahinterstehen sollte, ist eine Drohne, die keinerlei Schaden angerichtet hat, kein Grund, eine brandgefährliche Eskalation anzuheizen“, sagte Wagenknecht. Dies könne in einem Krieg mit Russland enden.

Die Russland zugeschriebenen Drohnen seien nicht explodiert, fügte sie hinzu. Die Bundesregierung habe nicht auf den Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines reagiert, der von der Ukraine ausgegangen sei. Wagenknecht wirft Bundeskanzler Friedrich Merz vor, die Lage mit Russland zu eskalieren: „Merz führt uns immer näher an einen Krieg mit Russland.“

Die Bundesregierung hatte erklärt, der gescheiterte Anschlag mit einer Sprengstoffdrohne auf dem Flughafen Leipzig/Halle gehe nach ihren Erkenntnissen auf Russland zurück. Sie kündigte eine Reihe von Maßnahmen zur Vergeltung des Angriffs an, darunter die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn und die Kündigung des Vertrags über das Russische Haus in Berlin sowie weitere Sanktionen.

AP/dpa/doli