Die Rethelstraße galt viele Jahre als verrucht – zumindest der Teil zwischen Zoo-Brücke und Herderstraße. Denn an den Hausnummern 73 bis 77 lagen einst gleich drei stadtbekannte Bordelle, die dem Rotlichtkönig Bert Wollersheim zugeschrieben wurden. Wie sich später herausstellen sollte, war der eher ein Strohmann, als wirkliche Drahtzieher galten andere. Die Bordelle mussten 2012 nach einer großen Razzia dann schließen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass Freier mit K.o.-Tropfen betäubt worden waren, um ihnen die Kreditkarten abzunehmen und hohe Beträge von deren Konten abzuheben. Als 2016 die Inneneinrichtung verhökert wurde, gab es noch einmal skurrilen Auflauf, viele waren neugierig, wie die Edel-Puffs von innen aussahen, und sicherten sich ein sündiges Schnäppchen. Vor sechs Jahren wurden die Häuser schließlich abgerissen.
Seitdem lag die Baustelle eine gefühlte Ewigkeit brach, obwohl es relativ schnell konkrete Pläne für eine Neubebauung gab. Der Investor List Develop Residential wollte dort ein Gebäude mit Micro-Apartments errichten. Die Politiker der zuständigen Bezirksvertretung 2 waren darüber alles andere als erfreut, denn die Stadt brauchte auch damals schon vor allem preisgünstigen Wohnraum. Aber wie gesagt: Gebaut wurde nie.
Bis jetzt. Denn seit einigen Wochen herrscht wieder Betrieb auf der Baustelle, allerdings ist nun ein anderer Projektentwickler tätig geworden: Die Novaform Deutschland GmbH aus Heerdt hat das Grundstück bereits 2022 von List gekauft, es aber erst einmal „ruhen“ lassen, wie Geschäftsführer Jens Gehlings erklärt: „Der Markt hat einen Baubeginn zum damaligen Zeitpunkt mit den hohen Zinsen und gestiegenen Baukosten nicht hergegeben, auch das ursprünglich geplante Konzept mit einem kleinteiligen Weiterverkauf hätte so nicht funktioniert. Wir haben uns jetzt aber zusammen mit unserer Muttergesellschaft dazu entschlossen, doch zu bauen. Ob wir das Objekt dann behalten oder weiterverkaufen, müssen wir dann sehen.“
Es sollen aber weiterhin Micro-Apartments in dem neuen Gebäude mit Mittelgarage entstehen, das den Projekttitel „Urban 73“ trägt – und zwar 70 an der Zahl, schlüsselfertig und möbliert. Die Planung hat das Düsseldorfer Büro RKW Architektur übernommen, die Bauausführung die Firma AR Bauunternehmen und Projektentwicklung aus Burscheid. „Aufgrund der Enge vor Ort ist das Bauen nicht so einfach, die Nachbarschaft ist zudem anspruchsvoll, wir streben da ein Einvernehmen an“, sagt Gehlings. Jetzt, wo der Rohbau steht, „sind wir aber sprichwörtlich aus dem Keller raus und sehen optimistisch in die Zukunft“, so der Novaform-Geschäftsführer. Eine Fertigstellung werde jedenfalls bereits für das dritte Quartal 2027 angepeilt.