Werther/Borgholzhausen. Die Trauer über den gewaltsamen Tod ihrer Freundin schwingt in jedem Wort mit. Und auch wenn dies noch lange so bleiben wird, gibt es doch ein besonderes Zeichen der Verbundenheit, das seinesgleichen sucht: Die beste Freundin der Toten und die Stallgemeinschaft, bei der die 36-jährige Wertheranerin ihr Pferd stehen hatte, haben jetzt einen besonderen Spendenaufruf gestartet – damit ihr kranker Schecke Wutsch dauerhaft in seinem Stall in Borgholzhausen bleiben kann.
Es ist jetzt drei Wochen her, dass die Wertheranerin in ihrer Wohnung an der Engerstraße erstochen aufgefunden wurde. Tatverdächtig ist – wie berichtet – ihr 33-jähriger Ex-Freund, der sie mit einem Küchenmesser getötet haben soll. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
Für ihre beste Freundin Nicole Ballerstädt und ihre Freundinnen aus dem Reitstall in Borgholzhausen war die Nachricht ein Schock. Auf einmal standen sie außerdem vor der Frage, wie es mit dem geliebten Pferd der Getöteten weitergeht.
Getötete aus Werther war das Herz der Stallgemeinschaft
Ein Bild aus glücklichen Tagen, als die 36-jährige Wertheranerin mit ihrem Pferd Wutsch über die Wiesen galoppierte. Auch hier ist ihre Familie mit der Veröffentlichung des Fotos ausdrücklich einverstanden.
| © Janne Martens
„Julia war nicht nur ein langjähriges Mitglied unserer Stallgemeinschaft – sie war das Herz unserer Gemeinschaft, die gute Seele und einfach eine geliebte Freundin“, erzählen die Frauen. „Seit sie 2017 mit Wutsch bei uns eingezogen ist, durften wir gemeinsam viele Höhen und Tiefen erleben. Dass unsere gemeinsame Zeit durch eine solch grausame Tat beendet wird, hätte niemand von uns je erahnen können.“
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Für Julia sei Wutsch ihr Lebensmittelpunkt gewesen, sagen die Freundinnen. „Sie kannte und liebte ihn, seit er ein Fohlen war. Die volle Verantwortung für ihn übernahm sie, als er sechs Monate alt war.“ Inzwischen sei Wutsch 15 und lebe seit neun Jahren – mit einer kurzen Unterbrechung – in seiner gewohnten Umgebung und Herde in Borgholzhausen. Hier habe Julia unzählige Stunden mit ihm verbracht, ihn versorgt und ihn einfach geliebt. „Dass Wutsch nun eines der wenigen Dinge ist, die uns von Julia geblieben sind, ist unendlich traurig und gleichzeitig ein kleiner Trost“, sind sich die Freundinnen einig.
Und noch in einer weiteren Sache besteht Einigkeit: „Als Stallgemeinschaft möchten wir Julias Eltern dabei unterstützen, dass Wutsch bleiben kann. Wir wollen ihn nicht auch noch verlieren. Und er soll jetzt, wo er seinen Menschen verloren hat, nicht auch noch sein Zuhause verlieren.“
Leider ist der Schecke nicht gesund
In dieser Dachgeschosswohnung (l.) an der Engerstraße ist das Tötungsdelikt passiert.
| © Anja Hanneforth
Daher haben die Freundinnen eine Spendenaktion ins Leben gerufen und hoffen auf eine möglichst große Beteiligung. Denn Wutsch ist nicht gesund.
„Wir brauchen Unterstützung für die langfristige medizinische Versorgung von Wutsch“, sagen sie. Liebevolle Reitbeteiligungen für das Pferd hätten sie bereits gewinnen können, sodass die finanzielle Belastung für Julias Eltern, die beide bereits im Ruhestand sind, deutlich hätte reduziert werden können.
Nicole Ballerstädt und die Mitglieder der Stallgemeinschaft erzählen, was dem Schecken fehlt: „Er leidet unter einem starken Equinen Asthma und benötigt deshalb eine kontinuierliche Behandlung und regelmäßige tierärztliche Kontrollen. Auch wenn Julia seine Erkrankung durch ihre konsequente und liebevolle Behandlung sehr gut im Griff hatte, sind insbesondere in schlechteren Phasen Medikamente und häufigere Tierarztbesuche notwendig“, so die Freundinnen.
Freundinnen der Getöteten sammeln über Plattform „gofundme“ Spenden
Die Stallgemeinschaft, die die Verwaltung der gesammelten Spenden übernimmt, formuliert noch einmal den genauen Verwendungszweck des Geldes: Das wird gebraucht für tierärztliche Untersuchungen und Behandlungen, insbesondere die regelmäßigen Kontrollen seines Asthmas, für Medikamente und notwendige Therapien bei akuten und chronischen Beschwerden, außerdem für den Hufschmied, für Wurmkuren und weitere notwendige Vorsorgebehandlungen, für Ergänzungsfutter und Kosten, die für seine bedarfsgerechte Versorgung entstehen. Mit dem Rest sollen Rücklagen für unvorhersehbare tierärztliche Ausgaben gebildet werden, die insbesondere aufgrund seiner Lungenerkrankung entstehen können.
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„Julia hat sich mit absoluter Hingabe um Wutsch gekümmert und alles dafür getan, dass es ihm gut geht. Genau das möchten wir nun für sie fortführen. Wenn Julia noch einen Wunsch frei hätte, sind wir – ihre beste Freundin, ihre Eltern und wir als Stallgemeinschaft – uns sicher, dass sie ihn für Wutsch verwenden würde.“ Jeder noch so kleine Beitrag helfe dabei, diesen letzten Wunsch für Wutsch zu erfüllen.
Wer für den kranken Schecken spenden möchte, kann dies über die Online-Plattform „gofundme“ unter dem Link https://gofund.me/dea9f37ec tun. Und obwohl die Aktion erst seit wenigen Tagen läuft, können ihre Initiatorinnen bereits einen riesigen Erfolg vermelden: Bei einem selbst gesteckten Spendenziel von 14.000 Euro sind bereits gut 10.000 Euro eingegangen. Fast 350 Menschen haben sich bislang beteiligt, manche mit dreistelligen Summen, andere mit fünf oder zehn Euro. Die Summe ist den Freundinnen der Getöteten völlig egal, sie freuen sich über jede Unterstützung: „Für Wutsch. Für Julia. Und dafür, dass ein Stück von dem, was Julia geliebt hat, bleiben darf.“
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