Wie im Vorjahr hat Werder Bremen einen chaotischen Transfer-Endspurt hinter sich. Die Folgen der Fehleinschätzungen 2025 hätten beinahe im Abstieg gemündet. Fast schon ein Kunststück, aller Beteuerungen zum Trotz nichts daraus gelernt zu haben. Ein Kommentar.
Erst zwei Pflichtspiele hat Werder Bremen 2026/2027 absolviert, und immerhin eines davon wurde gewonnen. Insofern ist man an der Weser schon einen Schritt weiter als letzten Sommer, als neben der Auftaktpleite in Frankfurt auch das bittere Pokal-Aus gegen Arminia Bielefeld verkraftet werden musste. Gegen Fünftligist LSK Hansa kam der SVW diesmal glanzlos weiter.
Und trotzdem bleibt das Gefühl, dass nichts besser geworden ist nach der Horrorsaison 25/26, die nur deshalb nicht im Abstieg geendet war, weil sich Wolfsburg, St. Pauli und Heidenheim noch schlechter angestellt hatten.
Der Kader wirkt wahllos zusammengewürfelt, obwohl der äußerst umstrittene Sportchef Clemens Fritz – naja, zumindest in Fankreisen umstritten, der Aufsichtsrat hatte ihn trotz aller Fettnäpfchen schließlich mit 9:0 (!) Stimmen bestätigt – im Juli gegenüber der „Deichstube“ noch angekündigt hatte, „die Mannschaft frühzeitig zusammenhaben“ zu wollen.
Daraus wurde mal wieder nichts.
35 Millionen Euro Transferplus, doch kein Geld für Ablösen
Fünf (!!) Spieler kamen in den letzten zwei Wochen auf Leihbasis, immerhin zwei weniger als im vergangenen Sommer. Nahezu alle waren bei ihren bisherigen Klubs Bankdrücker oder aussortiert. Zusammen mit sieben weiteren Neuzugängen sollen sie nun die gewechselten Romano Schmid und Samuel Mbangula bzw. die verletzten Jens Stage und Justin Njinmah ersetzen. Es wirkt wie ein Himmelfahrtskommando.
Schon im Fast-Abstiegsjahr hatte Werder offensiv nahezu nichts auf die Kette bekommen, und trotzdem verzichteten die Verantwortlichen darauf, die Verluste der besten Scorer der Vorsaison halbwegs adäquat zu ersetzen. Dass Fritz am Dienstagabend ernsthaft ankündigte, „begeisternden, offensiven Fußball spielen“ lassen zu wollen, wirkte angesichts der jüngsten Transfer-Wirrungen fast schon wie Galgenhumor.
Viele Fragen bleiben: Wie kann es sein, dass bei einem Plus von rund 35 Millionen Euro überhaupt kein Geld mehr für Ablösen vorhanden war? Warum wurde bei der Stürmersuche nicht darauf geachtet, unterschiedliche Profile zu verpflichten? Und wer soll überhaupt für Kreativität sorgen?
Nicht nur in Kommentarspalten und Fanforen fragen sich viele, ob sich die Entscheidungsträger bewusst sind, worum es in den kommenden Monaten in Bremen gehen wird.
Nur ums nackte Überleben. Denn mit diesem unausgegorenen Kader ist Werder kaum wettbewerbsfähig.
