Stand: 01.09.2026 20:09 Uhr
Von Mitte Oktober an soll in ganz Deutschland ein Alkoholverbot an Bahnhöfen gelten. Kiel machte mit zwei weiteren Städten am Montag den Anfang – dort gilt das Verbot seit September. Stadt und Polizei begrüßen die Maßnahme.
Der Kieler Hauptbahnhof ist vom 1. September an eine alkoholfreie Zone: Auf allen Bahnsteigen und in Bahnhofshallen gilt ein striktes Verbot, Alkohol zu trinken. Damit will die Deutsche Bahn nach eigenen Angaben die Sicherheit für Reisende und das eigene Personal erhöhen.

Ab dem 1. September soll das Verbot für den Kieler Hauptbahnhof gelten. Bis Mitte Oktober sollen alle deutschen Bahnhöfe alkoholfrei sein.
Bereits in mehr als 30 anderen Städten wie Hamburg, München und Köln darf seit Längerem kein Alkohol mehr getrunken werden. Kiel ist aber einer der ersten Bahnhöfe neben dem Berliner Hauptbahnhof, Berlin Gesundbrunnen und Braunschweig, in denen das neue, bundesweit verhängte Verbot gilt. Hier habe die Abstimmung mit Behörden, Verwaltung und dem angrenzenden Verkehr am schnellsten geklappt, heißt es von der Bahn.
Mitte Oktober sollen dann schrittweise alle rund 5.400 Bahnhöfe in Deutschland nachziehen. Das begrüßt die Gewerkschaft der Polizei (GdP).
Alkohol spielt bei Gewalt an Bahnhöfen häufig eine Rolle
Rund 28.000 Gewaltdelikte hat es im vergangenen Jahr bundesweit auf Bahnhöfen und in Zügen gegeben, heißt es von der Bundespolizei. Bei vielen dieser Taten habe Alkohol eine Rolle gespielt. In alkoholfreien Bahnhöfen wie Hamburg sind die Delikte demnach zurückgegangen – auch deshalb befürwortet die GdP die Maßnahme.
Immer, wenn Alkohol im Spiel ist, dann ist die Gewaltbereitschaft bei den polizeilichen Gegenübern auch meistens höher.
Thomas Wulff, Vorsitz Gewerkschaft der Polizei im Bezirk Bundespolizei
Kontrollieren sollen die neue Regelung allerdings die Sicherheitskräfte der Bahn – die Bundespolizei greift erst bei Eskalationen ein. Hier sieht die Gewerkschaft ein Problem: Es fehle an Personal für die Durchsetzung.
So wird das Verbot umgesetzt

Plakate weisen auf das Verbot hin. Die Sicherheitskräfte der Bahn kontrollieren nach Augenmaß.
Die Bahn will nämlich keine zusätzlichen Sicherheitskräfte dafür abstellen, sagt eine Sprecherin. Die schon bestehenden Streifen sollen demnach das Verbot nach Augenmaß umsetzen. Kommuniziert wird es mit Plakaten im Kieler Bahnhof – an den Eingängen und an den Gleisen. Außerdem wird es eine entsprechende Änderung der im Internet zugänglichen Hausordnung geben.
Diakonie sieht Alkoholverbot kritisch
Die Diakonie Altholstein ist zuständig für die Bahnhofsmission. Sie blickt mit Bedenken auf das Verbot. Demnach findet Alkoholkonsum weniger im Bahnhofsgebäude selbst statt, sondern vor allem im Bereich des Bahnhofsvorplatzes. Deshalb stelle sich die Frage, welchen konkreten Effekt ein Alkoholverbot am Bahnhof haben könne, so eine Sprecherin. Ein Alkoholverbot auf dem Bahnhofsvorplatz sieht die Diakonie kritisch.
Alkoholverbot: Was bleibt erlaubt?
Die Gastronomie an Bahnhöfen ist von dem Verbot ausgenommen. Wer also in Bahnhöfen mit Alkoholverbot ein Restaurant oder eine Bar besuchen will, darf dort weiterhin Alkohol trinken. In den Bordbistros von Fernzügen verkauft die Bahn auch selber Alkohol. Außerdem weiter erlaubt: verschlossene Flaschen mit Alkohol im Gepäck.
Bahnhofsmission: Soziale Angebote zusätzlich stärken
Der Bahnhofsvorplatz hat laut Diakonie eine soziale Funktion: Für viele Menschen, die wohnungslos, von Armut betroffen oder suchterkrankt sind, sei er ein wichtiger Treffpunkt – an dem aber eben auch Alkohol getrunken werde. Deshalb sei ein Zusammenspiel aus Sicherheit, klaren Regeln und sozialen Angeboten nötig. Dabei sieht die Diakonie auch die Stadt in der Pflicht.
Wenn der Alkoholkonsum, den man als problematisch wahrnimmt, überwiegend auf dem Bahnhofsvorplatz stattfindet, wird ein Verbot, das ausschließlich innerhalb des Bahnhofs gilt, daran vermutlich nur begrenzt etwas verändern.
Semra Basoglu, Sprecherin Diakonie Altholstein

Das Alkoholverbot gilt seit dem 1. September. Die Bahn und die Gewerkschaft der Polizei erhoffen sich davon mehr Sicherheit.
Stadt Kiel will Entwicklung im Bahnhofsumfeld beobachten
Die Stadt Kiel sieht in dem Verbot einen möglichen Beitrag zu mehr Sicherheit am Bahnhof, heißt es von einem Sprecher. Allerdings: Auch die Stadt hat Sorge, dass sich Probleme mit Alkohol in das Umfeld des Bahnhofs verlagern.
Deshalb will sie die Entwicklung dort beobachten. Gegebenenfalls will die Stadt prüfen, welche Maßnahmen sinnvoll und verhältnismäßig sind. Dabei würde sie dann mit Sicherheitspartnern und Sozialarbeit zusammenarbeiten, so der Sprecher.

Kommunen im Land sollen künftig selbst über Alkoholverbotszonen entscheiden können. Die müssen aber gut begründet sein.

Bundesweite Sicherheitsmaßnahme
Mehr Ordnung und Sicherheit in allen Bahnhöfen und Zügen: Das will die Bahn mit dem geplanten bundesweiten Alkoholverbot erreichen. Welche Regeln wo gelten sollen und wie weit das Verbot überhaupt umsetzbar ist.

Die Landeshauptstadt Kiel hat drei Waffenverbotszonen eingerichtet. Ab sofort werden Verstöße geahndet.

Stadt und Polizei erhoffen sich so unter anderem die steigende Zahl von Messerdelikten zu reduzieren.