
Das Bild zeigt einen Teil der von der Stadt Gladbeck geschwärzten Ratsvorlage. Bildquelle: Screen aus der Vorlage
Stadt Gladbeck legt geschwärzte Antragsfassung vor
Die Ratsfraktion Politik für Gladbeck (PfG) fordert eine stärkere Beteiligung des Stadtrats an den weiteren Entscheidungen zum ehemaligen Rathaus-Café Schwarte. Die Fraktion kritisiert insbesondere die aus ihrer Sicht hohen finanziellen Risiken der Sanierung und verlangt, dass weitere Ausgaben grundsätzlich vom Rat gebilligt werden.
Gladbeck – 01.09.2026 – In einem Schreiben an Bürgermeisterin Bettina Weist vom 16. August beantragen Fraktionsvorsitzender Marcus Schützek und sein Stellvertreter Christian Wederhake, das Thema „Ehemaliges Rathauscafé Schwarte“ im öffentlichen Teil einer Ratssitzung zu beraten.
Den von der PfG-Fraktion eingereichten Antrag hat die Stadt in den Sitzungsunterlagen veröffentlicht. Allerdings wurden einige Passagen geschwärzt. Die Stadt will damit offensichtlich verhindern, dass die bereits vorliegenden Zahlen einer breiten Öffentlichkeit bekannt werde. Die geschwärzte Fassung steht im Ratsinfosystem in der Tagesordnung für die Sondersitzung des Rates am 9. Sept.
Der NGZ liegen beide Fassungen vor, die wir hier veröffentlichen.
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Mehr als 2,9 Millionen Euro für Kauf und Sanierung
Nach Angaben der PfG wurde die Immobilie am Willy-Brandt-Platz 5-7 zusammen mit dem ehemaligen Grundstück Kirschfink von der Stadt Gladbeck für mehr als 1,59 Millionen Euro gekauft. Für die Sanierung sollen nach dem derzeitigen Stand weitere mehr als 1,4 Millionen Euro aus dem städtischen Haushalt eingesetzt werden.
Damit summieren sich Kaufpreis und geplante Sanierung nach Darstellung der Fraktion bereits auf mehr als 2,9 Millionen Euro. Noch nicht berücksichtigt seien dabei mögliche Mietausfall- oder entgangene Kapitalertragskosten.
Die Immobilie soll nach der Sanierung – ohne den Wohnraumanteil – ab März 2027 für Gastronomie- und Schankbetriebszwecke verpachtet werden. Nach Angaben der PfG ist der entsprechende Pachtvertrag bereits abgeschlossen.
PfG sieht „gigantische Fehlinvestition“
Die PfG bewertet die wirtschaftlichen Aussichten deutlich kritisch. Der Kaufpreis und die Sanierungskosten würden sich nach Einschätzung der Fraktion als „gigantische Fehlinvestition“ erweisen.
Ein nachvollziehbares Wirtschaftskonzept, mit dem sich die Investitionen für die Stadt Gladbeck amortisieren könnten, sei für die Fraktion nicht erkennbar. Nach ihrer Darstellung müssten dafür unter anderem die vereinbarte Nettomiete deutlich höher und die Vertragslaufzeit wesentlich länger sein. Auch ausreichende Sicherheiten seien der Fraktion nicht bekannt.
Die PfG räumt ein, dass es bei dem Projekt nicht ausschließlich um Rentabilität gehe. Ziel sei auch eine Steigerung der Attraktivität der Gladbecker Innenstadt. Einen derart hohen finanziellen Einsatz und ein entsprechendes Risiko der Stadt hält die Fraktion jedoch auch unter diesem Gesichtspunkt für nicht gerechtfertigt.
Fraktion verweist auf frühere Aussagen der Stadt
In ihrem Schreiben verweist die PfG auf die Sitzung des Wirtschaftsförderungs- und Bauausschusses vom 30. November 2023. Dort sei für den Erwerb der Immobilie geworben worden.
Die Fraktion zitiert aus der damaligen Darstellung der Stadt: „Eine Kernsanierung des Gebäudes durch die Stadt ist aus finanziellen und personellen Gründen zzt. nicht möglich.“ Außerdem sei damals darauf hingewiesen worden, dass notwendige Umbaumaßnahmen durch den Pächter erfolgen könnten.
Nach Auffassung der PfG steht die heutige finanzielle Belastung der Stadt im deutlichen Gegensatz zu dieser früheren Darstellung.
Die NGZ hatte bereits über den Kauf des Schwarte-Gebäudes durch die Stadt Gladbeck berichtet. Auch die spätere Suche nach einer neuen gastronomischen Nutzung war mehrfach Thema der Berichterstattung.
PfG befürchtet wirtschaftliches Scheitern der Verpachtung
Die Ratsfraktion geht davon aus, dass die laufenden Kosten für den künftigen Pächter zu hoch sein könnten. Sie prognostiziert deshalb, dass die Verpachtung wirtschaftlich scheitern könnte.
Die Folge wäre nach Einschätzung der PfG eine weitere Belastung des städtischen Haushalts, ohne dass die gewünschte Steigerung der Attraktivität der Innenstadt erreicht werde.
Das ehemalige Rathaus-Café hatte bereits mehrfach für Diskussionen über eine neue Nutzung gesorgt. Ein zunächst geplantes Jazz-Café wurde nicht umgesetzt. Die NGZ berichtete damals über das Scheitern der Jazz-Café-Pläne.
Auch ein weiterer Verpachtungsversuch war später gescheitert, wie die NGZ unter der Überschrift „Rathaus Café in Gladbeck: Potenzielle Pächter ziehen sich zurück“ berichtete.
Streit um weitere Ausgaben
Kritisch sieht die PfG auch die Information der Ratsmitglieder über Ausgaben in siebenstelliger Höhe. Die Fraktion verweist auf eine E-Mail der Stadt vom 11. August, die nach ihrer Darstellung mit dem Hinweis auf vertrauliche Behandlung an die Fraktionen verschickt worden sei.
Die PfG hält dieses Vorgehen für problematisch und stellt die Frage nach der Zuständigkeit des Rates. Nach Auffassung der Fraktion müssen die Ratsmitglieder selbst entscheiden können, ob sie das weitere Vorgehen beim Schwarte-Projekt mitverantworten wollen.
Die Fraktion sieht zudem die hohen Sanierungskosten nach eigener Einschätzung weder durch den Haushalt 2026 gedeckt noch durch einen entsprechenden Ratsbeschluss legitimiert. Das Vorgehen der Stadt müsse daher missbilligt und der entsprechende Vergabeauftrag zunächst revidiert werden.
PfG fordert Zustimmung des Rates zu weiteren Ausgaben
Mit ihrem Beschlussentwurf will die PfG erreichen, dass der Rat der Stadt Gladbeck künftig in alle finanziellen und planerischen Entscheidungen rund um das ehemalige Rathaus-Café Schwarte einbezogen wird.
Ausgaben für Planung, Beratung, Sanierung, Umbau, Ergänzungen der Gebäudesubstanz sowie Investitionen in das Inventar sollen nach dem Vorschlag grundsätzlich der Zustimmung des Rates bedürfen.
Ausgenommen wären lediglich zwingend notwendige laufende Instandhaltungsarbeiten zur Sicherung der Bausubstanz. Diese Arbeiten sollen nach dem Antrag hinsichtlich Art und Aufwand dokumentiert werden.
Der Vorstoß der PfG reiht sich damit in die anhaltende politische Debatte über das Schwarte-Projekt ein. Zuletzt hatte auch die BIG-Ratsfraktion eine Sondersitzung des Gladbecker Stadtrats zum ehemaligen Rathaus-Café verlangt.
Weitere Hintergründe zur Entwicklung des Projekts liefert auch die NGZ-Chronik „Schwarte-Desaster: Die Chronik eines Missgeschicks“.
Textquelle: Antrag der PfG-Fraktion