
AUDIO: Die vielen Gesichter des Christian Friedel (2 Min)
Neue Inszenierung in Dresden
Stand: 01.09.2026 14:32 Uhr
Christian Friedel lässt sich nur schwer auf eine Rolle festlegen: 2025 war der gebürtige Magdeburger in der Erfolgsserie „The White Lotus“ zu sehen, im September kehrt er für die finale Staffel von „Babylon Berlin“ zurück. Gleichzeitig bringt er am Staatsschauspiel Dresden mit „Love, Death & Shadows“ seine nächste Inszenierung auf die Bühne, gemeinsam mit seiner Band Woods of Birnam. Und schon im Oktober folgt mit „Corpus Delicti“ der nächste Kinofilm. Zehn Fakten über einen Künstler, der zwischen Film, Theater und Musik längst seinen ganz eigenen Weg geht.
1. In seiner Heimat fest verwurzelt
Seine ersten schauspielerischen Schritte machte er am Theater seiner Geburtsstadt Magdeburg. Später studierte Friedel an der Otto Falckenberg Schule München und spielte dann am Bayerischen Staatsschauspiel und an den Münchner Kammerspielen. Nach einer weiteren Station am Schauspiel Hannover wechselte er ans Staatsschauspiel Dresden, wo er zunächst als festes Ensemblemitglied und später als Gast aktiv war. Parallel spielt Christian Friedel am Düsseldorfer Schauspielhaus, mit seinen Inszenierungen ist er aber auch für Gastspiele unterwegs, etwa mit seiner Shakespeare-Motiv-Interpretation „Searching for William“ in Magdeburg.

„Gäste zum Kaffee“
Schauspieler und Musiker Christian Friedel begeistert auf Bühne, Leinwand und Konzertpodium. Ob Film, Theater oder Musik – seine Vielseitigkeit macht ihn zu einem der spannendsten Künstler seiner Generation.
2. Friedel gibt am Theater alles
Jede Nuance, jeder Satz, jeder Blick und auch jede Note sowie Pause wirkt, wenn Friedel auf der Theaterbühne steht. Dabei besticht er weniger durch Provokation, Lautheit oder Grenzüberschreitungen. Es ist vielmehr die innere Leidensfähigkeit und mitunter auch Verlorenheit seiner Figuren, die er brillant nach außen zu tragen versteht.
Viele sagen, ich beschädige meine Karriere, weil ich zu viel in verschiedenen Bereichen arbeite. Ich sage, ich bin dadurch aber viel glücklicher, als wenn ich sage, ich bin einfach nur ein Filmstar. Das würde meinem Naturell nicht entsprechen und ich glaube, dass in uns allen viel mehr steckt, als wir zu denken hoffen.
Christian Friedel, Schauspieler, Regisseur, Musiker

Christian Friedel als „Macbeth“ am Staatsschauspiel Dresden.
3. Macht in der Regie eine gute Figur
Neben seiner Arbeit als Schauspieler und Musiker ist Friedel auch als Regisseur aktiv. Im September 2026 bringt er mit „Love, Death & Shadows“ seine nächste Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden auf die Bühne. Darin widmet er sich den Sonetten William Shakespeares und verbindet erneut Schauspiel, Musik und Tanz. Mit dabei sind das Ensemble des Staatsschauspiels, Friedels Band Woods of Birnam und Tänzerinnen und Tänzer des Semperoper Balletts.

Premiere
Der Regisseur Christian Friedel widmet sich den Sonetten Shakespeares und interpretiert sie in einer genreübergreifenden Inszenierung mit Musik und Ballett in Dresden. Er sagt: „Mich reizt Shakespeares Sprachgewalt“.
Die Verbindung von Schauspiel, Musik und Shakespeare zieht sich dabei schon länger durch Friedels Arbeit. Bereits 2016 brachte er mit „Searching for William“ Texte des Dramatikers gemeinsam mit Musik auf die Bühne. Auch bei seiner „Macbeth“-Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden setzte er auf diese Mischung: Mit Musik, Tanz und einer modernen Ästhetik holte Friedel den Shakespeare-Stoff ins Heute und begeisterte damit auch ein junges Publikum.
4. Wagt sich im Kino an Abgründe
Sein filmischer Durchbruch gelang Christian Friedel mit der Rolle des Lehrers in „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“ (2009) von Michael Haneke. In „Elser – Er hätte die Welt verändert“ (2015) verkörperte er den Hitler-Attentäter Georg Elser. Im Kinofilm „The Zone of Interest“ von Jonathan Glazer spielt er den Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß (mit Sandra Hüller als seiner Frau Hedwig an seiner Seite), der mit seiner Familie neben dem KZ ein idyllisches Haus bewohnt und parallel die Massenvernichtung der Juden koordiniert. Der Film über die „Banalität des Bösen“ wurde 2024 mit dem Oscar in den Kategorien bester internationaler Film und bester Ton ausgezeichnet.

Im oscarprämierten Film „The Zone of Interest“ spielt Christian Friedel den Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß.
Ab Oktober 2026 ist Friedel außerdem in der Verfilmung von Juli Zehs Bestseller „Corpus Delicti“ im Kino zu sehen. In der dystopischen Geschichte um eine Gesellschaft, die Gesundheit und Sicherheit über individuelle Freiheit stellt, spielt er Lutz Rosentreter, den Anwalt des wegen Mordes angeklagten Moritz Holl.
5. Überzeugt auch in Serien und TV
Spätestens seit der dritten Staffel von „The White Lotus“ dürfte Christian Friedel auch einem internationalen Serienpublikum bekannt sein: In der HBO-Erfolgsserie spielt er Fabian, den Manager des luxuriösen Resorts in Thailand. Eine seiner bekanntesten deutschen Serienrollen begleitet ihn dagegen schon seit Jahren: Als Polizeifotograf Reinhold Gräf ist Friedel in „Babylon Berlin“ zu sehen und kehrt am 10. September 2026 auch für die fünfte und finale Staffel zurück.

Christian Friedel als Manager Fabian in der HBO-Serie „The White Lotus“.
Darüber hinaus war er auch in verschiedenen Tatorten und im Polizeiruf 110 als Gastdarsteller dabei. Im Fernsehfilm „Die Dasslers – Pioniere, Brüder und Rivalen“ (2016) verkörperte er Adidas-Gründer Adi Dassler mit hinreißender Leidenschaft für Schuhe und nicht zuletzt ist Friedel mit seiner sympathischen und klugen Art auch ein gern gesehener Interviewgast.

6. Große Leidenschaft ist die Musik
Hinter all den Masken und Kostümen, in die Christian Friedel nur zu gern schlüpft, verbirgt sich noch eine ganz andere Seite. Die wird spätestens dann spürbar, wenn er anfängt zu singen. Verletzlich, berührend und immer mit einem Hauch Melancholie erschafft er mit seiner Band Woods of Birnam die Klangwelten seiner Theaterstücke und bindet die Musiker in die Inszenierungen ein. Mit Hilfe der Songs blickt er in die Seelen seiner Figuren mit all ihren Widersprüchen und bringt so zeitgemäß zum Ausdruck, was Worte allein nicht vermögen. Zudem veranstaltet die Band jährlich ihr eigenes Festival „Come to the Woods“ in Dresden.

Christian Friedel mit seiner Band Woods of Birnam.
7. Christian Friedel ist ein Multitalent
In seiner 2022 am Staatsschauspiel Dresden uraufgeführten „Macbeth“-Inszenierung führte Christian Friedel nicht nur Regie, sondern spielte gleichzeitig auch die Hauptrolle des dreistündigen Bühnenwerks. Den Soundtrack komponierte er gemeinsam mit seiner Band Woods of Birnam. Zwischen langen Monologen wechselte Friedel dabei sekundenschnell in die Musik und sang teils eigene Texte, teils einfühlsam vertonte Shakespeare-Zitate. Das muss erstmal jemand nachmachen.

Zum Hören
Der Schauspieler Christian Friedel über seine Faszination für Shakespeare.
8. Hat ein Herz für Kinder
Schon zu Schulzeiten unterhielt Christian Friedel seine Mitschülerinnen und Mitschüler liebend gern mit Puppentheater. Während des Studiums wirkte er in Kinderhörspielen mit und 2023 übernahm er im Kinder-Hörspiel-Podcast „Figarinos Fahrradladen“ von MDR Tweens die Rolle von Will Shakespeare, der im Fahrradladen eine Romeo-und-Julia-Inszenierung zu retten versucht. Was ihm große Freude bereitete, denn, so Friedel, „nachdem ich schon ganz oft in Werken von William Shakespeare mitspielen durfte, war es ganz toll für mich, mal selber Shakespeare zu sein.“

Christian Friedel bei den Aufnahmen zu „Figarinos Fahrradladen“.
9. Dresden ist seine Wahlheimat
Dresden ist nicht nur die Wahlheimatstadt, sondern auch die musikalische Homebase Christian Friedels. Wenn er nicht gerade auf den roten Teppichen der Welt seine schauspielerische Arbeit präsentiert, grübelt und tüftelt er mit den Woods of Birnam an neuen Songideen und Stoffinterpretationen. Die Stadt Dresden hat ihn deshalb 2024 mit dem Kunstpreis der Landeshauptstadt geehrt.

Zum Hören
Der Schauspieler, Musiker und Regisseur Christian Friedel über die Bedeutung von Kultur.
10. Trotz Erfolg nahbar geblieben
Ob bei den Filmfestspielen in Cannes, beim Internationalen Filmfest in Toronto oder bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises – Christian Friedel macht auf dem roten Teppich immer eine gute Figur.

Sandra Hüller und Christian Friedel bei den Filmfestspielen in Cannes 2023.
Trotz des Rummels hat der Star aber nie den Boden unter den Füßen verloren. Nach seinem Magdeburg-Gastspiel 2024 erfüllte er geduldig alle Autogramm- und Selfiewünsche seiner zahlreichen Fans, riss mit seiner Begeisterung alle mit und genoss es sichtlich, wieder „Zuhause“ zu sein.
Redaktionelle Bearbeitung: Lilly Günthner, Valentina Prljic, Jessica Conrad
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