Eine ausrangierte Schwebebahn der Baureihe von 1950 hat am gestrigen Dienstag ihren Platz im Wuppertaler Hauptbahnhof gefunden. Unter der Beobachtung hunderter Schaulustiger wurde der 76 Jahre alte Waggon mit einem 450 Tonnen schweren Kran von der Elisabeth-Schniewind-Straße über den Bahnhof bis in den Zwischenbau gehievt. Dort wird der Waggon seinen endgültigen Standort haben.
Um kurz nach 10 Uhr hoben Mitarbeiter des Unternehmens Franz Bracht aus dem westfälischen Erwitte die Schwebebahn von einem Sattelschlepper in die Höhe. Passanten standen am Wiesenhang, vor dem Gebäude der Bundesbahndirektion, auf dem Hausdach sowie am Südsteg auf der anderen Seite des Bahnhofs, um das Spektakel zu begleiten und zu filmen. Als die Schwebebahn nach einer Viertelstunde zunächst den mit Absperrgittern gesicherten Boden erreichte, brandete Applaus auf. Danach wurde sie um 90 Grad gedreht und auf der oberen Plattform des Mittelbaus zwischen dem Bahnhofsgebäude und dem Standort der Bundespolizei platziert. Dort soll er in den nächsten Wochen in eine fest verbolzte, hängende Position gebracht werden.
Der Wagen soll für Events und vom Standesamt genutzt werden
„Ich freue mich total, dass alles geklappt hat und das Konzept umgesetzt werden kann“, sagt Markus Bürger. Der Investor aus Witten hatte das denkmalgeschützte Empfangsgebäude am Döppersberg und die Flügelbauten im Jahr 2022 erworben und lässt sie seitdem in einer Mischung aus Büros, Gastronomie und Kundencenter der WSW umgestalten (die WZ berichtete). Nach zuletzt im August genannten Angaben umfassten Sanierung und Umbau eine Summe von rund 170 Millionen Euro.
„Das Konzept für die Nutzung des Gebäudes war fertig, aber langweilig, es fehlte noch ein i-Tüpfelchen“, erklärt Bürger die Attraktion. Im Verkaufsportal von Ebay-Kleinanzeigen habe er das Angebot der historischen Schwebebahn gefunden und von der anglikanischen Kirche in Siegen gekauft. Zwei Jahre wurde das zwölf Meter lange Stück zwischengelagert. Nun soll es das Eingangstor zur Stadt symbolisch aufwerten. Wie Bürger weiter erklärt, sei der Wagen allerdings nicht nur als Blickfang gedacht: Er könne als Event-Location gemietet werden, auch eine Nutzung durch das Standesamt sei angedacht.
Der Wagen mit der Nummer 76 hat eine lange Reise hinter sich. Nach dem Ende seiner Einsatzzeit im öffentlichen Verkehr ging er 1974 zunächst an die Tennisabteilung des Wuppertaler Sportvereins, wie die Fachseite „tram-info“ von Björn Esser auflistet. Es folgten Stationen als Bierlokal, unter anderem in Köln, bis er zuletzt nach Siegen kam.
„Es macht mich glücklich, dass so viele Menschen hergekommen sind, auch viele Kinder“, sagt Elberfelds Bezirksbürgermeister Soufian Goudi. Ein schöneres Ferienende konnte man sich gar nicht vorstellen.“ Zudem offenbare diese große Aufmerksamkeit die Liebe der Wuppertaler zur Schwebebahn. Die künftige Präsentation der historischen Schwebebahn im Zusammenwirken mit den umgebenden Gebäuden sei spektakulär. „Damit spielen wir im oberen Feld der europäischen Bahnhöfe mit.“
Wie die Wuppertal Marketing GmbH in einer offiziellen Stellungnahme betont, werde künftig bereits der erste Blick vieler Reisender und Pendler von einem historischen Originalfahrzeug geprägt sein. „Damit entsteht an einem der wichtigsten Ankunftsorte Wuppertals eine ungewöhnliche Verbindung von Verkehrsgeschichte, Architektur und Stadtentwicklung.“ Martin Bang, Geschäftsführer der Wuppertal Marketing GmbH, hebt hervor, dass mit dem Einbau des Wagens ein sichtbares Zeichen gesetzt werde, „das für die Geschichte der Stadt und ihre Identität“ stehe.
Auch junge Fans sind von der Aktion am Bahnhof begeistert
Zu den Schaulustigen an diesem Vormittag gehören auch Jason (11) und Dario (14). Sie sind große Schwebebahnfans, stehen ganz vorne an der Absperrung und haben Schwuppi, die Stofftier-Version der Schwebebahn, mitgebracht. Jason hat sich sogar ein Logo der Wuppertaler Stadtwerke gebastelt und auf die Jacke geklebt. Ein Auftrag für die Zukunft. „Ich möchte Schwebebahnfahrer werden“, sagt er. Dario auch. „Wir haben die Schwebebahn in allen Versionen aus Pappe gebaut und mit Legositzen ausgestattet“, erzählt Dario. Jason fasziniert, dass die Schwebebahn als Verkehrsmittel „ein sehr altes Projekt ist, das außer in Wuppertal so niemand hingekriegt hat“.
In einem nächsten Schritt soll das Gerüst samt Schwebebahn von einer gläsernen Ellipse ummantelt werden.