Liebe Leserin, lieber Leser,
wenn Sie diese Woche rund um den Fernsehturm im Stau stecken, sind daran
ausnahmsweise U-Boote, Korvetten und Frachter schuld. Wie alle zwei Jahre tagt
in Hamburg die weltweit größte Schiffbaumesse SMM. In den Messehallen werden
bis Freitag bis zu 50.000 Besucher aus etwa 70 Ländern erwartet.
Sie sind unschwer zu erkennen, wenn sie durch das Karolinenviertel schlendern.
Viele tragen einen blauen Anzug und bequeme Schuhe.
Bei manchen baumelt der weiße
Besucherausweis bis tief in die Nacht um den Hals. Ob die Leute mit dem
Ding wohl schlafen gehen? Manche dürften extrem gut gelaunt sein, denn der
globale Schiffbau boomt.
In Deutschland verzeichnet die Branche den zweithöchsten Auftragseingang
ihrer Geschichte, sagte Reinhard Lüken vom Verband für Schiffbau und
Meerestechnik (VSM) kürzlich. Der Hauptgeschäftsführer geriet fast schon ins
Schwärmen. »Wir haben wirklich extrem Rückenwind«, sagte er. Selbst die
Gewerkschaft ist optimistisch: Die norddeutschen Werften beschäftigen 17.100
Menschen, 2.400 mehr als im Vorjahr. Das ergab die neue Schiffbau-Umfrage der
IG Metall bei Betriebsräten. Dieses Jahr wollen die Betriebe weitere 1.700 Jobs
schaffen. Die Aussichten seien »so gut wie selten« in den letzten vier
Jahrzehnten, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste.
Basis des Booms ist die Nachfrage nach Kreuzfahrtschiffen und Superyachten.
Bei letzteren hat Deutschland dank Werften wie Abeking & Rasmussen in
Lemwerder oder Lürssen in Bremen einen globalen Marktanteil von 30 Prozent. Der
größte Treiber für den Aufschwung aber ist der Marineschiffbau. Denn im Zuge
der Zeitenwende bestellen Regierungen nun wieder mehr Kriegsschiffe. Aktuell
machen militärische Aufträge mehr als die Hälfte der Aufträge der Schiffbauer
aus.
© Pia Bublies für die ZEIT/DIE ZEIT
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Hamburg aber bekommt von diesem Boom eher wenig ab – anders als erhofft. Im
Juni hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) das Aus für die
Beschaffung und damit den Bau der Fregatten-Klasse F126 verkündet. Diese sechs
Kriegsschiffe hätten, so die Hoffnung, teils auf der Blohm+Voss-Werft in
Hamburg gefertigt werden sollen. Dafür wollte der Rüstungskonzern Rheinmetall
in der Hansestadt bis zu 500 neue Jobs schaffen. Nun liegt dieser Stellenaufbau
auf Eis, bestätigte der Gewerkschafter Friedrich. Bei Blohm+Voss werde in
Sachen Aufschwung gerade »ein Stopp eingelegt«.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!
Ihre Kristina Läsker
WAS HEUTE WICHTIG IST
Die Stadt Hamburg
hat in den Behörden und in der Verwaltung im Vorjahr einen Überschuss von
nur noch 47 Millionen Euro erzielt. 2024 seien es noch gut eine Milliarde
Euro gewesen, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) gestern bei der
Vorstellung des Geschäftsberichts für 2025. Bei städtischen Unternehmen wie
Hochbahn, SAGA oder Energiewerke fielen Verluste an (siehe Nachricht des
Tages).
Zum Schutz der
Privatsphäre wollen Hamburgs rot-grüne Koalition und die Linke Brillen mit
integrierten Kameras, sogenannte Smart Glasses, in allen städtischen Bädern
sowie im öffentlichen Nahverkehr verbieten.
In einem Ranking
der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zum CO₂‑Ausstoß der
Dienstwagen der 16 Landesregierungen belegt Hamburg Platz vier. Mit einem durchschnittlichen
CO₂‑Ausstoß von 117 Gramm pro Kilometer gab es dennoch
eine Rote Karte. Die DUH wertet Fahrzeuge mit höchstens 93,6 Gramm CO₂ je
Kilometer als grün, bis 112,3 Gramm als gelb und darüber als rot.
© Christian Charisius/dpa
Der Hamburg Eimsbütteler Ballspiel Club (HEBC) hat gestern im DFB-Pokal-Spiel gegen Borussia Dortmund mit 0:5 verloren. Die Amateure zeigten sich nach dem Spiel aber glücklich – sie schafften es immerhin, die ersten 30 Minuten kein Tor zu kassieren. 45.917 Menschen sahen im Volksparkstadion zu und feierten die Mannschaft ausgiebig. HEBC-Kapitän Janek Wrede sagte im Anschluss: »Ein unfassbarer Abend für uns alle.«
Die Elbphilharmonie
ist gestern Abend mit Stücken von Johannes Brahms und Dmitri Schostakowitsch in
ihre zehnte Saison gestartet. Die neue Spielzeit steht im Zeichen des
Jubiläums und feiert zudem 250 Jahre USA. Es werden sieben Top-Orchester
aus Übersee in Hamburg erwartet.
© Daniel Reinhardt/picture alliance/dpa
Nachricht des Tages
»Danke auch
ausdrücklich für die klaren Worte«, so kommentierte Finanzsenator Andreas
Dressel (SPD) die Ermahnung des Rechnungshofes, mehr Geld im Hamburger Haushalt
einzusparen, gestern bei der Landespressekonferenz. Dort hatte Dressel den Geschäftsbericht
der Stadt Hamburg für das Haushaltsjahr 2025 vorgestellt. So plant der
SPD-Politiker Einsparungen in Höhe von 600 Millionen Euro bis 2030. Der
Rechnungshof verlangt wiederum zusätzlich Sparmaßnahmen in Höhe von 400
Millionen Euro. »Ohne Leistungseinschränkungen in den kommenden Jahren wird der
Haushalt aus dem Ruder laufen«, mahnte der Rechnungshof in seinem Bericht zur
Haushaltslage an. Er schlägt etwa vor, das Pensionsalter bei Polizei, Feuerwehr
und Justiz anzuheben. Dressel sieht das kritisch: Eine Hinauszögerung des
Pensionsalters sei kurzfristig kein großer Gewinn. »Ältere Kollegen und
Kolleginnen sind meistens nicht die günstigsten, was die Entgeltstufen angeht.«
Konsolidierung, also sparen auf Vorrat, sei politisch nicht durchsetzbar, so
Dressel. Er will stattdessen die Rücklagen anzapfen. Dieses Finanzpolster der
Stadt beträgt etwa 3,2 Milliarden Euro. Daraus werde man dieses Jahr wahrscheinlich
eine Milliarde Euro benötigen. Der Rechnungshof hält eine solche Verwendung der
Rücklagen für riskant.
Von Christoph Twickel
AUS HAMBURG
© Bettina Theuerkauf/DIE ZEIT
60.000 Euro. Was machen wir damit?
Schulen sollen Kinder an die Demokratie heranführen, heißt es oft – gerade mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD die stärkste Kraft werden könnte. Die Schule An der Burgweide in Kirchdorf-Süd zeigt, wie das gehen könnte. ZEIT-Redakteur Oskar Piegsa hat sie besucht, lesen Sie hier einen Auszug aus seinem Artikel:
Die Direktorin ist mitten im Gespräch, da platzt
ein Junge in ihr Büro. »Ich muss eine Ansage machen«, sagt er, vielleicht eine
Spur zu schroff. Die Direktorin deutet in den Raum: »Du weißt ja, wie es geht.«
Der Junge tritt an ein Mikrofon in der Zimmerecke, sammelt sich und drückt auf
einen Knopf. »Pling!« macht es aus den Lautsprechern unter der Zimmerdecke,
dann hört man seine Stimme doppelt: »Die Mädchen aus der Axolotl-Gruppe bitte
zur Schülerzeitung!« Der Junge bedankt sich rasch und verschwindet. Die
Direktorin lächelt.
Seit 26 Jahren leitet Regine Seemann die Schule
An der Burgweide in Kirchdorf-Süd, einer Hochhaussiedlung in Hamburg. Es gibt
idyllischere Wohnlagen in der Stadt – aber nicht viele Grundschulen, die
ähnlich gelobt werden. Vor einigen Jahren war sie in der engeren Auswahl für
den Deutschen Schulpreis, mit dem besonders innovative Schulen geehrt werden.
Im vergangenen Jahr gewann sie diesen Preis und zusätzlich – »darüber haben wir
uns fast noch mehr gefreut«, sagt Regine Seemann – einen Sonderpreis für Demokratiebildung.
In der Jurybegründung wird die Schule dafür
gewürdigt, dass es ihr gelinge, »Kinder zu ermutigen, selbstwirksam zu
handeln«. Und gerade als die Schulleiterin erzählen wollte, wie das im Alltag
aussieht, platzt der elfjährige Mohammed rein, um seine Mitschülerinnen
auszurufen – und zeigt, dass das keine leeren Worte sind.
Wie die Schule Raum für Demokratie
schafft, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung.
→ Zum Artikel (Z+)
SCHON GEHÖRT?
© IFSH
»Im Zweifelsfall rettet mich
der Staat – das ist halt nicht so«
Zivilschutz, was bedeutet das? Die
Friedensforscherin Ursula Schröder sagt: Wir dürfen uns bei Flut, Stromausfall
oder gar Krieg nicht nur auf den Staat verlassen. Darüber
sprechen die Redakteure Petra Pinzler und Stefan Schmitt in ihrem Podcast:
»Auch das noch«. → Zum Podcast
DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN
In diesen Tagen finden viele kulturelle Lange Nächte statt, etwa die 22.
Ausgabe der Theaternacht Hamburg oder dieLange
Nacht der Literatur. Am Freitag folgt eine weitere: In
der ersten Langen Nacht des Tischtennis darf jeder mitmachen. In 13 Hallen gibt es alles von Spitzensport bis hin zum Rundlauf für
Anfänger auf einem alten Recyclinghof am Fluss, inklusive DJ. Saubere Hallenschuhe sind mitzubringen
und gerne auch ein Schläger, es gibt nur eine begrenzte Anzahl an
Leihschlägern. Der Eintritt ist frei, über eine Spende am Einlass freut sich
die Initiative »Tischtennis Plus«.
Lange Nacht des Tischtennis, 04.09., 18 bis 23, diverse Orte
MEINE STADT
Wo sind die begrünten Hamburger Dächer? © Horst Breiter
HAMBURGER SCHNACK
Gehört von einer Mutter
morgens vor der Kita im Vorbeigehen: »Ab einer gewissen Fröhlichkeit halte ich
es nicht mehr aus.«
Gehört von Stine Wangler
Das war die Elbvertiefung, der tägliche
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