Das deutsche Nachrichtenportal The Pioneer bezeichnet die Russland-Sanktionen als «Idiotie des Westens» und fordert angesichts ihrer Nebenwirkungen einen Kurswechsel. Im Beitrag heisst es zur bisherigen Bilanz der EU: «21-mal zielten wir auf dieselbe Stelle. Und bis heute gibt es keine Delle.» Anlass ist ein Treffen der EU-Aussenminister in Irland, bei dem die bisherige Sanktionspolitik überprüft und zugleich ein 22. Paket vorbereitet werden soll.

Gavriil Grigorov/Sputnik/Keystone

Wladimir Putin bei einer Sitzung des Sicherheitsrats in Moskau

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Bemerkenswert ist die ungewöhnlich scharfe Kritik des Mediums. The Pioneer argumentiert, die Strafmassnahmen hätten Russland weder wirtschaftlich in die Knie gezwungen noch politisch isoliert. Stattdessen habe Moskau seine Handelsströme verlagert und die Beziehungen zu China, dem Iran und Nordkorea ausgebaut. Der russisch-chinesische Handel erreichte demnach 2025 fast 230 Milliarden Dollar, gegenüber 110 Milliarden Dollar im Jahr 2019.

Als Kronzeugin führt der Beitrag die Ökonomin Agathe Demarais vom European Council on Foreign Relations an. Sie spricht in ihrem Buch «Backfire» von einem «Sanction Overkill». Sanktionen entfalteten durchaus Wirkung, allerdings teilweise anders als von ihren Urhebern beabsichtigt.

The Pioneer nennt fünf problematische Folgen: Russland finde neue Käufer für seine Rohstoffe, neue geopolitische Bündnisse verfestigten sich, höhere Energiepreise belasteten Europa, der äussere Druck könne Putins Rückhalt im Inland stärken, und Reisebeschränkungen träfen teilweise eher westliche Unternehmen als die russische Führung.

Tatsächlich ist das politische Hauptziel bisher nicht erreicht: Der Krieg dauert im fünften Jahr an, rund ein Fünftel der Ukraine steht nach Angaben des Berichts unter russischer Kontrolle. Trotzdem arbeitet die EU an weiteren Massnahmen. The Pioneer zieht daraus eine radikale Schlussfolgerung: Die Zeit der Sanktionen gehe wegen ihrer gravierenden Nebenwirkungen zu Ende.