Wer durch die Braunschweiger Innenstadt läuft, sieht sie sofort: Leere Schaufenster, Schilder mit dem Hinweis auf einen Räumungsverkauf oder aber „Wir schließen“-Schilder. Viele Braunschweiger empfinden die Entwicklung als beunruhigend. Doch die Wahrheit hinter dem Leerstand ist vielschichtiger, als sie auf den ersten Blick wirkt.
Denn parallel zu den Schließungen eröffnen auch neue Geschäfte, Cafés und Restaurants. Die Braunschweiger Innenstadt befindet sich in einem echten Umbruch. Welche Gründe stecken wirklich hinter dem Ladensterben?
📌 Ladensterben in Braunschweig: Das solltest du außerdem wissen
- Die Braunschweig Zukunft GmbH erfasst Leerstände in der Innenstadt bereits seit Sommer 2021 systematisch
- Ende 2022 gab es seit Beginn dieser Erfassung den niedrigsten Leerstand überhaupt
- Die Schloss-Arkaden eröffneten 2007 mit dem Elektronikmarkt Saturn als südlichem Ankermieter
- Eine Studie der Unternehmensberatung pwc aus dem Jahr 2023 attestiert klassischen Shopping-Centern, wie sie bis 2015 gebaut wurden, keine Zukunft mehr
Braunschweig: Wie viele Läden stehen tatsächlich leer?
Rund 100 leerstehende Flächen zählte man zum Jahreswechsel 2025/26 innerhalb der Braunschweiger Okerumflut. Das klingt zunächst dramatisch. Gleichzeitig eröffneten im vergangenen Jahr mehr als 45 neue Läden, Cafés und Restaurants in der City. 44 neue Leerstände standen damit fast genauso vielen Neueröffnungen gegenüber.
Die Wirtschaftsförderung spricht deshalb von keinem eindeutigen Trend. Schließungen und Neueröffnungen würden sich schlicht parallel abspielen, wie die Braunschweig Zukunft GmbH erklärt. Die Gründe für einzelne Geschäftsaufgaben seien zudem sehr individuell.
Warum geben Händler ihre Läden in Braunschweig auf?
Der Strukturwandel im Einzelhandel trifft nicht nur Braunschweig, sondern Innenstädte in ganz Deutschland. Der Online-Handel zieht seit Jahren Kaufkraft aus den Städten ab. Kunden bestellen lieber bequem von zuhause, statt durch die Fußgängerzone zu bummeln.
Dazu kommen wirtschaftliche Nachwirkungen der Corona-Pandemie sowie steigende Kosten. Mieten in Toplagen sind hoch, Energie und Personal sind teurer geworden. Manchmal scheitert aber auch ein einzelnes Konzept am Markt, obwohl treue Kundschaft dahintersteht. So musste das beliebte Unverpackt-Geschäft in der Fallersleber Straße 2024 aufgeben, trotz seiner Fangemeinde.
Wie erleben die Menschen den Wandel?
Für viele Braunschweiger fühlt sich die Lage schlimmer an, als es die Zahlen vermuten lassen. Der 71-jährige Michael, der sein ganzes Leben in der Stadt verbracht hat, findet klare Worte. „Es ist katastrophal, wirklich“, sagt er. „Es ist auch kein Einkaufsparadies mehr, es ist schon traurig.“ Ihn zieht inzwischen vor allem die Gastronomie in die City.
Auch jüngere Bewohner spüren die Veränderung deutlich. Die 22-jährige Verena erzählt, dass viele neue Läden nur kurz bestehen und danach lange leer stehen. Manchmal zieht es sie deshalb eher nach Hannover oder Hamburg zum Einkaufen. In Braunschweig bleibt sie trotzdem gerne, wegen der Atmosphäre und der historischen Gebäude.
Was unternimmt die Stadt gegen den Leerstand?
Braunschweig sitzt dem Wandel nicht tatenlos gegenüber. Seit 2020 läuft ein umfassender Innenstadtdialog mit Stadtmarketing und weiteren Akteuren der Stadtentwicklung. Daraus entstand eine Innenstadtstrategie, die die City stärker als sozialen Treffpunkt positionieren soll und nicht nur als Einkaufsmeile.
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Auch die Betreiber großer Malls denken um. Statt reiner Verkaufsflächen sollen künftig Wohnungen, Gastronomie und Freizeitangebote einziehen. Ob dieser Umbau gelingt, hängt von vielen Faktoren ab. Vermieter, Handel und Stadt müssen an einem Strang ziehen, damit aus dem Leerstand wieder Leben wird.