So frech und erfrischend wie der Titel – Dreck unter den Nägeln – so frech sind die Bilder von Eva Nüßlein, die das Kunstpalais Erlangen zeigt. In der Welt der aus Bamberg stammenden Künstlerin spielen Musik, Punk und Subkultur eine herausragende Rolle. In einer unmittelbaren, lauten und plakativen Bildsprache taucht Nüßlein ein in diese Themen, montiert sie in ihrer Malerei zu theatralen (Bühnen-)Szenen, gespickt mit immer wiederkehrenden Symbolen wie Sternen, Tränen und Totenköpfen (bis 27. September 2026).
Ebenfalls im Kunstpalais Erlangen zu sehen ist die Ausstellung Cyrill Lachauer. The Sunset Route. Lachauer reiste viele Jahre unter anderem durch die USA, folgte dort den wanderarbeitenden Hobos, erforschte Menschen und Landschaften. Als Train-Hopper durchquerte er das Land, daher der Titel, der sich auf die gleichnamige, mehr als 3000 Kilometer lange Eisenbahnstrecke im Süden der USA bezieht. Die aktuelle Ausstellung ist in Kooperation mit der Sammlung Goetz in München entstanden, die Lachauer unter anderem vor fünf Jahren im Haus der Kunst gezeigt hat. Die Arbeiten drehen sich um Themen wie Freiheit, Selbstbestimmtheit und Widerständigkeit, Kolonisation, Ausgrenzung und Ausbeutung. Aber wie immer bei Lachauer: neu arrangiert und mit ortsspezifischen Arbeiten kombiniert (bis 27. September 2026).

Der „Engel“ von Franz Vornberger ist in der Ausstellung „Charakterköpfe“ zu sehen.
Annette Kradisch; Kunstvilla
Köpfchen haben, den Kopf verlieren oder ihn hochtragen – Redewendungen rund um den Kopf gibt es viele. Und wohl selten hat man so viele abgebildete Gesichter gesehen wie in diesen von Selfies geprägten Social-Media-Tagen. Doch auch in der Kunst spielt das Porträt eine große Rolle. In der Kunstvilla Nürnberg gibt es rund um den Kopf derzeit die Ausstellung Charakterköpfe, in der sich die Nürnberger Künstlerinnen und Künstler Christine Colditz, Christoph Gerling, Fatma Güdü, Sejin Kim, Werner Knaupp, Dashdemed Sampil und Franz Vornberger mit dem Motiv ernsthaft bis heiter auseinandersetzen (bis 18. Oktober 2026).
Auch die Ausstellung ibid in der Kunsthalle Nürnberg hängt eng zusammen mit zwei Charakterköpfen: Marianne und Hans Friedrich Defet. Das Nürnberger Sammlerpaar hat viel für die zeitgenössische Kunst in seiner Heimatstadt getan und zudem vor 15 Jahren das Marianne-Defet-Malerei-Stipendium ins Leben gerufen. Nun hat die Kunsthalle zusammen mit dem Institut für moderne Kunst und dem Kunstverein Nürnberg eine Gruppenausstellung konzipiert, in der die Stipendiaten gemeinsam ihre Positionen zeitgenössischer Kunst in all ihren Varianten zeigen (bis 4. Oktober 2026).

Ein Selbstbildnis von Carl Grossberg aus dem Jahr 1928 (Privatsammlung Deutschland).
Grisebach, Berlin / Fotostudio Bartsch
Carl Grossberg. Sachlich – Magisch – Visionär heißt die Schau, die das Museum im Kulturspeicher Würzburg dem Vertreter der Neuen Sachlichkeit widmet. Es ist eine große Retrospektive, die in Kooperation mit dem Von der Heydt Museum Wuppertal entstanden ist und etwa 50 Gemälde und 100 Arbeiten auf Papier vereint. Grossberg verbrachte nach seinem Studium am Bauhaus fast sein gesamtes künstlerisches Leben in der Region. Von 1921 bis zu seinem frühen Tod 1940 im Alter von nur 46 Jahren lebte und arbeitete er im unterfränkischen Sommerhausen. Dort bewohnte er mit seiner Familie den „Flurersturm“, einen ehemaligen Wehrturm der Stadtbefestigung. Die Ausstellung wird vom 26. September 2026 bis zum 17. Januar 2027 zu sehen sein.

Ruth Baumgarte: „His Land“ von 1994.
Kunststiftung Ruth Baumgarte
Zuletzt ein Blick via Bayreuth nach Afrika. Das Iwalewahaus in Bayreuth zeigt die Ausstellung Ayeye! mit Arbeiten von Ruth Baumgarte. Das Iwalewahaus der Universität Bayreuth besitzt die europaweit größte institutionelle Sammlung zeitgenössischer Kunst aus Afrika und der afrikanischen Diaspora. Das Wort Iwalewa stammt aus der Sprache der Yoruba und bedeutet so viel wie „Charakter ist Schönheit“. Auch der Titel der Ausstellung, Ayeye, kommt aus der Sprache der Yoruba und kann mit „Lasst uns feiern“ übersetzt werden. Die Malerin Ruth Baumgarte (geboren 1923 in Coburg) entdeckte Anfang der Achtzigerjahre die Kunst und Kultur des afrikanischen Kontinents. Bis kurz vor ihrem Tod 2013 reiste sie etwa 40 Mal und oft monatelang durch Länder wie Kenia, Uganda, Tansania, Simbabwe, Südafrika, Äthiopien oder Ägypten. In dieser Zeit entstand ihr Afrikazyklus mit etwa 100 Gemälden und Zeichnungen von expressiv-explosiver Farbigkeit. Die Ausstellung setzt Bilder des Afrikazyklus’ in Dialog mit ausgewählten Werken aus der Sammlung und ist bis 18. September zu sehen.