Vor einem Jahr waren sie noch „baden“ gegangen: Mit einer symbolträchtigen Aktion im Duisburger Innenhafen hatten Beschäftigte von ArcelorMittal auf die schwierige Lage ihres Standorts in Duisburg hingewiesen. Letztlich blieben alle Proteste vergeblich: Das Stahlwerk und das Knüppelwalzwerk werden geschlossen. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit.

Für die Beschäftigten und auch die IG Metall kam diese Nachricht nicht ganz überraschend. Denn bereits im Dezember 2024 hatte ArcelorMittal die Kündigung des Roheisenliefervertrages mit Thyssenkrupp Steel zu September 2027 bekannt gegeben. Die Begründung: Eine vorgeschlagene Vertragsverlängerung wäre für das Stahlunternehmen mit erheblichen Kostensteigerungen verbunden gewesen.

Ein weiterer Grund war, dass die Transformation der Stahlproduktion – in Rede stand dabei die Installierung eines Elektroofens – am Duisburger Standort nicht umgesetzt wurde. In anderen europäischen Ländern setzt Arcelor Mittal indes auf die Transformation.

Drahtwalzwerk bleibt am Standort

Übrig bleibt am Standort Ruhrort dann noch das Drahtwalzwerk. Das soll künftig von anderen Arcelor-Standorten mit Vorprodukten, den sogenannten Halbzeugen (Knüppeln) beliefert werden. „Mehrere Standorte von ArcelorMittal sowie andere externe Hersteller in Europa sind in der Lage, Duisburg mit einem Großteil der Halbzeuge zu versorgen“, heißt es in der Mitteilung. So sei der Standort in Hamburg gut positioniert, um Duisburg mit Halbzeugen mit einem geringeren CO2-Fußabdruck zu versorgen.

Duisburg ist derzeit der Hauptlieferant von Halbzeugen für das ArcelorMittal-Werk im französischen Gandrange. Auch dieses Werk soll Knüppel von anderen Standorten beziehen und zudem von externen Lieferanten versorgt werden.

Mit der Schließung des Stahlwerks und des Knüppelwalzwerks würden rund 550 Stahlarbeiter ihren Job verlieren, etwa 300 würden dann noch bleiben. Noch in diesem Monat soll mit Verhandlungen über einen Sozialplan für die Betroffenen begonnen werden.

„Wir sind uns bewusst, dass dies für unsere Mitarbeitenden bei ArcelorMittal Duisburg eine schwierige Nachricht ist. Zwar sind die strukturellen Herausforderungen, denen sich der Stahlsektor in Europa gegenübersieht, erheblich und allgemein bekannt – darunter eine geringe Kapazitätsauslastung, eine rückläufige lokale Nachfrage, eingeschränkte Exportmöglichkeiten und hohe Energiekosten –, doch hat die Sicherung der langfristigen Zukunft von ArcelorMittal Duisburg absolute Priorität“, sagt Sanjay Samaddar, Konzernchef von ArcelorMittal Europe für den Bereich der Langprodukte.