Sie ist gerade einmal fünf bis sechs Millimeter groß und leicht zu übersehen. Trotzdem sorgt eine winzige Wildbiene aus Braunschweig jetzt für große Aufmerksamkeit. Die Südliche Goldfurchenbiene wurde erstmals in Niedersachsen nachgewiesen.

Entdeckt wurde das Tier am 24. Juni im Naturschutzgebiet Riddagshausen. Der Fund gelang dem Braunschweiger Wildbienenforscher Henri Greil vom Julius Kühn-Institut. Ausgerechnet eine Fernsehaufnahme führte zu der überraschenden Entdeckung.

📌 Wildbienen in Deutschland

  • Auch Hummeln gehören biologisch zu den Wildbienen.
  • Die meisten Wildbienenarten leben einzeln und bilden keinen großen Staat. Zahlreiche Arten bauen ihre Nester im Boden.
  • Klassische Insektenhotels helfen hauptsächlich Arten, die vorhandene Hohlräume beziehen.
  • Offene Sandflächen können für bodennistende Wildbienen besonders wertvoll sein.

Zufallsfund bei Dreharbeiten

Greil untersuchte mit seinem Team den Sandmagerrasen „Neues Land“. Die Forschungsfläche liegt auf einem ehemaligen Acker und bietet wärmeliebenden Insekten einen besonderen Lebensraum. Eigentlich sollten dort bereits bekannte Wildbienen für einen Fernsehbeitrag gezeigt werden.

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Auf derselben Fläche hatte das Team 2023 die Stumpfe Zweizahnbiene erstmals in Niedersachsen entdeckt. Dieser Fund gehörte zu sieben Erstnachweisen, über die das Julius Kühn-Institut im Frühjahr berichtete. Anlässlich dieser Veröffentlichung begleitete ein RTL-Team die Forscher bei ihrer Arbeit.

Winzige Biene fällt plötzlich auf

Während der Dreharbeiten fing Greil verschiedene Wildbienen, um die wissenschaftliche Erfassung zu erklären. Auf einer Blüte des Bergsandglöckchens fiel ihm ein ungewöhnliches Tier auf. Die Biene wurde für eine genauere Untersuchung mit ins Institut genommen.

Dort bestimmte Doktorand Felix Rosenbaum das Tier unter einem Binokular als Halictus submediterraneus. Auch Hanna Gardein, Jana Deierling und Jonah Krause waren an der Arbeit beteiligt. „Allerdings war ein solch schneller und überraschender Erfolg unter Begleitung eines Kamerateams nicht zu erwarten“, erklärt Greil auf News38-Anfrage.

Augen leuchten smaragdgrün

Im Gelände kann die Südliche Goldfurchenbiene schnell mit häufigeren Arten verwechselt werden. Erst unter Vergrößerung werden ihre besonderen Merkmale deutlich. Dazu gehören ein metallischer Glanz und smaragdgrün leuchtende Augen.

Weitere Hinweise liefern die Färbung der Beine und eine spezielle Punktierung auf dem Hinterleib. Felix Rosenbaum verglich diese Merkmale mit wissenschaftlichen Bestimmungsschlüsseln. Erst dadurch ließ sich der Erstnachweis für Niedersachsen sicher bestätigen.

Warum die Biene behalten wurde

Das gefundene Tier wurde anschließend in die wissenschaftliche Sammlung des Instituts überführt. Damit bleibt ein überprüfbarer Beleg für den Fund in Braunschweig erhalten. Künftige Forscher können das Exemplar erneut untersuchen.

Die Entnahme einzelner Tiere ist laut Greil für die wissenschaftliche Bestimmung häufig unvermeidbar. Viele deutsche Wildbienenarten lassen sich nur unter starker Vergrößerung sicher unterscheiden. Historische Sammlungsexemplare zeigen außerdem, welche Arten früher in einer Region vorkamen.

Klimawandel könnte Ausbreitung fördern

Die Südliche Goldfurchenbiene bevorzugt warme und trockene Lebensräume. Dazu gehören Sandmagerrasen sowie Binnendünen. Auch Sandgruben können der kleinen Art geeignete Bedingungen bieten.

Ihr bisheriger Verbreitungsschwerpunkt liegt unter anderem in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Auch aus warmen Regionen Süddeutschlands ist sie bekannt. Deutschlandweit gilt die Art nach Angaben des Forschers als gefährdet.

Kam sie aus Sachsen-Anhalt?

Möglicherweise hat sich die Biene aus dem Raum Magdeburg oder dem nördlichen Harzvorland nach Braunschweig ausgebreitet. Steigende Temperaturen können wärmeliebenden Arten das Besiedeln neuer Gebiete erleichtern. Stadtgebiete bieten ihnen teilweise besonders günstige Wärmeinseln.

Beweisen lässt sich diese Erklärung bislang allerdings nicht. Die sehr kleine Art könnte in Niedersachsen schon länger leben und bisher übersehen worden sein. Selbst über die Wildbienenfauna vieler grundsätzlich geeigneter Flächen ist nur wenig bekannt.

Braunschweiger Fläche besonders wertvoll

Der Fund zeigt auch die Bedeutung des Sandmagerrasens „Neues Land“. Für seine Entstehung wurde auf einem ehemaligen Acker eine bis zu 50 Zentimeter hohe Sandschicht aufgeschüttet. Die Maßnahme sollte verlorene Sandtrockenrasen ausgleichen, die dem Bau der A39 weichen mussten.

Heute pflegen die Stadt Braunschweig und verschiedene Verbände die Fläche. Sie gehört zum Naturschutzgebiet Riddagshausen. Weitere besondere Funde können im Artenfocus Niedersachsen dokumentiert und für Schutzmaßnahmen ausgewertet werden.

Bald mehr als 400 Arten

Im Frühjahr waren 395 Wildbienenarten aus Niedersachsen bekannt. Während des Sommers kamen nach Angaben des Forschungsteams weitere Erstnachweise hinzu. Diese sollen demnächst wissenschaftlich veröffentlicht werden.

Damit könnte die Zahl erstmals die Marke von 400 Arten überschreiten. Der Fund der Südlichen Goldfurchenbiene fließt zudem in die neue Rote Liste für Niedersachsen und Bremen ein. Sie soll zeigen, welche Arten vorkommen und wie stark sie gefährdet sind.

KI soll Wildbienen erkennen

Die beteiligten Wissenschaftler arbeiten im Forschungsprojekt BeesUp. Dabei entsteht ein digitales Planungswerkzeug, das mithilfe künstlicher Intelligenz bei der Gestaltung bienenfreundlicher Flächen helfen soll. Das Bundesamt für Naturschutz fördert das Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt.

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Bis Ende 2026 soll außerdem eine Bestimmungs-App veröffentlicht werden. Sie soll 360 Wildbienenarten anhand von Smartphone-Fotos erkennen können. So könnte das Wissen über die Verbreitung der Tiere künftig deutlich wachsen.

Für Greil ist dieses Wissen entscheidend, um Lebensräume richtig zu pflegen. „Wenn das Wissen nicht besteht, zerstört man so möglicherweise ungewollt den Lebensraum für bestimmte Arten“, warnt der Forscher. Der kleine Zufallsfund aus Braunschweig könnte deshalb weitreichende Folgen für den Artenschutz haben.