Waffensysteme der Zukunft

Aktualisiert am 02.09.2026, 16:34 Uhr

Generalleutnant Michael Vetter hofft, dass sich mit KI-gestützten Waffensystemen zivile Opfer in Konflikten sogar besser vermeiden lassen. (Archivbild)
© IMAGO/Bernhard Herrmann

Wie viel Entscheidungsgewalt darf Künstliche Intelligenz auf dem Schlachtfeld haben? Generalleutnant Michael Vetter zieht klare Grenzen – macht aber auch deutlich, wo die Maschine dem Menschen überlegen ist.

Künstliche Intelligenz spielt in immer mehr Bereichen eine Rolle. Auch das Militär ist davon nicht ausgenommen. In einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ hat Generalleutnant Michael Vetter nun erklärt, wie die Bundeswehr mit der neuen Technologie umgeht.

Mensch steht immer über KI

Vetter, der die Abteilung Innovation und Cyber im Bundesverteidigungsministerium leitet betont dabei: „In der Bundeswehr wird immer der Mensch die Kontrolle bei der Entscheidung über die Anwendung militärischer Gewalt haben.“

Was das konkret bedeutet, hänge Vetter zufolge aber vom jeweiligen Kontext ab. So seien die entsprechenden Offiziere beispielsweise darin ausgebildet zu verstehen wie das Flugabwehrraketensystem Patriot funktioniere. Ob es sinnig sei, dass sie in den Entscheidungsprozess des Systems eingreifen sollen, hänge aber von der konkreten Situation ab.

Werde beispielsweise eine Fregatte durch Drohnen oder anfliegende Raketen bedroht, sei es sinnvoller das System selbstständig arbeiten zu lassen, weil es viel schneller reagieren könne.

Anders verhält es sich in urbanen Gefechtssituationen: Dort müsse der Soldat „die menschliche Kontrolle viel direkter vornehmen“ und in Echtzeit urteilen, um etwa das Leben von Zivilisten zu schützen. „Ich kann nicht davon ausgehen, dass der Bereich komplett geräumt ist“, so Vetter.

Deswegen könne man das System nicht autonom schießen lassen, „sondern, ich als Mensch muss unter Beachtung der Einsatzregeln und des Humanitären Völkerrechts in bewaffneten Konflikten das Feuer freigeben – oder eben auch nicht.“

Bundeswehr prüft auch KI genau

Das Verteidigungsministerium prüfe deshalb auch jedes Waffensystem darauf, ob es den Anforderungen des Völkerrechts genüge. „Diese Prüfung umfasst auch die Nutzung von KI“ um sicherzustellen, dass diese letztlich dem „Aspekt der menschlichen Kontrolle“ unterliege. Dabei werde auch kontrolliert, „dass die KI genau das tut, was sie soll – und zwar nach unseren Vorgaben im Einklang mit den Werten unseres Grundgesetzes.“

Die Frage, was passiert, wenn KI dennoch Fehler macht und etwa Zivilisten dadurch sterben, beantwortet Vetter nüchtern: „Wenn das heute Menschen machen, passieren genauso viele Fehler. Wenn nicht sogar mehr.“

Der entscheidende Maßstab sei nicht, ob Fehler grundsätzlich vermeidbar sind, sondern wie deren Risiko minimiert werden kann. Vetters erklärtes Ziel sei: „Dass wir mit KI zwar einerseits die Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeit der Bundeswehr steigern, dabei aber auch den Schutz von Zivilbevölkerung und ziviler Infrastruktur erhöhen.“

Der Offizier gab dabei auch zu bedenken, dass es Gegner geben werde, die mit der KI in Waffensystemen weniger verantwortungsvoll umgehen werden. Es gebe schließlich auch ein „Chemiewaffenverbot, deswegen wurden trotzdem bereits chemische Waffen eingesetzt.“ Das sich potenzielle Gegner nicht „an Regeln“ halten könnten, sei aber kein Grund es selbst nicht zu tun.

Bundeswehr lernt aus ukrainischen Gefechten

Vetter betonte in dem Gespräch auch, dass die Ukraine derzeit ganz praktische Erfahrungen mit KI-gestützten Waffensystemen sammle. Dabei übermittle sie auch Daten, die mithilfe deutscher Rüstungsgüter erhoben werden, an Deutschland.

Diese Informationen seien für die Bundesrepublik „enorm wichtig“. Mit den Daten könne man unter anderem die eigenen Systeme trainieren. „So zynisch das klingt: Die Ukraine ist im Moment ein Reallabor“, so Vetters Fazit.

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Wann kämpfen Maschinen gegen Maschinen?

Theoretisch sei es laut dem Militärexperten auch heute schon möglich, dass sich Maschinen auf einem Schlachtfeld autonom bekämpfen. Zumindest „in einer abgeschirmten Testumgebung“.

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Wann es tatsächlich zu Gefechten komme, an denen Menschen gar nicht mehr beteiligt seien, könne aber „niemand vorhersagen“. Vetter gibt dabei aber auch zu bedenken: „Glaubt jemand ernsthaft, dass der Krieg vorbei ist, wenn die Maschinen der einen Seite die Maschinen der anderen Seite besiegt haben? Oder werden dann nicht in nächster Instanz doch die Menschen weiterkämpfen?“ (red)

Verwendete Quellen