Fast 1,5 Milliarden US-Dollar konnte Avatar: Fire and Ash weltweit an den Kinokassen einspielen. Damit positioniert sich die Sci-Fi-Fortsetzung auf Platz 16 der erfolgreichsten Filme überhaupt, zwischen Top Gun: Maverick und Die Eiskönigin 2. Ein beachtlicher Triumph, könnte man meinen. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Obwohl der Film unfassbar viel Geld eingespielt hat, blieb er hinter den Erwartungen zurück. In Branchenkreisen wird sehr vorsichtig von einer okayen Performance an den Kinokassen gesprochen, mitunter allerdings auch von einer finanziellen Enttäuschung. Avatar: Fire and Ash ist kein Flop, aber ebenso kein Überflieger.

Die nächsten Avatar-Filme müssen ihre Kosten drücken

Bei The Wrap  ist nun eine umfangreiche Analyse erschienen, die sich mit der Zukunft der Avatar-Reihe beschäftigt. Der bisherige Plan sah zwei weitere Filme vor: Avatar 4 sollte im Dezember 2029 ins Kino kommen, Avatar 5 im Dezember 2031. Darüber hinaus war eine Avatar-Erweiterung im Disney California Adventure geplant.

Plötzlich ist aber nichts mehr davon sicher.

Bereits vor dem Kinostart von Fire and Ash deutete Regisseur James Cameron an, dass der dritte Teil als Abschluss seiner Avatar-Saga betrachtet werden könnte. Jetzt findet offenbar tatsächlich ein Umdenken bei Disney statt – oder zumindest ein Abwägen der Optionen, wie aus dem Bericht von The Wrap hervorgeht.

Offenbar gibt es Gespräche darüber, wie die neuen Avatar-Filme „billiger und kürzer“ produziert werden können, um das finanzielle Risiko zu schmälern. Diesen Gedanken hat Cameron auch schon mehrmals geteilt. So beeindruckend die Avatar-Filme sind – sie nähern sich einem Punkt, an dem sie sich nicht mehr rechnen.

Das Budget von Fire and Ash wird auf eine Summe zwischen 350 und 400 Millionen US-Dollar geschätzt. Damit sich eine solche Investition lohnt, muss ein Film das Zwei- bis Dreifache einspielen. Grund dafür sind zusätzliche Kosten für das Marketing und die geteilten Einnahmen mit den Kinos. Theoretisch hat das Teil 3 geschafft.

Entscheidend ist in diesem Fall allerdings nicht, wie viel der Film gemacht hat, sondern wie viel weniger er im Vergleich zum Vorgänger eingebracht hat. Avatar: The Way of Water kam auf über 2,3 Milliarden US-Dollar – und das ist ein mächtiges Gefälle, das Avatar wohl den Status als absolutes Ausnahme-Franchise gekostet hat.

Avatar wurde von einer anderen Disney-Reihe geschlagen

Letztes Jahr zog im Box-Office-Rennen sogar ein anderer Disney-Titel mühelos an Avatar vorbei: Zoomania 2 verbuchte fast 1,9 Milliarden US-Dollar für sich, sodass nun aktiv darüber nachgedacht wird, die Avatar-Parkpläne in Zoomania-Parkpläne umzuwandeln. In Disneys Shanghai-Resort hat das 2023 erfolgreich funktioniert.

The Wrap zitiert den ehemaligen Disney-Mitarbeiter Jim Shull:

Die Wahrheit ist, dass Avatar 3 zwar ganz gut lief, aber als kulturelles Phänomen hat es sich erschöpft. Niemand verlangt nach mehr. Den Leuten gefällt, was sie haben, und wenn es ihnen wirklich gefällt, können sie nach Florida fahren und es sich dort [im Themenpark] anschauen.

Ist Avatar damit am Ende? Sehr wahrscheinlich nicht. Insgesamt haben die drei Teile über 6,7 Milliarden US-Dollar eingespielt, was im Durchschnitt zwei Milliarden pro Film macht – ein Schnitt, an den sonst nur die Avengers-Abenteuer heranreichen. Auf einige Veränderungen werden wir uns vermutlich trotzdem einstellen müssen.

Lange Zeit wirkte es, als stünden Cameron unbegrenzte Ressourcen zur Verfügung, um seine Vision zu verwirklichen. Der massive Erfolg der Vorgänger brachte ihm quasi einen Freifahrtschein ein. Der dürfte nach Fire and Ash abgelaufen sein. Bei Avatar 4 und 5 wird er einen Weg finden müssen, um die Ausgaben zu drücken.

Obwohl angeblich schon 22 Prozent des vierten Teils gedreht wurden, ist zudem von weiteren Startterminverschiebungen auszugehen – nicht nur aus Produktionsgründen. Zwischen The Way of Water und Fire and Ash hat schlicht die Wartezeit gefehlt, um beim Publikum neue Sehnsucht nach Pandora zu wecken.

Hier stellt sich die Frage, mit welchem Versprechen die nächsten Fortsetzungen kommen. Avatar befindet sich an einem Punkt, wo das Staunen ob der visuellen Wucht nicht mehr reicht. Bereits bei Fire and Ash war zu vernehmen, dass beim Kinogang zu viele Déjà-vus aufgetaucht sind. Avatar 4 und 5 brauchen etwas Neues.