In Sichtweite zur Wallfahrtskirche Maria Birnbaum hat sich der TSV Sielenbach zu einer Art Pilgerstätte für fähige Fußballerinnen entwickelt. So stehen am Samstag (17 Uhr), wenn das Frauenteam gegen die SG Wattenweiler in seine dritte Spielzeit der Bezirksoberliga startet, zwei hochveranlagte Spielerinnen aus dem letztjährigen Bayernligakader des TSV Schwaben Augsburg im Sielenbacher Dress auf dem Rasen an der Gartenstraße.

Und das auf eigene Initiative. „Sie haben angefragt, ob sie bei uns spielen können“, schildert Christoph Bauer, Trainer des Fünften der Vorsaison: „Als dann klar war, dass für Schwaben in die Landesliga runtergeht, kamen sie zu uns.“ Rebekka Spiess, 25, charakterisiert Bauer als physisch starke zentrale Mittelfeldspielerin. „Sie hat aber auch Zug zum Tor.“ Die 23-jährige Carina Bauch beschreibt der Übungsleiter als „super Innenverteidigerin mit tollem Timing und guter Übersicht“.

Pause nach Schwaben Augsburg, jetzt zurück in Sielenbach

Bauer weiß, wovon er spricht. Schließlich kennt er das Duo schon aus seiner eigenen Zeit bei den Violetten. Von 2019 bis 2022 coachte er gemeinsam mit Martin Janyga die Bayernliga-Mannschaft der „Schwabenritter“. Dass die beiden sich für Sielenbach entschieden, ist gewiss eng mit seinem Namen verbunden. Seit der Winterpause ist er 35-Jährige – gleichzeitig Fußballabteilungsleiter des Klubs – zurück auf der Trainerbank. „Unser Jüngste ist älter geworden“, sagt der Vater von drei Kindern über das Ende seiner fast vierjährigen Auszeit als Trainer: „Jetzt war‘s wieder an der Zeit.“

Zunächst in einer gemeinsamen Übergangsphase, gemeinsam mit Spielertrainerin Nina Ruschweweyh betreute er das TSV-Ensemble in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit. Wenngleich der „Kontakt eh ständig bestand“, wie der Lehrer am Schrobenhausener Gymnasium lachend anmerkt. Schließlich begann seine Laufbahn als Trainer 2014 bei den Sielenbacher Frauen, die damals noch in der Kreisklasse kickten.

Favorit in der BOL: Absteiger FC Augsburg

Die Gegnerinnen hießen damals Weilheim oder Sandizell, heute fordert der TSV Nördlingen, Kaufbeuren oder den FC Augsburg. Der FCA, 2025 hauchzart Meister vor Aufsteiger Sielenbach, ist prompt aus der Landesliga zurückgekehrt und für Bauer Favorit auf den Titel. „Sie werden unbedingt wieder hochwollen“, sagt er. An einen Durchmarsch aber glaubt der Trainer nicht. „Dafür ist die Liga zu ausgeglichen.“

Denn selbst den vier Neulingen – darunter Landkreis-Rivale Mering – prognostiziert Bauer eine sorgenfreie Saison. Auch seine eigene Equipe sei nicht auf Wunder angewiesen, wie sie dereinst dem Sielenbacher Birnbaum nachgesagt wurden, in dem ein Hirte ein von den Schweden im Dreißigjährigen Krieg verschandeltes Vesperbild versteckt hielt. Denn: „Wir haben einen sehr viel breiteren Kader und fast ein Luxusproblem mit 18 Spielerinnen, die alle die Klasse haben, von Beginn an zu spielen.“

„…, dann sind wir eine sehr, sehr gute Mannschaft“

Er sei, sagt Bauer, „guter Dinge, dass wir eine sehr spannende Saison erleben“. Und dass der TSV einen Teil dazu beiträgt. Seine Zuversicht schöpft er auch aus einem 2:0-Sieg in einem Test gegen Landesligist SC Biberbach. „Wenn wir konstant hinbekommen, so zu spielen wie in diesem Spiel, dann sind wir eine sehr, sehr gute Mannschaft“, fasst er zusammen. Das Gegenbeispiel haben der Trainer und sein Team gleich zum Auftakt gewissermaßen vor Augen. Den Auftritt bei der 1:2-Niederlage gegen Wattenweiler in der Rückserie der Vorsaison hätte Bauer wohl am liebsten auch in einem Birnbaum versteckt. „Das war eines unser schlechtesten Spiele“, findet er: „Das wollen wir dieses Mal anders gestalten.“