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Dresden – Dieser Deal könnte für die deutsche Industrie richtungsweisend sein. Ein Unternehmen aus Sachsen stoppt in der Wirtschaftskrise die Einführung der 35-Stunden-Woche – und das mit Zustimmung der Gewerkschaft. Andernfalls drohe zahlreichen Beschäftigten der Verlust ihres Arbeitsplatzes, heißt es.
Die Elbe Flugzeugwerke (EFW, 2000 Mitarbeiter) am Dresdner Flughafen stellen Fußböden für Airbus her, warten Flugzeuge vom Typ A380 und bauen ausgemusterte Passagiermaschinen zu Frachtflugzeugen um. Doch weil Airbus und Boeing Lieferprobleme bei neuen Maschinen haben, können Airlines ihre alten Flieger nicht ausmustern. Während EFW viele Jahre volle Auftragsbücher für die Umrüstung in Dresden hatte, gibt es hier im kommenden Jahr keinen einzigen Auftrag – und damit enorme finanzielle Belastungen für das Unternehmen.
Aber wohin mit den Mitarbeitern aus der Umrüstung? Lediglich 100 konnten vorübergehend an andere Firmen verliehen werden, andere arbeiten nun in anderen Bereichen mit. Unter anderem wurde eine zweite Wartungslinie aufgebaut.
35-Stunden-Woche in guten Zeiten vereinbart
Als 2023 die Krise noch nicht absehbar war, hatte der Konzern der IG‑Metall-Forderung zur Einführung der 35-Stunden-Woche bei gleichem Lohn zugestimmt. Starttermin: 1. Januar 2026. Zur Einführung kam es aber nicht – zweimal wurde die 35-Stunden-Woche verschoben, jetzt ist sie ganz gekippt. Denn weniger Arbeitszeit bei gleichem Lohn für 2000 Beschäftigte würde die Arbeitsstunde für EFW teurer machen. Die Kalkulation der Chefs: Wenn die Kosten für die Produktion nicht steigen, dann bekommt man schneller Aufträge – die sonst vielleicht ins Ausland gehen würden. Die Belegschaft zieht bei diesem Plan mit.

Kai Mielenz (49, CFO, li.) ist einer von zwei Geschäftsführern – hier im Gespräch mit dem IG-Metall-Bevollmächtigten Stefan Ehly (42). Der Gewerkschafter sitzt im Aufsichtsrat des Unternehmens (2025: 660 Mio. Euro Umsatz) und handelt den pragmatischen Deal aus.
Foto: Dirk Sukow
Beschäftigungsgarantie statt 35-Stunden-Woche
EFW-Geschäftsführer Kai Mielenz (49) und der IG‑Metall-Bevollmächtigte Stefan Ehly (42, Bezirk Dresden-Riesa) haben daher einen bemerkenswerten Deal geschlossen. Ehly zu BILD: „Unsere getroffene Vereinbarung ist die richtige Antwort für EFW.“ Heißt: „Wir führen die 35-Stunden-Woche erst zu dem Zeitpunkt ein, wenn wir sie uns leisten können“, so Mielenz. „Die Mitarbeiter erhalten als Ausgleich eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2030.“ Drei Viertel der Mitarbeiter haben dem Deal zugestimmt. Laut Gewerkschaft und EFW-Chef ein bundesweit bislang einmaliges Abkommen. Ehly: „Natürlich geht es hier darum, Arbeitsplätze abzusichern.“

EFW-Mitarbeiter arbeiten an einem Triebwerk. Das Unternehmen hat der IG Metall Investitionen in Dresden zugesagt und gibt allen Mitarbeitern insgesamt 15.000 Stunden pro Jahr, in denen sie mit eigenen Ideen an der Unternehmenszukunft mitarbeiten dürfen.
Foto: Dirk Sukow
Stufen-Plan mit Vorbildcharakter
Nur wenn EFW wirtschaftlich abhebt, kann die 35-Stunden-Woche zurückkommen. Und bereits für 2028 ist Besserung in Sicht. Mielenz: „Wir haben uns auf eine Finanzkennzahl für den Standort Dresden geeinigt. Wird diese in den Folgejahren erreicht, reduziert sich die Arbeitszeit um jeweils eine Stunde“, so der EFW‑Arbeitsdirektor. Heißt: „In diesem Jahr bleibt die 38-Stunden-Woche, dafür gibt es Extra-Urlaubstage. Läuft es im Folgejahr gut, kann die 37-Stunden-Woche kommen, im Jahr darauf die 36‑Stunden-Woche, im dritten erfolgreichen Jahr die 35‑Stunden-Woche. Immer abhängig vom Erreichen der Finanzkennzahl. Die Extra-Urlaubstage sinken parallel dazu wieder auf den Stand von heute.“

EFW-Geschäftsführer Kai Mielenz (49, li.) und IG‑Metall-Bevollmächtigter Stefan Ehly (42, re.) erläutern BILD-Reporter Thomas Fischer (45) den Deal. „Solch eine Vereinbarung hat in Deutschland so noch keiner geschlossen“, so Mielenz.
Foto: Dirk Sukow