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Hamburg – Es ist einer der verstörendsten Fälle, die Hamburgs Justiz in den vergangenen Jahren beschäftigt haben: Ein Jugendlicher hat nach Überzeugung des Gerichts minderjährige Mädchen im Internet systematisch unter Druck gesetzt, zu Selbstverletzungen gedrängt und homosexuelle Männer in brutale Hinterhalte gelockt. Nun ist das Urteil gefallen.
Das Landgericht Hamburg verurteilte den heute 18-jährigen Fabian Z. zu vier Jahren und sechs Monaten Jugendstrafe. Die Jugendkammer sah es als erwiesen an, dass er in zahlreichen Fällen Straftaten im sogenannten „Com-Netzwerk“ beging und zudem homosexuelle Männer über Dating-Plattformen in Fallen lockte. Die Ermittler stießen auf ein Muster, das frappierend an die Methoden des international bekannten Sadisten-Netzwerks „764“ erinnerte: Jugendliche werden über das Internet manipuliert, eingeschüchtert und zu immer drastischeren Handlungen getrieben.

Am Hamburger Landgericht fiel nun das Urteil gegen Fabian Z.
Foto: Georg Wendt/dpa
Mädchen zu Selbstverletzungen gedrängt
Nach Feststellung des Gerichts setzte Fabian Z. zwischen 2023 und 2024 sieben Mädchen im Alter von zwölf bis 15 Jahren massiv unter Druck. Die Opfer wurden demnach mit kompromittierenden Bildern erpresst. Sie mussten Namen und Gruppenkürzel wie „the espada“ oder „A.L.I.C.I.A.“ in ihre Haut ritzen.
Das Gericht verurteilte ihn deshalb unter anderem wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern ohne Körperkontakt.
Keine Verbindung zu „White Tiger“
Besonders brisant: Die Taten erinnerten an den ebenfalls in Hamburg angeklagten mutmaßlichen „764“-Sadisten „White Tiger“, über dessen Fall BILD ausführlich berichtet hatte. Eine direkte Zusammenarbeit zwischen Fabian Z. und dem gesondert verfolgten „White Tiger“ konnte die Jugendkammer allerdings nicht feststellen.

Im Angesicht des Bösen: Der „White Tiger“ muss sich derzeit am Landgericht Hamburg wegen Mordes und zahlreicher anderer schwerer Straftaten verantworten
Foto: Repro: JAN-HENRIK DOBERS
Jagd auf Homosexuelle
Zum Gesamtbild gehörte nach Überzeugung des Gerichts noch ein zweiter Tatkomplex. Schon die Anklage warf Fabian Z. vor, homosexuelle Männer über Dating-Portale wie „Planet Romeo“ in Hinterhalte gelockt zu haben. Diesen Vorwurf sah die Kammer nun als erwiesen an.
Der Angeklagte vereinbarte laut Gericht unter falschem Namen Treffen mit Männern in Hamburg. Die Opfer wurden anschließend von mehreren Angreifern überrascht und attackiert. Deshalb verurteilte das Landgericht Fabian Z. nun wegen gefährlicher Körperverletzung in sieben Fällen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Das ist das Com-Netzwerk
In dem internationalen Netzwerk gewaltverherrlichender Online-Communities suchen nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) Täter über Social Media, Messenger-Dienste und Gaming-Plattformen gezielt Kontakt zu potenziellen Opfern zwischen 8 und 17 Jahren. Besonders gefährdet seien psychisch belastete, weibliche Minderjährige oder Jugendliche aus gesellschaftlichen Minderheiten.